Auf dem Straßenstrich nur mit Gummi

Internationaler Hurentag mit Safer-Sex-Initiative

ein Niedersachsen-Artikel von Michael Weber - 02.06.2010
Hannover - Aktion Auf dem Straßenstrich nur mit Gummi

Auch auf dem Straßenstrich oder im Bordell gilt: Nur mit Gummi! Das ist nicht nur ein sinnvoller Schutz, sondern Hauptthema einer Safer-Sex-Initiative zum heutigen internationalen Hurentag. Startpunkt der Kampagne war heute die Anlaufstelle Nachtschicht am Straßenstrich in Hannover.

Ohne Kondom drohen Infektionen

Für Prostituierte auf dem Straßenstrich sind Männer ein großes Problem, die Sex ohne Kondom fordern. Damit die sogenannten Sexarbeiterinnen nicht jedes Mal in Erklärungsnot geraten, wenn sie ungeschützten Sex ablehnen, hat die AIDS- und STD-Beratung der Region Hannover zusammen mit den Beratungsstellen Phoenix und La Strada eine Infokarte entwickelt. Diese drücken die Prostituierte den Freiern einfach in die Hand. Aufdruck: „Oh nein, nicht schon wieder ohne Gummi!“ Die Karte informiert zusätzlich deutlich über die Risiken von Geschlechtsverkehr ohne Kondom.

Prostituierte: Konkurrenz erhöht den Druck

Marlene Graf vom Team Prävention und Gesundheitsförderung der Region Hannover erklärt die hintergründige Brisanz der Aktion: „Die Frauen auf dem Straßenstrich stehen unter großem Wettbewerbsdruck, was sicher die Bereitschaft erhöht, sich auch auf riskante Sexpraktiken einzulassen.“ Deshalb soll mit der Kampagne das Bewusstsein für dieses Risikoverhalten gestärkt werden. Das geht schließlich nicht nur die Sexarbeiterinnen und die Freier an, wie Graf erläutert: „Unser Interesse ist, mit der Aktion Männer zu verantwortungsbewusstem Sexualverhalten zu motivieren, um sich, ihr privates Umfeld oder alle anderen Sexpartnerinnen vor gesundheitlichen Risiken zu schützen.“

Nicht ohne Gummi!

Sex ohne Kondom sei nahezu jeden Abend Thema im Nachtschicht, sagte Dorothee Türnau vom Verein Phoenix, einer der Träger der Anlaufstelle. „Manche sind einfach genervt, weil sehr viele Kunden danach fragen, andere sind verärgert, weil sie vermuten, dass sich andere Kolleginnen darauf einlassen“, so die Sozialpädagogin. Aus dieser angespannten Stimmung wuchs der Wunsch der Prostituierten, den Freiern eine Information geben zu können. Die Postkartenidee war geboren.

Aufklärung wichtig - Sprachbarrieren abbauen

Für Türnau hilft die Karte nicht zuletzt auch den vielen Frauen, die sich in Deutsch nicht ausreichend gut verständlich machen können. Immerhin hat mehr als die Hälfte der Frauen auf dem Straßenstrich in Hannover einen Migrationshintergrund. Darunter sind viele Bulgarinnen und andere Osteuropäerinnen. Ein Grund für die Trägervereine, möglichst oft Dolmetscherinnen oder Sozialarbeiterinnen mit entsprechenden Sprachkenntnissen einzusetzen. Nur so können die Prostituierten ausreichend über Themen wie Arbeitssicherheit oder sexuell übertragbare Krankheiten informiert werden.

Die Anlaufstelle Nachtschicht besteht seit einem Jahr und erreicht jeden Abend 30 bis 40 Prostituierte. Die Mischung aus Beratung, Austausch und Rückzugsmöglichkeit kommt nicht nur an, sondern ermöglicht den Frauen auch, Hilfe zu bekommen, bei Bedarf Heroinspritzen zu tauschen und im begrenzten Rahmen Kondome zu erhalten.

Foto: Präsentierten die Safer-Sex-Initiative: Dorothee Türnau von „Phoenix – Beratungsstelle für Prostituierte“, Cora Funk von „La Strada – Anlauf- und Beratungsstelle für drogenabhängige Mädchen“ und Marlene Graf, Leiterin des Teams Prävention und Gesundheitsförderung der Region Hannover (von links nach rechts)

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