Bio-Kaffee - der bessere Kaffee?

Wissenswertes ĂŒber den natĂŒrlichen Kaffeegenuss

ein Niedersachsen-Artikel von Michael Weber - 17.01.2014
Bio-Kaffee als Alternative zu Ostfriesentee

Auch wenn die Niedersachsen sehr gern Ostfriesentee trinken, ist der Kafeegenuss insgesamt in allen Landesteilen am meisten verbreitet. Aber Kaffee ist nicht immer Kaffee. Schadstoffe, Schimmel und andere Überraschungen machen den Genuss zu einer zweifelhaften Angelegenheit. Anders sieht es bei Bio-Kaffee aus. Dieser wird nicht nur in den meisten FĂ€llen fair gehandelt, sondern die Plantagen kommen beim Anbau auch ohne Pestizide aus.

Kaffee: Bio statt Schadstoffbelastung

Bio-Kaffee ist der natĂŒrliche Kaffeegenuss! Wichtig ist der biologische Anbau von Kaffee in den ErzeugerlĂ€ndern, um dort nachhaltig Landwirtschaft betreiben zu können. Als eines der wichtigsten HandelsgĂŒter der Welt ist Kaffee von enormer Bedeutung fĂŒr die Wirtschaft der jeweiligen Export-Staaten. Dabei ist die Bio-QualitĂ€t nicht vergleichbar mit den Produkten exzessiver betriebener Monokulturen mit Einsatz von DĂŒngemitteln und Chemikalien zur SchĂ€dlingsbekĂ€mpfung. Bio-Kaffee ist flankiert von fairem Handel wichtig fĂŒr Mensch und Natur. So wird das beliebte GetrĂ€nk aus biologisch angebautemn Bohnen ein natĂŒrlicher Kaffee-Genuss - in jeder Form: als Cappuccino, Latte Macchiato, Espresso ...

Zahlen zum Kaffee

Nach Zahlen des Kaffeeverbandes werden in Deutschland jÀhrlich rund 520.000 Tonnen Kaffee verarbeitet. Dabei trinkt jeder Deutsche im Schnitt Kaffee aus 6,4 Kilogramm Bohnen. Das entspricht fast 150 Litern. Davon waren 2008 nur rund drei Prozent der gekauften Bohnen von Bio-QualitÀt, allerdings bei einer deutlichen Wachstumsrate, die Experten kurzfristig auf bis zu 20 Prozent schÀtzen. So ist es nicht verwunderlich, dass immer hÀufiger Bio-Kaffee im Handel oder auf den Karten der Cafes zu finden ist.

Was ist Kaffee eigentlich?

Kaffee ist eine aus Afrika stammende Strauchpflanze, die in subtropischen und tropischen (in Höhenlagen) Gegenden rund um den Äquator in mehr als 70 LĂ€ndern wĂ€chst. Nach einer weißen BlĂŒte trĂ€gt die Pflanze rote, fleischige FrĂŒchte. Diese haben zwei Kerne, die rohe Kaffeebohne. Nur dieser Pflanzenteil wird fĂŒr die Kaffeeherstellung genutzt. Die bekanntesten Kaffeepflanzen sind Robusta und Arabica.

Nach Zahlen der Food and Agricultural Organization (FAO) wird weltweit auf rund elf Millionen Hektar Kaffee angebaut. Die grĂ¶ĂŸten Kaffeeproduzenten sind Brasilien, Vietnam und Kolumbien, die zusammen etwa die HĂ€lfte des Weltmarktangebotes erzeugen. Deutschland ist einer der Hauptabnehmer.

Bei der Kaffeeernte gibt es verschiedene Methoden. FĂŒr qualitativ besten Kaffee ist nach wie vor die HandpflĂŒckung das Nonplusultra. Denn hier wird selektiv immer nur der reife Kaffee geerntet. Bei der mechanischen PflĂŒckung hingegen werden alle KaffeefrĂŒchte vom Strauch entfernt und eingesammelt. Das ermöglicht ein schnelleres und damit gĂŒnstigeres PflĂŒcken, aber durch den unterschiedlichen Reifegrad der FrĂŒchte kommt es zu Einbußen in der QualitĂ€t.

