Die Witwenrente im ├ťberblick

Ratgeber f├╝r Hinterbliebene

ein Niedersachsen-Artikel von Redaktion - 13.03.2018
Die Witwenrente im ├ťberblick

Die Witwen- bzw. Witwerrente dient vor allem der Absicherung der Hinterbliebenen und steht unter bestimmten Voraussetzungen Ehepartnern ebenso wie eingetragenen Lebenspartnern zu, wenn einer der Partner verstirbt.

Ob tats├Ąchlich ein Anspruch auf Witwer- oder Witwenrente besteht muss beim Tod eines Partners allerdings ebenso f├╝r jeden Einzelfall gepr├╝ft werden, wie die m├Âgliche H├Âhe der Hinterbliebenenversorgung und eine eventuelle Befristung der Leistungen. Dabei gilt es verschiedene gesetzliche Regelungen zu beachten und zu pr├╝fen ÔÇô und nat├╝rlich m├╝ssen dabei die Ausnahmen von der Regel ebenfalls ber├╝cksichtigt werden, welche sich aus der Neuregelung der Witwenrenten ergeben, die zum 01. Januar 2002 in Kraft getreten sind.

Wer pr├╝ft, ob ein Anspruch auf Witwen- bzw. Witwerrente besteht?

Wer den Tod eines Partners verarbeiten muss, steht meist pl├Âtzlich und unerwartet vor einer v├Âllig neuen Situation, und muss innerhalb k├╝rzester Zeit vielen Anforderungen gerecht werden, die sich von Beh├Ârdeng├Ąngen bis zur Organisation der Bestattung und Information der Angeh├Ârigen erstrecken.

Um dem trauernden Partner nicht noch mehr aufzub├╝rden, hat sich der Gesetzgeber entschieden, die Pr├╝fung der Anspr├╝che Hinterbliebener auf Witwenrenten der Deutschen Rentenversicherung (DRV) zu ├╝bertragen, wo Witwen und Witwern lediglich einen entsprechenden Antrag stellen und die n├Âtigen Unterlagen einreichen m├╝ssen.

Hat sich die erste Aufregung nach der Beerdigung gelegt, und Witwen oder Witwer finden einen Weg, etwas zur Ruhe zu kommen, empfiehlt es sich aber trotzdem, sich selbst einen ├ťberblick ├╝ber die Regelungen zur Hinterbliebenenrente zu verschaffen, was die Pr├╝fung des Rentenbescheides der DRV erheblich erleichtert. Meist gen├╝gt es daf├╝r auch, die grundlegenden Bestimmungen zu kennen ÔÇô die vielen Ausnahmen betreffen hingegen nur die wenigsten verwitweten Partner.

Grunds├Ątzliche Voraussetzungen f├╝r den Bezug von Hinterbliebenenrente

Anspruch auf Witwer- bzw. Witwenrente hat grunds├Ątzlich der Ehepartner oder eingetragene Lebenspartner des Verstorbenen, wenn:

  • der Verstorbene die generelle Wartezeit von 5 Jahren erf├╝llt, und somit auch selbst zumindest theoretischen Anspruch auf Zahlung einer gesetzlichen Rente gehabt h├Ątte und
  • die Ehe bzw. eingetr. Lebenspartnerschaft mindestens 12 Monate vor dem Tod des Partners geschlossen wurde. Liegt die Hochzeit noch keine 12 Monate zur├╝ck, wird Witwen- bzw. Witwerrente nur in begr├╝ndeten Ausnahmef├Ąllen gezahlt, da in diesem Fall angenommen wird, dass es sich um eine Versorgerehe gehandelt hat. Eine Ehe also, die lediglich geschlossen wurde, um den Partner f├╝r den eigenen Todesfall abzusichern.

Als Witwe/r besteht jedoch die M├Âglichkeit, zu belegen, dass dies nicht den Tatsachen entspricht, und mit dem Tod des Partners so kurz nach der Heirat nicht zu rechnen war. Stirbt ein Ehepartner sehr jung oder unerwartet, beispielsweise bei einem Unfall, einer unerwarteten Infektion oder anderen pl├Âtzlichen Erkrankung wie Herzinfarkt oder Schlaganfall ohne bekannte Vorerkrankungen, kann dies ebenso als Beweis daf├╝r gewertet werden, dass nicht die Versorgung eines Hinterbliebenen der Hauptgrund f├╝r die Ehe war, wie gemeinsame Kinder oder gar eine bestehende Schwangerschaft der Witwe.

