Tendomyopathie: Weichteilrheuma oder Fibromyalgie

Selten erkannte chronische Krankheit

ein Niedersachsen-Artikel von Michael Weber - 26.12.2015
Tendomyopathie: Weichteilrheuma oder Fibromyalgie

Eine sehr au√üergew√∂hnliche Erkrankung ist die Tendomyopathie. Weichteilrheuma und Fibromyalgie wird die generalisierte Tendomyopathie ebenfalls genannt. Hinter diesem schwer auszusprechenden Namen verbirgt sich eine unspezifische Sehnen-Erkrankung, bei der Muskeln und Sehnen schmerzen. Nach Sch√§tzungen leiden bis zu zwei Millionen Menschen in Deutschland an diesen Symptomen, die zu einer erheblichen Belastung im Alltag f√ľhren.

Die Symptome sind dabei √§u√üerst unspezifisch. √úberall punktuell auftretende Schmerzen, Schlafprobleme, Kopfschmerzen, Probleme mit dem Verdauungstrakt und eine schnell auftretende M√ľdigkeit sind Anzeichen, die zun√§chst schwer einzuordnen sind, aber auf Tendomyopathie hinweisen k√∂nnen. Der Dauerschmerz f√ľhrt dann zus√§tzlich zu einer enormen psychischen Belastung, die sogar in depressiven Stimmungen m√ľnden kann. Aus dieser Gesamtverfassung heraus muss der Betroffene immer wieder mit Schmerzattacken rechnen, die sein Wohlbefinden erheblich beeinflussen.

Die Symptome f√ľhren insgesamt zu einer mangelnden Leistungsf√§higkeit, die einer rheumatischen Erkrankung √§hnelt, weshalb Tendomyopathie auch Weichteilrheumatismus genannt wird. Betroffen sind vor allem Menschen im Alter zwischen Mitte 30 und Mitte 50. Unter diesen leiden Frauen sehr viel h√§ufiger an den Symptomen als M√§nner.

Tendomyopathie ist schwer zu diagnostizieren und kann deshalb zu Fehleinsch√§tzungen der Symptome f√ľhren. Sogar ein Simulieren der Patienten wird von manchen √Ąrzten vermutet. An verschiedenen Druckpunkten l√§sst sich die Erkrankung durch schmerzende Muskeln und Sehnen aber nachweisen bzw. einordnen. Hier zeigen sich durchaus auch tastbare Verh√§rtungen.

Die Therapie h√§ngt vom Fachwissen des Arztes ab und beinhaltet meistens physiotherapeutische und wegen der Krankheitsbelastung auch psychotherapeutische Ans√§tze. Eine Heilung ist eher selten, denn auch bei einem guten Heilungsverlauf kann es immer wieder zu akuten R√ľckf√§llen kommen.

Diagnose bei Weichteilrheuma

Das Problem bei Tendomyopathie sind die sehr unspezifischen Symptome. Schmerzen, besonders R√ľckenschmerzen, kann jeder an einem schlechten Tag haben, Schlafprobleme sind nicht zuletzt auch von psychischen Problemen beg√ľnstigt und wiesen h√§ufig √Ąhnlichkeiten zu den Symptomen des Schlafapnoesyndroms auf. Auftretende Magen-Darm-Probleme schieben viele auf ihr Essen. Die Anzeichen werden aus diesem Grund h√§ufig lange Zeit nicht als Symptome einer Erkrankung wahrgenommen. Der Schmerz √§hnelt zudem Rheuma, sodass es h√§ufig zun√§chst zu Fehldiagnosen kommt.

Suchen die Betroffenen dann einen Arzt auf, folgt das n√§chste Problem. Die Diagnose von Tendomyopathie ist entsprechend schwierig, eben weil viele andere Ursachen √§hnliche Symptome aufweisen k√∂nnen und selbst bei genauen Untersuchungen sind nicht immer eindeutige Befunde m√∂glich. Zudem ist trotz der gro√üen Zahl von Betroffenen die Krankheit noch nicht allen √Ąrzten detailliert bekannt. Abzukl√§ren ist au√üerdem eine Borelliose-Erkrankung, die √§hnliche Symptome aufweisen kann.

Sind Entz√ľndungshinweise ausgeschlossen, liegt keine rheumatische Erkrankung vor. Anhand der √úberpr√ľfung einiger √ľber dem K√∂rper verteilter Druckpunkte k√∂nnen dann Schmerzen nachgewiesen werden, die auf eine Tendomyopathie hinweisen. Dabei lassen sich vom Arzt auch leichte Verh√§rtungen ertasten, die stark auf das Vorliegen einer Tendomyopathie hinweisen.