Die geernteten KaffeefrĂŒchte mĂŒssen anschließend aufbereitet werden. Dabei wird die Kaffeebohne durch nasse oder trockene Aufbereitung aus dem Fruchtfleisch geschĂ€lt und getrocknet. Letztlich kommt es noch zum SchĂ€len, mehreren SĂ€uberungsgĂ€ngen und schließlich zur Sortierung, bevor der Kaffee zu den Röstereien gelangt. Dort wird er zum typischen Röstkaffee.

Was heißt Bio-Kaffee?

Bio-Kaffee ist eine nachhaltige Anbauweise. Der Anbau von Kaffee hat in der Vergangenheit immer stĂ€rker zu Monokulturen gefĂŒhrt, die mit viel DĂŒngemittel und Chemikalien bearbeitet wurden, um den Ertrag so groß wie möglich zu halten. Dies ging einher einerseits mit dem Raubbau am Boden und andererseits mit Krankheiten und Allergien bei den Kaffeebauern.

Bio-Kaffee heißt, dass ein nachhaltiges Konzept ökologischen Anbaus dagegen gesetzt wird, das den Boden fortwĂ€hrend ertragreich hĂ€lt. Es werden statt ĂŒberzĂŒchteter Sorten Kaffee-Sorten angebaut, die bereits sehr robust gegen die regional vorkommenden Krankheiten und SchĂ€dlinge sind. Gepaart mit einem Mischanbau, der den Boden schont und eine natĂŒrlichere Plantagenwirtschaft ermöglicht, da auch Pflanzen dazu gehören, die fĂŒr den Boden ein natĂŒrlicher DĂŒnger sind. Auf Chemikalien wird grundsĂ€tzlich verzichtet (ausgenommen sind kupferhaltige FlĂŒssigkeiten gegen Pilzerkrankungen), stattdessen werden natĂŒrliche DĂŒngemittel eingesetzt.

Dies alles fĂŒhrt jedoch zu einem grĂ¶ĂŸeren Arbeitsaufwand. Zugleich ist die QualitĂ€t des Kaffees zwar besser, er ist aromatischer und geschmacklich individueller, aber der Ertrag etwas niedriger. Deshalb ist neben der ökologischen Komponente des Bio-Kaffees auch die wirtschaftliche Situation der Kaffee-Bauern wichtig. Diese wird gestĂ€rkt durch fairen Handel, bei dem die Erzeuger einen Garantiepreis bekommen, der unabhĂ€ngig von den Schwankungen am Weltmarkt ist. So setzt sich der Preis von Kaffee neben vielen weiteren Punkten auch durch diesen höheren Erzeugerpreis zusammen, womit fair gehandelter Bio-Kaffee etwas teurer als normaler Kaffee ist. Doch aufgepasst: Nicht jeder Bio-Kaffee ist fair gehandelt.

Bio-Kaffee und fairer Handel

Fairer Handel ist insbesondere fĂŒr Produzenten von Bio-Kaffee wichtig. Da der Arbeitsaufwand durch den intensiveren Pflegeaufwand fast doppelt so groß ist, sind die Bio-Kaffee-Bauern auf einen angemessenen Handelspreis angewiesen. Dieser wird ihnen beim fairen Handel unabhĂ€ngig vom Weltmarktpreis garantiert.

Damit können die Kaffee-Erzeuger ihren Lebensunterhalt sichern und ihre ArbeitskrĂ€fte fair bezahlen. Mit Bio-Kaffee wird etwas fĂŒr das ökologische Gleichgewicht getan, mit fairem Handel werden soziale Akzente gesetzt. Dieser faire Handel ist jedoch auch Grundvoraussetzung dafĂŒr, dass Bio-Kaffee dauerhaft produziert werden kann. Das ist insbesondere deshalb wichtig, weil bei der Umstellung von herkömmlicher Produktion auf Bio-Anbau vorĂŒbergehend Einnahmeeinbußen hingenommen werden mĂŒssen.
Nur wenn man also den Kaffee-Bauern garantiert, auf Dauer vernĂŒnftige Preise erzielen zu können - und somit auf ihre LebensumstĂ€nde RĂŒcksicht nimmt -, werden sie ĂŒberhaupt in die Lage versetzt, Bio-Kaffee anzubauen. Frei von Ausbeutung, denn der Garantiepreis kommt nicht Herstellern und HĂ€ndlern zugute, sondern direkt den Kaffe-Bauern. Fairer Handel und Bio-QualitĂ€t sind nachhaltiger und natĂŒrlicher Kaffeegenuss.
Der Deutsche Kaffeeverband Ă€ußert sich zu diesem Thema ĂŒbrigens in einem Positionspapier:

