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Rubrik Nachrichten Wirtschaft

Handwerk beklagt Materialknappheit

Mangel und Preisanstieg sorgen für Probleme

Wie in vielen Teilen der Welt, hat die Corona-Krise auch Niedersachsens Wirtschaft fest im Griff. Nachdem die Bauwirtschaft der Region das Jahr 2020 positiv abschließen konnte und der baugewerbliche Umsatz gegenüber dem Vorjahr anstieg, leidet die Branche derzeit unter einem Mangel an Baustoffen wie Holz und Dämmungen. Insbesondere holzverarbeitende Unternehmen stehen aufgrund der Entwicklungen unter Druck.

Positive Zahlen trotz Corona

An Aufträgen mangelt es dem Baugewerbe in Niedersachsen nicht. Wie das Handwerksblatt berichtet, ziehen die Spitzenverbände der Bundesvereinigung Bauwirtschaft eine positive Bilanz. Nach einem stabilen Geschäftsjahr 2020 erwartet die Bauwirtschaft für 2021 ein leichtes Wachstum von 1,3 Prozent. „Die Mitgliedsbetriebe würden dann immerhin noch 368,2 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaften“, so die Redaktion.

Handwerker beim InnenausbauDiejenigen Betriebe, die noch Lücken in den Auftragsbüchern haben sollten, finden auf Vergabeplattformen reichlich Potenzial für die Leistungserbringung im öffentlichen und gewerblichen Bereich. Der Infodienst für Ausschreibungen ibau unterstützt Betriebe mit einer regionalen Suche nach geeigneten Aufträgen aus Branchen wie Hochbau, Straßenbau und Handwerk. Derzeit (Stand Juli 2021) sind auf dem Portal über 1.170 Aufträge im Bundesland Niedersachsen verfügbar.

USA und China beeinflussen den deutschen Holzmarkt

Unproblematisch ist die Situation trotz guter Auftragslage nicht. Weil es vielerorts an Baumaterial fehlt, müssen Bauvorhaben unterbrochen werden und Fristen verstreichen. Feste Lieferzeiten sind inzwischen Vergangenheit, was die gesamte Branche ins Straucheln geraten lässt. Einer der Gründe für den Materialmangel ist die hohe Nachfrage aus den USA und China. Die ausländischen Abnehmer profitieren von einer angekurbelten Wirtschaft und können höhere Preise zahlen.

Der Mangel an Holz macht insbesondere Zimmereien und Tischlereien zu schaffen. Laufende Aufträge können nicht fertiggestellt und neue nicht angenommen werden oder nur mit Wartezeiten, solange das Baumaterial fehlt. Feste Zusagen zur Fertigstellung von Projekten, wie sie die Kundschaft vor der Corona-Pandemie gewohnt war, sind nicht mehr möglich. Vielerorts wird das Holz direkt aus den Sägewerken nach China und in die USA transportiert – der Markt scheint zwischenzeitlich wie leergefegt.

Das Nachsehen hat die Heimat

Wie die Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachen erklärt, fürchten deutsche Sägewerke um ihre Versorgung mit Rundholz und Bauholz. Das Nadelholz wird knapp.

  • Den starken Nachfrageanstieg aus den USA für Nadelschnittholz erklärt die LWK mit den staatlichen Hilfsprogrammen für Bautätigkeiten, dem DIY-Boom während des Lockdowns und die ins Stocken geratenen Lieferungen aus Kanada.
  • Letztere hängen unter anderem mit der Vermehrung des Bergkiefer-Borkenkäfers zusammen –180.000 Hektar sind diesem Insekt allein in British Columbia zum Opfer gefallen.
  • Hinzu kommen pandemiebedingte Einbrüche in der Produktion kanadischer Sägewerke.

Infolgedessen ist der Erlös für Schnittholz aus den deutschen Sägewerken beim Export in die Vereinigten Staaten trotz geringerem Qualitätsanspruch gestiegen. „Die Folge: eine Verknappung des Nadelschnittholzes für Bauunternehmen und Zimmereien in Deutschland und extrem lange Lieferfristen von bis zu 28 Wochen“, schlussfolgert die LWK Niedersachsen.

Mangel: Rohstoff Holz ist teuer und schwer zu bekommenWie schwierig die Lage für das Handwerk tatsächlich ist, verdeutlicht ein Film von Sat.1 Regional, in dem Zimmerermeister Jens Marschall aus Bordenau Einblicke in seinen Arbeitsalltag gewährt. Um die Situation unter Kontrolle zu halten und das knappe Bauholz möglichst effizient zu verarbeiten, muss er seine Aufträge weit im Voraus planen. Der Zeitaufwand für Organisation und Vorbereitung ist massiv gestiegen. Weil seinen 35 Mitarbeitenden ohne Bauholz Kurzarbeit droht, muss er das Material lagern und in Vorleistung gehen. Eine finanzielle Belastungsprobe.

Die hiesigen Nadelholzsägewerke erwarten für 2021 eine Produktion von 24 Millionen Kubikmeter Schnittholz – das wäre ein neuer Rekord.

Massive Verteuerung lässt Aufträge platzen

Die zunehmende Knappheit der Rohstoffe lässt gleichzeitig die Preise steigen und führt dazu, dass die Planungssicherheit stark eingeschränkt ist. Preissteigerungen für Qualitätsbauholz von über 50 Prozent sind seit der Corona-Krise keine Seltenheit. Nicht weniger dramatisch ist, dass die Kosten für das natürliche Baumaterial erheblichen Schwankungen unterliegen. Holzpreise von gestern können bereits morgen Geschichte sein.

Kommt es bei laufenden Aufträgen zu Mehrkosten aufgrund ansteigender Materialkosten, tragen viele Bauunternehmen diese selbst. Zudem kommen manche Aufträge aufgrund der erhöhten Preise nicht zustande. Die Zahl der Kurzarbeit anmeldenden Betriebe sowie Insolvenzen könnte im Laufe des Jahres steigen. „Wir denken, dass die Verwerfungen am Markt noch lange anhalten werden“, zitiert der Weser-Kurier den Hauptgeschäftsführer des Verbands des Tischlerhandwerks Niedersachsen/Bremen Matthias Wächter.

Fotos: Clipdealer

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