Moorland: für Moor und Klima

CO2 kompensieren und den Naturschutz fördern

ein Niedersachsen-Artikel von Michael Weber - 22.10.2019
Die Goldgrube: Moor leidet unter anderem unter den Gehölzen - Foto: BUND DHM

Niedersachsen ist Moorland. Kein Bundesland hat mehr Flächen aufzuweisen. Die Moore in Norddeutschland sind ein wichtiges Rückzugsgebiet für Flora und Fauna. Zugleich bilden sie eine einzigartige Naturlandschaft. Mehr noch: In der aktuellen Diskussion um den menschengemachten Klimawandel rücken Moore ebenfalls in den Fokus. Denn die Feuchtgebiete speichern riesige Mengen an CO2. Das heißt: Legt der Mensch Moore trocken, steigert das den CO2-Ausstoß. Kommt es hingegen zu einer Wiedervernässung, können bisher trocken liegende Moorlandschaften große Mengen des klimaschädlichen Gases aufnehmen und binden.

Moor-Futures als Beitrag zum Umweltschutz und zur CO2-Kompensation

In anderen Bundesländern gibt es bereits sogenannte Moor-Futures. Diese stehen zum Verkauf und sind (virtuelle) Anteile an einem wiederhergestellten Moor. Somit können Bürgerinnen und Bürger, aber auch Unternehmen einen Beitrag zur Wiederherstellung der Feuchtlandschaften, aber auch zum Schutz des Klimas leisten. Die Moor-Futures sind jedoch nicht in den offiziellen Zertifikatehandel eingegliedert, mit denen der CO2-Ausstoß von Unternehmen klimaneutral kompensiert werden kann.

Projekt Moorland in Niedersachsen

In Niedersachsen startet der BUND derzeit die Wiedervernässung der Goldgrube im Neustädter Moor. Dieser Abschnitt liegt im Landkreis Diepholz. Ein ähnliches Projekt wurde 2017 bereits erfolgreich abgeschlossen: das Dorumer Moor im Landkreis Cuxhaven. Bei der aktuellen Wiedervernässung stehen für Interessierte wieder Anteilsscheine zur Verfügung. Für einen kleinen Betrag können Unterstützer einen Beitrag zu dieser Aktion leisten.

Informationen zum Projekt finden Sie unter www.moor-land.de.

Dein Niedersachsen hat mit Sophia Thiele vom Projekt Moorland gesprochen, um Details zu erfahren.

Interview mit Sophia Thiele

Frau Thiele, Sie sind in verantwortlicher Position beim BUND-Projekt Moorland. Bitte erklären Sie uns genauer, was mit der Goldgrube im Neustädter Moor passieren soll und warum das so wichtig ist.

"Die sogenannte 'Goldgrube' im Neustädter Moor bei Diepholz ist ein entwässertes Hochmoor. Durch die Entwässerung werden Prozesse unterbunden, die normalerweise in naturnahen Mooren dafür sorgen, dass klimaschädliche Treibhausgase im Moorboden (Torf) gebunden werden. Daher werden aktuell große Mengen klimaschädlicher Treibhausgase freigesetzt. Durch das Projekt Moorland® soll das Gebiet wiedervernässt werden, so dass wieder natürliche Prozesse stattfinden können und die Freisetzung der Treibhausgase deutlich reduziert wird. Somit leistet der Schutz von Moorökosystemen einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz."

Es gibt einen direkten Bezug zur aktuellen Klimadiskussion. Wie wirkt sich diese Wiedervernässung auf die CO2-Belastung der Erdatmosphäre aus?

"Über eine Projektlaufzeit von 25 Jahre können durch die Wiedervernässung der Goldgrube insgesamt etwa 3.137 Tonnen CO2-Äquivalente, d.h. klimaschädliche Treibhausgase, eingespart werden."

Es gibt vereinzelt eine kritische Haltung zu solchen Projekten. Hauptargument: Die CO2-Bindung ist kaum vorhanden, weil die benötigten Prozesse im Moor erst über Jahrzehnte oder Jahrhunderte entstehen. Was entgegnen Sie diesen Kritikern?

"Moore sind empfindliche Lebensräume, welche sich über Jahrtausende gebildet haben. Innerhalb kürzester Zeit hat der Mensch diesen Lebensraum in Niedersachsen großflächig zerstört. Es ist richtig, dass es sehr viel Zeit benötigt, diese Lebensräume mit seiner Funktion als Senke für Treibhausgase wiederherzustellen. Bevor sich die Fähigkeit der Moore Treibhausgase wieder aufzunehmen durch eine Wiedervernässung also wiedereinstellt, geht es daher bei Moorland® zunächst darum, die aktuelle Freisetzung der Treibhausgase aus dem Moor deutlich zu reduzieren.  Zahlreiche Studien zeigen, dass dies durch eine Wiedervernässung kurz- bis mittelfristig möglich ist. Über den Projektzeitraum hinaus schafft Moorland® zudem wichtige Voraussetzungen für die langfristige Bindung klimaschädlicher Gase im Moor."