"Förderung eines nachhaltigen Kaffeeanbaus bedeutet, Verantwortung fĂŒr den Umweltschutz in den Anbaugebieten sowie fĂŒr die Einkommenssituation und die Lebensbedingungen der Kaffeebauern zu ĂŒbernehmen. Ziel ist es, dass der Kaffeeanbau sowohl den heutigen Produzenten und Verarbeitern als auch den nachfolgenden Generationen eine stabile und angemessene Einkommens- und Lebensgrundlage bietet. Daraus leitet sich auch die BerĂŒcksichtigung sozialer Belange (z.B. Zugang zu Bildung und Gesundheit) ab. Verbesserung des Farmmanagements und des Marktzugangs, die Steigerung von Effizienz, ProduktivitĂ€t und QualitĂ€t zur Erhöhung der Einkommen sind zentrale Elemente von NachhaltigkeitsansĂ€tzen."

Wer seinen Bio-Kaffe richtig genißen möchte, sollte ihn gut zubereiten. Der besondere Geschmack kann sonst verloren gehen.

Bio-Kaffee - der Geschmack

UnabhĂ€ngig vom Anbau ist der Geschmack des Kaffees erheblich von der Röstung der Kaffeebohnen abhĂ€ngig. Je nach Röstgrad erhĂ€lt der Kaffee einen anderen Geschmack. Als Faustregel gilt: Je dunkler die Bohnen geröstet werden, desto stĂ€rker ist der ursprĂŒngliche Geschmack der Bohne verfĂ€lscht. Das heißt jedoch nicht automatisch, dass ein dunkel gerösteter Kaffee tatsĂ€chlich schlecht sein muss. In SĂŒdeuropa werden solche Röstungen bevorzugt. Beispiele sind hier unter anderem der Espresso. Je dunkler die Kaffeeröstung, desto weniger SĂ€ure und mehr Bitterstoffe sind im Kaffee enthalten. Umgekehrt: Je heller eine Röstung ist, desto mehr SĂ€ure ist enthalten und desto weniger Bitterstoffe.

Bei der Röstung verlieren die Kaffeebohnen bis zu knapp ĂŒber 20 Prozent an Gewicht und legen dafĂŒr in Sachen Volumen bis zum Doppelten zu. Bei dem sehr komplexen Röstvorgang entsteht in der Kaffeebohne eine FĂŒlle neuer Substanzen, die der Röstung einen eigenen, teilweise unverwechselbaren Geschmack geben.

Auch das Mahlen der Kaffeebohnen und die Mischung von verschiedenen Sorten tragen zum Charakter eines Kaffees bei. So sind bei Filterkaffee durchaus grobere Pulver sinnvoll, bei Espresso wird dagegen ein feineres Kaffeepulver die besseren Ergebnisse erzielen.

SelbstverstĂ€ndlich sind auch Wasser und Zubereitung Aspekte des Kaffee-Geschmacks. Insbesondere das Wasser spielt wie auch beim Tee eine wichtige Rolle. Zu weiches Wasser lĂ€sst den Kaffee deutlich bitterer werden, zu hartes Wasser begĂŒnstigt Kalk. Ideal sind also mittlere HĂ€rtegrade oder/und ein Wasserfilter. Alternativ lĂ€sst sich ggf. auch ein sehr guter Wasserspender nutzen.

Am Ende gibt es tausende Varianten der Kaffeezubereitung, die allesamt sehr eigen und charakteristisch sind. Ob mit Filter, per Presskanne oder mit Kaffeevollautomat - welcher wie gemacht wirklich am besten schmeckt, hĂ€ngt von den Vorlieben des Genießers ab. Aufpassen muss man aber, wenn der Kaffee zu sehr auf die Blutwerte wirkt. Bluthochdruck und KoffeeinschĂŒbe können den schönsten Geschmack trĂŒben.

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