MHH erringt Durchbruch in Stammzellenforschung

Gewebez├╝chtung in gro├čer Menge m├Âglich

ein Niedersachsen-Artikel von Michael Weber - 20.05.2011
Die MHH erringt einen Durchbruch in Stammzellenforschung

Die Stammzellenforschung hat an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) eine wichtige Hürde genommen. Erstmals ist es einem Forscherteam gelungen, pluripotente Stammzellen in größerer Menge herzustellen. Damit rückt die Nachzüchtung von Gewebezellen für Herz, Knochen oder Haut näher. Im Gegensatz zu Ansätzen mit embryonalen Stammzellen sei eine Generierung von Zellmaterial mit diesen Stammzellen ethisch unbedenklich.

Grundlagen für Arbeit mit Stammzellen

Die beiden Leiter des Forschungsansatzes sind die Professoren Dr. Axel Haverich und Dr. Ulrich Martin. Dieser erklärt: "Wir können mit dieser Technik viele Millionen Zellen in einem Ansatz herstellen. Damit sind erstmals die Voraussetzungen geschaffen, in größerem Umfang biologisch funktionales menschliches Gewebe wie Haut oder Herzmuskel im Labor zu züchten." Die Forscher betonen die Bedeutung des Ansatzes: Allein für ein kleines Stück Haut von einem Quadratzentimeter besteht aus mehreren Millionen Zellen. Um wirksam Zellen nachzüchten zu können und Menschen mit Brandverletzungen oder Ähnlichem helfen zu können, ist eine riesige Zahl von Zellen notwendig, die bisher nur mühsam gezüchtet werden konnte. Pluripotente Stammzellen bieten sich bei solchen Fällen jedoch besonders an, da sie alle Erbgutinformationen enthalten und sich in jede gewünschte Richtung entwickeln können. Mit einem schnellen Entwicklen von Zellen in großer Form könnte zukünftig vielen Menschen effektiv geholfen werden, in einigen Fällen beispielsweise auch ohne auf Organe von fremden Menschen angewiesen zu sein.

LZH findet Wege zur Vervielfältigung von Stammzellen

Einen weiteren wichtigen Schritt bedeutet dabei eine Parallelforschung von einem weiteren MHH-Professor. Dr. Peter Vogt hat zusammen mit Dr. Boris Chichkov vom Laser Zentrum Hannover (LZH) erstmals mit einer Lasertechnologie unterschiedliche Zellen in einen Zellverband "drucken" können. Das vereinfacht das Nachzüchten von benötigten Gewebezellen. Bisher wurden diese in Petrischalen herangezogen. Das neue Verfahren ermöglicht es, innerhalb einer Woche die sechsfache Menge von Zellmaterial herzustellen. Durch die Lasertechnologie können komplexe Gewebeverbände in Schichten nach und nach "gedruckt" werden, sodass die Zellen auch räumlich zueinander angeordnet werden.

Ausblick auf Stammzellenforschung

Dr. Vogt er klärt abschließend den möglichen  Nutzen dieses Ansatzes: "In Zukunft könnten wir vielleicht Zellen des verwundeten Patienten zunächst in iPS-Zellen (Anm. d. Red.: pluripotente Stammzellen) umprogrammieren, vervielfältigen und anschließend mit der LIFT-Methode in einen Gewebeverband 'drucken'". Noch ist das aber ein weiter Weg. Zwar seien die Zellen auch nach der Laserbehandlung völlig intakt, aber es stünden auch noch weitere Versuche aus, um eine Risikobewertung vornehmen zu können.

Foto: Clipdealer

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