Tuning am Fahrzeug

Vorschriften beim Umbau des Autos

ein Niedersachsen-Artikel von Redaktion - 22.01.2018
Autotuning in Niedersachsen

Auto-Begeisterte verpassen ihrem Fahrzeug gerne mal eine extravagante Optik oder mehr Leistung. Auch in Niedersachsen gibt es in einigen Orten eine nennenswerte Tuner-Szene. Doch bei aller Euphorie muss beim Tuning einiges beachtet werden. Wir zeigen auf, was Tuning ĂŒberhaupt bedeutet, welche Tuningarten es gibt und welche Vorschriften beim Fahrzeugumbau einzuhalten sind.

Was ist Tuning?

Das Wort Tuning leitet sich vom englischen Verb „to tune“ ab und bedeutet so viel wie „etwas abstimmen/in Einklang bringen“. Beim Fahrzeugtuning geht es darum, gewisse Umbauten und VerĂ€nderungen am Kfz vorzunehmen, um die Optik und/oder Leistung zu verĂ€ndern und den eigenen WĂŒnschen anzupassen. Wer sein Auto tunt, nimmt eine Feinabstimmung von Motor, Aerodynamik oder Fahrwerk unter Aspekten der Leistungssteigerung, Ästhetik und Akustik vor. Seinen Ursprung hat das Autotuning in den Vereinigten Staaten. WĂ€hrend frĂŒher extreme Fahrzeugumbauten besonders gefragt waren, geht die Nachfrage heute wieder zurĂŒck zu dezentem Tuning.

Welche Tuningarten gibt es?

Beim Tuning wird zwischen zwei Arten unterschieden – dem optischen Tuning und den technischen VerĂ€nderungen. Optisches Tuning kann zum Beispiel die Lackierung, den Innenraum oder die Beleuchtung betreffen.

Die technischen VerĂ€nderungen beim Tuning beeinflussen die Leistung des Fahrzeugs. Hier gibt es viele Mittel und Wege, aus dem Auto mehr Leistung herauszuholen: Anpassung der Aerodynamik fĂŒr ein verĂ€ndertes Fahrverhalten, Anbau eines Spoilers zur Stabilisierung des Fahrzeugs, Chip-Tuning fĂŒr eine verbesserte Motorleistung oder Einbau eines EndschalldĂ€mpfers fĂŒr eine verĂ€nderte Akustik sind nur einige Möglichkeiten des Tunings.

Vorschriften beim Fahrzeugumbau

Die Grenzen des Tunings sind in der Straßenverkehrsordnung festgeschrieben. Folgende Änderungen sind nicht zulĂ€ssig:

  • Änderung der Fahrzeugklasse (z. B. Umbau von PKW zu LKW),
  • Verschlechterungen des Abgas- und GerĂ€uschverhaltens,
  • Änderungen, durch welche eine GefĂ€hrdung von Verkehrsteilnehmern zu erwarten ist.

Bevor das Tuning in einer speziellen Werkstatt beauftragt oder selbst Hand angelegt wird, sollten Autobesitzer zunĂ€chst prĂŒfen, ob die geplanten Änderungen zulĂ€ssig sind und welche Gutachten und Papiere zur Zulassung vorgelegt werden mĂŒssen. Ist das Tuning vollzogen, muss es schließlich von einer zertifizierten PrĂŒforganisation abgenommen und in den Fahrzeugschein eingetragen werden. Eine anerkannte PrĂŒforganisation ist zum Beispiel der TÜV, welcher auch im Vorfeld beratend zur Seite steht.

Die ABE ist mitzufĂŒhren!

Wichtig sind die Bauartgenehmigung oder die allgemeine Betriebserlaubnis fĂŒr Fahrzeugteile, in Kurzform auch ABE genannt. Diese muss stets mitgefĂŒhrt werden und vorliegen. Die Bauartgenehmigung bescheinigt, dass die an dem Fahrzeug verwendeten Einrichtungen in einer amtlich genehmigten Bauart ausgefĂŒhrt sind. Die allgemeine Betriebserlaubnis fĂŒr ein Fahrzeugteil soll sicherstellen, dass das Fahrzeug auch bei dessen Verwendung weiterhin alle Vorschriften einhĂ€lt. Demnach ergibt sich auch folgende Regelung fĂŒr HĂ€ndler: Dieser darf keine Fahrzeugteile verĂ€ußern, die nicht bauartgenehmigt sind. HĂ€ndler mĂŒssen demnach ein anerkanntes PrĂŒfzeugnis (Bauartgenehmigung oder ABE fĂŒr Fahrzeugteile oder eine gleichwertige Genehmigung) beilegen, in welcher auch vermerkt ist, ob eine Begutachtung nach dem An- oder Einbau erfolgen muss, fĂŒr welchen Fahrzeugtyp das Teil geeignet ist und was bei der Montage beachtet werden sollte. Das Zertifikat muss dem SachverstĂ€ndigen bei der Abnahme im Original vorliegen.

Achtung: Viele HĂ€ndler verkaufen "auf Anfrage" und "unter der Hand" Bauteile, die vorhandene rechtliche Grenzen mehr als dehnen. Von Umbauten mit solchen Teilen ist im eigenen Interesse abzuraten.

Daher gilt: KĂ€ufer sollten beim Kauf von Fahrzeugteilen Vorsicht walten lassen und auf die Echtheit des Zertifikats achten. Ein wichtiger Hinweis: Alle Teile mit Zertifikat tragen amtliche PrĂŒfzeichen. Wer sich zum Beispiel eine TFSI Ansaugung anschaffen möchte, sollte diese ausschließlich bei seriösen HĂ€ndlern erwerben.

Das droht aktuell bei Nichtbeachtung der gesetzlichen Vorgaben

Fahrzeuge, die mit nicht zugelassenen VerĂ€nderungen auf der Straße erwischt werden oder die allgemeine Verkehrssicherheit gefĂ€hrden, verlieren ihre Betriebserlaubnis und dĂŒrfen somit nicht mehr gefĂŒhrt werden.

Folgende Sanktionen können verhÀngt werden:

  • Bußgeld in Höhe von 10 Euro, wenn die ABE oder Bauartgenehmigung nicht mitgefĂŒhrt wird.
  • Bußgeld in Höhe von 50 Euro, wenn das Fahrzeug ohne gĂŒltige Betriebserlaubnis gefahren wird.
  • Bußgeld in Höhe von 90 Euro, wenn durch das Fahren ohne Betriebserlaubnis die Umwelt beeintrĂ€chtigt wurde.
  • Bußgeld in Höhe von 90 Euro und ein Punkt in Flensburg, wenn durch das Fahren ohne Betriebserlaubnis die Verkehrssicherheit beeintrĂ€chtigt wurde.

Tipp: Auch die Versicherung sollte möglichst schon vor dem Tuning informiert werden, damit diese im Schadensfall auch weiterhin zahlt. Außerdem ist es ratsam, sich an alle Vorgaben zu halten. Denn im Zweifelsfall sind die OrdnungskrĂ€fte berechtigt, Fahrzeuge - zumindest vorĂŒbergehend - einzuziehen.

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