Bauckweiten-Jannhinnerk - Buchweizenpfannkuchen

Ein leckeres Stück Moorkulturgeschichte

ein Niedersachsen-Artikel von Redaktion - 06.11.2016
Buchweizenpfannkuchen - Spezialität aus Niedersachsen

Zu den regionalen Traditionsgerichten in Niedersachsen gehört zweifelsohne der Buchweizenpfannkuchen oder auf ostfriesisch der „Bauckweiten-Jannhinnerk“. Diese Speise erzählt vor allen Dingen Moor- und Torfgeschichte im Landkreis Emsland.

Der Buchweizenpfannkuchen wird meist als Papenburger Spezialität definiert, er gehört aber auch zu den Leibspeisen anderer Moorregionen im Emsland wie der Gemeinde Herzlake nahe dem bekannten Naturschutzgebiet Hahnenmoor.

Buchweizen, Moor und Torf ...? Wo sind hier die Zusammenhänge, wird sich so mancher fragen. Die Antworten gibt es umgehend.

Das Arme-Leute-Essen im Emsland zur Zeit der Moorkolonisierung

Im Landkreis Emsland in Niedersachsen findet sich Deutschlands älteste Fehn-Kolonie mit einem gigantischen Kanalnetz, das einst im 17. Jahrhundert von den fleißigen Torfstechern zur Entwässerung angelegt wurde, damit der vielseitig nutzbare Torf abgebaut werden konnte. Mit dem Torfabbau ist die Besiedelung der Moorgebiete im Emsland, die sich besonders auf Papenburg und das Hahnenmoor konzentriert, eng verknüpft. Die Arbeit war hart, der Lohn gering und die Arbeiter bauten den günstigen und nahrhaften Buchweizen an. Der wurde dann in Handarbeit geerntet und zu Getreidemehl verarbeitet. Buchweizenmehl kam in der Moorküche für die Zubereitung von Brot und Kuchenteig sowie für den berühmten Pfannkuchen zum Einsatz.

Für die Torfstecher und Bauern der Moorregionen war Buchweizen die wichtigste Nutzpflanze, sie konnte auf den kargen und feuchten Böden problemlos angebaut werden. Nur bei der benötigten Bodenwärme halfen die Siedler mit dem so genannten „Moorbrand“ etwas nach. Nach der Entwässerung wurde das Moor in Brand gesetzt und die frische Buchweizensaat mit der noch heißen Asche überzogen. Der Verein Torfwerk Hahnenmoor in Herzlake pflegt den Buchweizenanbau nach historischem Vorbild bis heute authentisch und lässt die Bevölkerung sowie Interessierte mit entsprechenden Veranstaltungen daran teilnehmen.

Bauckweiten-Jannhinnerk: Tradition auch im Papenbörger Hus

Die emsländische Delikatesse „Bauckweiten-Jannhinnerk“ ist auch das Stammgericht des „Papenbörger Hus“ in der Von-Velen-Anlage Papenburg. Hier kann der Besucher die Siedlungsgeschichte des Hochmoores sowie den einstigen Torfabbau mit all seinen Facetten nachverfolgen. Dazu gehört neben der Kanalisierung des Moores und dem arbeitsintensiven Torfabbau auch der Torftransport mit Torfschiffen. In der Von-Velen-Anlage findet sich das alte Kapitänshaus, das „Papenbörger Hus“, in dem der Überseehandel, der die Papenburger Seefahrer in die ganze Welt brachte, im Vordergrund steht. Auch die Bedeutung des Schiffsbaus und der Werften erschließt sich dem Papenburger Gast, der im Anschluss der weltberühmten Meyer-Werft in Papenburg einen Besuch abstatten kann. So wird der Kreis von der Moorkolonisation bis hin zum großen Schiffsbau im Emsland über den Buchweizen-Pfannkuchen geschlossen. Und der wird nach altem Rezept im Papenbörger Hus zur Stärkung serviert.

Grundrezept für Buchweizenpfannkuchen

Aus 150 g feinem Buchweizenmehl, 40 g Vollkornmehl, ½ Päckchen Trockenhefe und 400 ml Milch wird ein Teig angerührt, der anschließend 30 Minuten ruhen sollte. Dann werden 1 Ei sowie 1 TL Meersalz hinzugegeben und alles gut vermischt. In einer Pfanne durchwachsenen Schweinespeck auslassen und eine Schöpfkelle Teig darüber geben, die Pfannkuchen von beiden Seiten goldbraun backen (Menge reicht für 4 Personen). In einigen Regionen des Emslandes wird anstelle von Milch auch Tee oder Kaffee verwendet.

Serviert wird der Buchweizenpfannenkuchen klassisch mit Rübensirup und Preiselbeeren. Dazu reicht man Tee und im Anschluss den Papenburger Schnaps mit bezeichnendem Namen „Moorwasser“, der garantiert den Moorbrand löscht. Für alle, die jetzt nicht nur Appetit bekommen haben, sondern den „Bauckweiten-Jannhinnerk“ mit allen Sinnen genießen wollen, bieten sich die Schlemmerwochenenden der Stadt Papenburg hervorragend an.

Foto: Clipdealer

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