Da es nicht m├Âglich ist, diese Ausnahmef├Ąlle abschlie├čend zu benennen, wird hier jeder Fall einzeln und individuell gepr├╝ft, sobald Witwe bzw. Witwer Belege vorlegen, die ihnen geeignet erscheinen, um die Annahme zu entkr├Ąften, ihre Ehe habe vor allem als Versorgungsehe bestanden.

Wie hoch ist die Hinterbliebenenrente und wie lange wird sie gezahlt?

Die H├Âhe der Witwerrente h├Ąngt von verschiedenen Faktoren ab, und wird individuell errechnet, weshalb sich der Wert nicht in Form eines Betrages ausdr├╝cken l├Ąsst.

Die Grundlage f├╝r die verschiedenen Berechnungen bildet jedoch immer der Rentenanspruch, den der Verstorbene zum Zeitpunkt seines Todes gehabt h├Ątte/hat, wenn er selbst seine Rente beantrag/weiterhin bezogen h├Ątte.

Steht die Berechnungsgrundlage der Witwenrente fest, wird an Hand der gesetzlichen Regelungen gepr├╝ft, ob dem Hinterbliebenen die Gro├če oder die Kleine Witwenrente zusteht. Beide Leistungen unterschieden sich in den ersten drei Monaten jedoch noch nicht. In dieser Zeit erhalten Witwen und Witwer generell Zahlungen in H├Âhe von 100% der Rente des Verstorbenen Partners. Dadurch sollen gro├če finanzielle Schwierigkeiten vermieden werden, indem Hinterbliebene ihre Lebensumst├Ąnde dem zuk├╝nftigen Einkommen anpassen. Nach Ablauf dieser drei Monate kann sich die finanzielle Situation der Witwe oder des Witwers jedoch gravierend ├Ąndern.

Die kleine Witwenrente

Die kleine Witwerrente wird immer dann gezahlt, wenn Witwen oder Witwer die grunds├Ątzlichen Voraussetzungen erf├╝llen, die n├Âtig sind, um Hinterbliebenenrenten zu beziehen und bei Antragstellung noch nicht 45 Jahre alt sind.

Befristet f├╝r einen Zeitraum von max. 24 Monaten erhalten sie von der DRV monatliche Rentenzahlungen in H├Âhe von 25 % des Betrages, welcher als Rentenanspruch des Verstorbenen ermittelt wurde.

Das Ziel der kleinen Witwenrente liegt vor allem darin, den Betroffenen die M├Âglichkeit zu geben, sich um eine geeignete Arbeitsstelle zu bem├╝hen, oder vorhandene Arbeit auszubauen, w├Ąhrend der Wegfall des zweiten Einkommens so etwas abgemildert wird.

Die gro├če Witwenrente

Die gro├če Witwenrente hingegen betr├Ągt 55% der Rente des Verstorbenen und unterliegt keiner Befristung. Sie wird Witwen und Witwern bis zu ihrem eigenen Tod gezahlt, sofern diese sich nicht f├╝r eine erneute Heirat entscheiden, welche den Wegfall des Anspruchs auf Witwenrente zur Folge h├Ątte.

Neben den grunds├Ątzlichen Voraussetzungen zur allgemeinen Wartezeit und dem Ausschluss der Versorgungsehe m├╝ssen Hinerbliebene jedoch noch weitere Anforderungen erf├╝llen, um ihren Anspruch auf die gro├če Witwenrente zu begr├╝nden. Sie steht ihnen nur dann zu, wenn sie

  • Kinder des verstorbenen Partners oder gemeinsame Kinder unter 18 Jahren zu versorgen haben.
  • ein gemeinsames, behindertes Kind, oder ein behindertes Kind des Partners, auch ├╝ber das 18. Lebensjahr hinaus betreuen, welches sich nicht selbst versorgen/unterhalten kann.
  • aus gesundheitlichen Gr├╝nden nicht oder nur bedingt in der Lage sind zu arbeiten oder mindestens 45 Jahre alt sind.

Der Bezug der gro├čen Witwen- bzw. Witwerrente erm├Âglichet es so dem hinterbliebenen Partner, zusammen mit den Halbwaisenrenten der Kinder zumindest das Existenzminimum der Familie sicher zu stellen, ohne zus├Ątzlich zur Trauer um den Partner auch noch um die Existenz seiner Familie f├╝rchten zu m├╝ssen.

Ab wann wird die Witwerrente gezahlt?

Voraussetzung f├╝r die Zahlung der Hinterbliebenenrente ist, dass sie bei der DRV beantragt wird. Der Rentenanspruch besteht dabei immer ab dem Kalendermonat nach dem Tod und ist nicht an den Abgabetermin des Antrags gebunden. Bei sp├Ąterer Antragstellung kommt es deshalb zu einer Nachzahlung der Witwenrente bis zum Beginn des Rentenanspruches, l├Ąngstens jedoch f├╝r zw├Âlf Monate.

Tipp: Der SoVD Niedersachsen und der VdK Niedersachsen-Bremen haben sich auf Beratungen zum Thema Rente spezialisiert.

In der Regel ist es trotzdem sinnvoll, die Witwenrente schnellstm├Âglich zu beantragen und auch die Bearbeitungszeit bei der Deutschen Rentenversicherung zu bedenken um finanzielle Engp├Ąsse zu vermeiden.

Zus├Ątzlich besteht auch die M├Âglichkeit, einen Antrag auf Vorauszahlung der zu erwartenden Rentenleistungen im Sterbevierteljahr zu stellen, also die Rentenbez├╝ge als Vorschuss abzurufen, die den Hinterbliebenen f├╝r die ersten drei Monaten nach dem Tod des Ehepartners und Elternteils zustehen.

Hierf├╝r stellen DRV und Post ein vereinfachtes Verfahren bereit, welches lediglich einen vereinfachten Antrag vorsieht, der in der ├Ârtlichen Post-Filiale bereitliegt. Dort werden die Gelder dann auch direkt in Bar ausbezahlt, um Hinterbliebenen finanzielle Schwierigkeiten zu ersparen.

Auch die Bearbeitung und Bewilligung des Antrages zur Witwer- bzw. Witwenrente ist so einfacher zu bew├Ąltigen, da sich Verz├Âgerungen auf Grund von fehlenden Unterlagen nicht auf die finanzielle Situation der Familie auswirken.

Wann besteht generell kein Anspruch (mehr) auf Witwenrente?

Unter bestimmten Umst├Ąnden ist die Zahlung von Witwen- bzw. Witwerrente jedoch auch generell ausgeschlossen:

  • Haben sich Ehepartner im Laufe ihrer Ehe f├╝r das Rentensplitting entschieden, besteht kein Anspruch auf Hinterbliebenenrente.
  • Entscheidet sich eine Witwe oder ein Witwer, nach dem Tod des Partners, erneut zu heiraten, erlischt der Anspruch auf Witwenrente mit der Heirat.

Im Falle einer Scheidung, Aufl├Âsung oder Annullierung der neuen Ehe oder Lebenspartnerschaft kann er jedoch wiederaufleben, wenn ein erneuter Antrag bei der DRV gestellt wird.

  • Hinterbliebene, deren Heirat beim Tod des Partners noch keine 12 Monate zur├╝ckliegt, haben ebenfalls keinen generellen Anspruch auf Witwen- bzw. Witwerrente.

Lediglich in begr├╝ndeten Ausnahmef├Ąllen (s. oben) ist es m├Âglich, dass ein Anspruch besteht.

Hinweis: Die hier gemachten Angaben sind recherchiert, jedoch von Laien verfasst. Bei konkreten Rechtsfragen wenden Sie sich bitte an eine Beratungsstelle der Sozialverb├Ąnde, einen spezialisierten Anwalt oder direkt an die Rentenversicherung.

Foto: Clipdealer

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