Landtag: Neubau oder Umbau?

Hitzige Diskussion

ein Niedersachsen-Artikel von Michael Weber - 10.03.2010
Nieders├Ąchischer Landtag

Der Landtag schl├Ągt in eigener Sache seit Wochen Wellen. Das marode Plenarsaalgeb├Ąude in der Landeshauptstadt Hannover muss dringend saniert und auf einen aktuellen Stand gebracht werden. Einigkeit besteht dar├╝ber, dass die aktuelle Situation nicht mehr tragbar ist, um konstruktiv parlamentarisch arbeiten zu k├Ânnen. Ein Umbau ist das Mindeste, ein eigens einberufener Architektenwettbewerb bringt aber auch das Thema Neubau ins Spiel. Probleme: Denkmalschutz und Kosten. Nun sind sich alle Parteien uneins, wie zu verfahren ist. Die Entscheidung wird voraussichtlich kommende Woche im Plenarsaal des Landtags fallen. Dazu haben die Fraktionen von CDU, FDP und SPD ihren Parlamentariern vom Fraktionszwang entbunden.

Landtagspr├Ąsident Hermann Dinkla hat mit den Vertretern der f├╝nf Landtagsfraktionen das grunds├Ątzliche weitere Vorgehen beschlossen. Demnach sollen in der kommenden Plenarwoche auf Grundlage einer M├Ąngelliste ├╝ber den grunds├Ątzlichen Handlungsbedarf abgestimmt werden. Hier wird eine deutliche Zustimmung erwartet. Anschlie├čend entscheiden die Parlamentarier, ob der Architektenwettbewerb fortgesetzt wird. Gibt es hier die zu erwartende Mehrheit, wird ├╝ber die Entw├╝rfe abgestimmt.

Beim eigentlichen Streitpunkt, der Wahl des Entwurfes, geht es hinter den Kulissen hoch her. Ziel ist f├╝r alle Beteiligten ein Zweckbau, der Anforderungen des modernen Parlamentsbetriebes gerecht wird. Allerdings bestehen bez├╝glich der genauen Ausf├╝hrung gro├če Differenzen. So wirbt Ministerpr├Ąsident Christian Wulff f├╝r eine ma├čvolle L├Âsung, Landtagspr├Ąsident Hermann Dinkla m├Âchte einen Neubau, den auch Oberb├╝rgermeister Stephan Weil bef├╝rwortet. SPD und Gr├╝ne setzen auf einen Umbau und den Linken ist der angedachte Kostenrahmen von 45 Millionen viel zu hoch.

Zwar gibt es eine Entscheidung aus dem Wettbewerb, die eine moderne Glasarchitektur des Chinesen Yi als Sieger k├╝rte, daran gebunden ist das Parlament aber nicht. Und so streiten die Parteien mit- und untereinander. Immer wieder wird laut, dass der zweitplatzierte Entwurf des B├╝ros Gebhardt einen kosteng├╝nstigeren Umbau innerhalb des alten Plenargeb├Ąudes vorsehe. Eine breite Mehrheit gibt es daf├╝r aber nicht. Um die ist derweil die Regierungskoalition bem├╝ht, denn sie m├Âchte nicht ohne Unterst├╝tzung der SPD den Landtag abrei├čen und bei der n├Ąchsten Wahl als Buhmann f├╝r die Hannoveraner dastehen, unter denen es viele Anh├Ąnger des alten Bauwerks von Architekt Oesterlen gibt. Dessen Witwe hat bereits angek├╝ndigt, gegen einen Abriss ggf. vor Gericht ziehen zu wollen.

Probleme bereitet auch der Denkmalschutz, denn das gut 50 Jahre alte Bauwerk genie├čt eben diesen. Von einem Verlust der kulturpolitischen Glaubw├╝rdigkeit warnen Denkmalpfleger, denn Privatleuten k├Ânnte nicht mehr vermittelt werden, warum sie Denkmalpflege leisten sollten, wenn das Land f├╝r sein repr├Ąsentativstes Geb├Ąude nicht mit gutem Beispiel vorangehe.

 

Foto: Nieders├Ąchischer Landtag, ├ľffentlichkeitsarbeit

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