Brettspiele zu Weihnachten

Spielen als kommunikative Besch├Ąftigung

ein Niedersachsen-Artikel von Michael Weber - 29.11.2010
Diegeo Drachenzahn, Kinderspiel des Jahres 2010

Spielen ist Kinderkram, denken viele Menschen. Dass traditionelle Brettspiele trotz der vielen Konsolen-, PC-, und Browserspiele sich wachsender Beliebtheit erfreuen, mutet fast wie eine Falschmeldung an. Dennoch: Die Fachgruppe Spiel, in der alle namhaften Spieleverlage zusammengeschlossen sind, berichtet von einem Umsatzwachstum von satten elf Prozent. Brettspiele sind also durchaus angesagt und es werden mehr verkauft als in den letzten Jahren. Damit bilden Brettspiele und Puzzles zugleich das größte Segment im Bereich des Spielwarenhandels.

Brettspiele faszinieren schon Kinder. Klassiker wie „Obstgarten“ oder „Dr. Bibber“ kennt fast jedes Kind. Aber auch die letzten Kinderspiele des Jahres wie „Geistertreppe“, „Wer war’s“ oder dieses Jahr „Diego Drachenzahn“ begeistern Kinder. Dass gerade Kinderspiele besonders viele Marktanteile gewinnen mag auch daran liegen, dass sie immer mehr zu den „besseren“ Familienspielen werden. Die Altersangabe ab vier oder fünf Jahren schreckt vielleicht Erwachsene ab. Eltern hingegen begeistern sich für die Spiele so sehr wie ihre Sprösslinge. Das Geheimnis der Kinderspiele liegt also im Altersgruppen übergreifenden Spielspaß.

Aber auch die Spiele für Jugendliche und Erwachsene finden immer mehr Anerkennung. Die Zeiten, als „Mensch ärgere Dich nicht“ und „Monopoly“ die beliebtesten und zugleich von Anti-Spielern gehassten Spiele waren, sind längst vorbei. Moderne Brettspiele überzeugen durch hervorragende Illustrationen, tiefgründige Mechanismen, ansprechende Themen und leicht verständliche Spielanleitungen. Diese neue Generation der Brettspiele wurde in den letzten 15 Jahren sogar als „German Games“ bezeichnet, weil die deutschen Verlage und Spieleerfinder hier Wegbereiter für viele neue Ansätze der Spieleentwicklungen waren.

Gute Brettspiele sind mehr, als zu würfeln und Figuren auf einem Rundkurs zu setzen. Sie bieten fordernde Aufgabenstellungen, die Notwendigkeit, Wechselwirkungen im Spiel zu durchschauen und viele taktische Optionen. Das ist aber so ansprechend verpackt, dass der Einstieg sehr leicht fällt. Vielleicht ein Grund, für Familien mal wieder eins der vielen aktuelle Brettspiele zu Weihnachten zu verschenken. Immerhin bieten Brettspiele ganz nebenbei auch soziale Aspekte: Das spielerische Mit- und Gegeneinander am Spieltisch ist weitaus kommunikativer, als wenn ein Jugendlicher am heimischen PC in ein Action-Spiel vertieft ist. Beim Spielspaß können die neuen Brettspiele längst mithalten. Man muss ihnen nur eine Chance geben.

 

Foto: Michael Weber

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