Therapie der Tendomyopathie

Wird eine Tendomyopathie diagnostiziert, h√§ngt es vom Arzt ab, wie die Krankheit behandelt wird. Die schulmedizinischen Erkenntnisse sind hier noch nicht allzu weit. Neben verschiedenen Schmerzmitteln kommt vor allem die √úberweisung zu einem Physiotherapeuten infrage. Dort lernen die Patienten unter Anleitung leichte krankengymnastische √úbungen, die auch zuhause ausgef√ľhrt werden k√∂nnen. Zus√§tzlich k√∂nnen Behandlungen mit K√§lte oder W√§rme Schmerzen linden. Viel Erkrankte suchen daher gern eine Sauna oder Therme auf. Auch eine Infrarot-W√§rmekabine im eigenen Haus kann positiv wirken. Besonders die Kombination mit dem Infrarot-Lichtspektrum st√ľtzt K√∂rper und Psyche. Einen √§hnlichen Effekt k√∂nnen Massagen erzielen. Sie helfen, akute Schmerzen zu linden und den K√∂rper insgesamt zu entspannen.

Wirkungen sind auch mit Akupunkturbehandlungen und lokalen Bet√§ubungen erzielt worden. Au√üerdem sind Entspannungs√ľbungen wichtig, um K√∂rper und Geist die Anspannung zu nehmen. Autogenes Training und Yoga√ľbungen sind eine der M√∂glichkeiten, dies zu erreichen.

Wichtig bei Tendomyopathie ist, die Schmerzen nicht zu ignorieren und nicht unbehandelt zu lassen. Eine auf die jeweiligen Schmerzen abgestimmte Schmerztherapie ist unbedingt anzuraten, um die eh schon große Gesamtbelastung des Körpers zu reduzieren.

Wegen der andauernden Schmerzen und der damit verbundenen enormen Beeinträchtigung des Alltags neigen Betroffene bei Tendomyopathie zu depressiven Momenten. In solchen Fällen ist eine parallele Behandlung der Patienten bei einem Psychotherapeuten anzuraten.

Selbsthilfegruppen bei Tendomyopathie

Wegen der schwierigen Befundlage werden an Tendomyopathie erkrankte Menschen schnell in die Ecke von Simulanten oder psychisch anf√§lligen Personen gestellt. Neben der Belastung durch starke Schmerzen und eine geringe Leistungsf√§higkeit haben die Betroffenen zus√§tzlich mit dem Makel der Unglaubw√ľrdigkeit zu k√§mpfen. Sie f√ľhlen sich von √Ąrzten nicht verstanden, sto√üen auf Zweifel und finden h√§ufig niemanden, der ihre Lage verstehen kann oder will.

Aus diesem Grund ist Patienten mit einer Tendomyopathie eine entsprechende Selbsthilfegruppe wie eine Fibromyalgieselbsthilfegruppe zu empfehlen. Dort treffen sie auf Menschen, die an √§hnlichen Symptomen leiden und mit die Schmerzen und Problem im wahrsten Sinne des Wortes nachf√ľhlen k√∂nnen. Die Menschen in der Selbsthilfegruppe begegnen den Neuank√∂mmlingen offen und verst√§ndnisvoll, sie fangen die Verzweiflung der Betroffenen auf, spenden Trost und machen Mut.

Neben dieser psychosozialen Komponente verf√ľgen Selbsthilfegruppen √ľber Kenntnisse und Kontakte, die den Betroffenen enorm weiterhelfen k√∂nnen. Selbsthilfegruppen sind nicht nur Hilfe zur Selbsthilfe, sondern ein Fundus von Erfahrungen, Wissen und Beziehungen. Noch wichtiger aber ist, dass Selbsthilfegruppen √ľber detaillierte Informationen √ľber die Behandlungsm√∂glichkeiten von Tendomyopathie verf√ľgen. Daneben findet hier auch ein reger Austausch √ľber Ursachen und Therapieformen statt und es gibt h√§ufig Vortr√§ge und Diskussionen mit Fachleuten.

Eine Selbsthilfegruppe bietet den Betroffenen aber noch mehr. Sie bildet die Grundlage eines erweiterten oder neuen Freundeskreises. Die Mitglieder von Selbsthilfegruppen unternehmen regelm√§√üig etwas miteinander, auch unabh√§ngig vom Thema Tendomyopathie. Die Selbsthilfegruppe wird hier zur Anlaufstelle zur Freizeitgestaltung, bei der Menschen, die unter √§hnlichen Schmerzen leiden, gemeinsam Zeit verbringen, etwas erleben, von der Erkrankung abgelenkt werden und somit ein St√ľck Lebensqualit√§t zur√ľckzugewinnen.

Wichtiger Hinweis

Alle Angaben sind ohne Gewähr und ohne medizinisches Fachwissen verfasst. Bitte konsultieren Sie bei Verdacht auf diese Krankheit oder/und andauerndem Schmerzen einen Arzt.

Foto: Clipdealer

Rubrik Familie: