Käßmann: Rücktritt nach Alkoholfahrt

Landesbischöfin hat Konsequenzen gezogen

ein Niedersachsen-Artikel von Michael Weber - 24.02.2010
Niedersachsen

Margot Käßmann tritt mit sofortiger Wirkung von allen kirchlichen Ämtern zurück. Dies erklärte die 51-jährige Landesbischöfin und Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche heute gegenüber der Öffentlichkeit. Zuvor hatte sie am letzten Samstag alkoholisiert eine rote Ampel übersehen und wurde anschließend von der Polizei gestoppt.

In ihrer persönlichen Erklärung nannte sie ihre Beweggründe für den Rücktritt: "Am vergangenen Samstagabend habe ich einen schweren Fehler gemacht, den ich zutiefst bereue. Aber auch wenn ich ihn bereue, und mir alle Vorwürfe, die in dieser Situation berechtigterweise zu machen sind, immer wieder selbst gemacht habe, kann und will ich nicht darüber hinweg sehen, dass das Amt und meine Autorität als Landesbischöfin sowie als Ratsvorsitzende beschädigt sind"

Der Rücktritt kam überraschend, zumal die Mitglieder des Rates der Evangelischen Kirche ihr noch gestern das Vertrauen ausgesprochen hatten. Dennoch zollten Persönlichkeiten aus Politik und Kirche Margot Käßmann für diesen Schritt großen Respekt.

Ministerpräsident Christian Wulff kommentierte: "Die Niedersächsische Landesregierung bedauert den Rücktritt von Margot Käßmann. Sie hat hinsichtlich ihrer persönlichen Entscheidung meinen Respekt. Für uns in Niedersachsen war sie die ideale Besetzung, da sie sich als engagierte Christin in Wort und Tat, mit Herz und Verstand für die Hannoversche Landeskirche, für die gesamte evangelische Kirche in Deutschland und für die Menschen eingesetzt hat."

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Jüttner bedauerte: "Es ist sehr schade, dass Frau Käßmann, die wir in Niedersachsen seit Jahren als begeisternde, qualifizierte und geradlinige Bischöfin kennen und schätzen, wegen eines persönlichen Fehlers ihre Ämter zur Verfügung stellt."

Der rheinische Präses Nikolaus Schneider, der als Stellvertreter zunächst im Rat ihre Position einnehmen wird, und Synodenpräses und Vizebundestagspräsidentin Katrin Göring-Eckardt erklärten: "Die Gradlinigkeit und Klarheit in ihren theologischen, sozialpolitischen und gesellschaftspolitischen Positionen werden der Evangelischen Kirche in Deutschland fehlen."

Der Vorsitzende der Katholischen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, respektierte den Schritt Käßmanns. Er kenne sie als einen Menschen, der bereit ist, Verantwortung zu übernehmen. Gerade deshalb habe er Verständnis für ihre Entscheidung.

Margot Käßmann war seit Ende letzten Jahres Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche und hatte mit ihren Predigten zu Weihnachten und Neujahr eine Diskussion um den Afghanistaneinsatz der Bundeswehr entfacht. Als Landesbischöfin war sie seit 1999 tätig. Ihr Platz in Hannover wird zunächst kommissarisch besetzt, bevor die Bischofssynode einen Nachfolger ernennt.

Der Hannoverschen Landeskirche will Käßmann nach eigenen Angaben als Pastorin erhalten bleiben: "Ich habe 25 Jahre nach meiner Ordination vielfältige Erfahrungen gesammelt, die ich gern an anderer Stelle einbringen werde."

 

Foto: Monika Lawrenz/LVH

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