Interessierte können das Projekt Goldgrube finanziell durch sogenannte KlimaSpenden unterstützen und erhalten dafür Anteilsscheine. Was beinhaltet dieser Anteilsschein und was nicht?

"Eine KlimaSpende steht für die Kompensation einer Tonne CO2-Äquivalente, die in der Goldgrube eingespart werden kann. Jeder KlimaSpende wird ein bestimmtes Moorstück in der Goldgrube zugeordnet. Die KlimaSpende wird mit den Kosten für die Maßnahmen und die anschließende Erfolgskontrolle gegengerechnet. Maßnahmen, die für die Wiedervernässung eines Moores durchgeführt werden, sind zum Beispiel der Bau von Dämmen oder das Verdichten von Gräben. Für eine KlimaSpende wird ein symbolischer Anteilschein ausgestellt, welcher die Kompensation einer Tonne CO2-Äquivalente bescheinigt."

Wohin können sich Interessierte wenden? Wo finden sie Informationen und mit welchem Betrag pro Anteilsschein ist zu rechnen, wann findet die Ausgabe statt?

"Informationen finden Sie unter www.moor-land.de. Derzeit ist es möglich, sich über die Internetseite für KlimaSpenden für die Goldgrube vorzumerken zu lassen. Die Höhe einer KlimaSpende liegt bei 28 Euro und steht für die Kompensation einer Tonne CO2 Äquivalente. Da das Buchungssystem derzeit noch aufgebaut wird, bekommen Interessierte nach der Fertigstellung automatisch Bescheid. Dies wird voraussichtlich in den nächsten Wochen der Fall sein."

Neben diesem Anteilsscheinverkauf sind viele weitere Unterstützer eingebunden. Wer gehört dazu und warum sind deren - verschiedenartige - Beiträge so wichtig für das Projekt?

"Moorland ist ein Förderprojekt. Hauptförderer ist die Europäische Union mit Mitteln aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) unter der Richtlinie Klimaschutz durch Moorentwicklung. Des Weiteren wird das Projekt mit Mittel des Landes Niedersachen, des Landkreises Diepholz, der Deutschen Postcode Lotterie und der Deutschen Umwelthilfe unterstützt. Dies ist wichtig, um das Projekt als Klima- und Moorschutzinstrument in ganz Niedersachen zu etablieren. Darüber hinaus stellt der Landkreis Diepholz als Projektpartner sicher, dass die Moorflächen der Goldgrube für eine Wiedervernässung zur Verfügung stehen."

Wird es nach der Wiederverwässerung der Goldgrube weitergehen? Welche Projekte sind zukünftig geplant, um die Moorlandschaft in Niedersachsen weiter zu stärken?

"Parallel zur Wiedervernässung der Goldgrube suchen wir niedersachsenweit nach geeigneten Moorflächen, die sich als sogenannte Klimamoore wiedervernässen lassen. Ziel des BUND ist es, möglich viele Moore in Niedersachsen als einzigartigen Lebensraum und wichtigen CO2-Speicher für die Zukunft zu sichern."

Zum Abschluss noch eine Definitionsfrage: Ist jedes Moor gleich? Welche Moorarten herrschen in Niedersachsen vor und welche davon würden Sie gern anders genutzt wissen?

"Verschiedene Entstehungsprozesse haben dazu geführt, dass jedes Moor unverwechselbar ist. Entscheidend ist vor allem das Wasser. So sind Niedermoore beispielsweise durch Grundwasser geprägt. In Niedersachsen gibt es zum größten Teil Hochmoore. Diese entstehen bei einem Überschuss an Regenwasser. Ein Großteil dieser Hochmoore ist in Niedersachsen als Grünland oder gar als Acker genutzt. Dies ist nur möglich, wenn die Moore teilweise tief entwässert werden. Durch diese Nutzung gehen nicht nur wertvolle Lebensräume für seltene und speziell angepasste Tier- und Pflanzenarten verloren, es kommt auch zur Freisetzung der klimaschädlichen Treibhausgase. Die intensive Nutzung der Moore sollte daher extensiviert oder besser noch vollständig aufgegeben werden."

Foto: BUND DHM

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