Wer ließ Merkel am Mittwoch hängen?
02.07.2010 06:43 von Daniela Ehlers
Schwarz-Gelb sucht die 44 Abweichler
Nach dem Krimi um die Wulff Wahl herrscht Kater-Stimmung bei Schwarz-Gelb. Die Bundeskanzlerin Angela Merkel wirkt angeschlagen. Wer die Bilder aus dem Bundestag sieht, muss sich Sorgen machen. Das Drama gestern hat ihr offensichtlich zugesetzt.
Jetzt fragt sich ganz Deutschland wer ließ Merkel hängen?
44 Stimmen aus der Koalition fehlten Präsidentschaftskandidat Chrirstian Wulff im 1. Wahlgang. Die eigene Mannschaft (44 Abweichler) hat die Regierungs-Chefin vorgeführt und ihr vor aller Welt die Gefolgschaft verweigert. Erst im dritten Wahlgang wurde der schwarz-gelbe Wunschkandidat Wulff von der Bundesversammlung in Berlin zum 10. Bundespräsidenten der Republik gewählt.
Jetzt schwirren die Gerüchte.
Waren es CDU- und FDP-Wahlleute aus Nordrhein-Westfalen, die dem Frust über das Debakel bei der Landtagswahl im Mai Luft verschafften?
Waren es Konservative aus dem Süden und Südwesten der Republik, die Merkel eins auswischen wollten?
Waren es Wahlleute aus dem Osten der Republik mit viel Sympathie für Gauck?
Waren es Koalitionäre, die die Regierungsarbeit von Merkel und Co. schlicht katastrophal finden?
In der Union ist die Wut auf die FDP groß. Die Liberalen setzten früh die Botschaft, es gebe in ihren Reihen 4 Bekenner, die Wulff nicht wählen wollten. Folglich seien alle anderen „Abweichler“ Wahlleute aus den Reihen der Union.
Tatsache ist, die Koalition ist heillos zerstritten. Die trauen sich alle gegenseitig nicht, sagt ein einflussreicher Koalitionspolitiker mit Blick auf die eigenen Führungsleute. Da gibt es viele, die fühlen sich seit Monaten immer wieder auf die Füße getreten, sagt ein anderer Spitzenpolitiker hinter vorgehaltener Hand. Da sei jetzt ein neuer Haufen Kleinholz auf den großen ‚Frusthaufen’ gekommen.
Parteienforscher fürchten das Schlimmste. Sie glauben, dass jetzt eine neue Eskalationsstufe im schwarz-gelben Zerwürfnis droht. Man kann sich vorstellen, wie die CSU die FDP attackieren wird und dann die FDP wiederum auf die CSU reagieren wird.
Nach dem Wahl-Krimi am Mittwoch stellt sich jetzt die Frage, ob es nicht ein vergifteter Sieg für Wulff und Merkel geworden ist. Meinungsforscher sind der Ansicht, dass es kein Votum gegen Wulff war, sondern eine Kampfansage an Angela Merkel und parteipolitische Machtspielchen.
Während die Lage für die Bundeskanzlerin durch die fast verpatzte Wahl nicht leichter wird, kann Wulff davon nur profitieren. Wulff hat die Chance aus der Misere Kapital zu schlagen wenn er es jetzt glaubhaft schafft überparteilich zu agieren.
Foto:Aleph
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