Kritik am Waldgipfel

Positionspapier der Landesregierung liegt vor

ein Niedersachsen-Artikel von Michael Weber - 14.06.2010
Wald in Niedersachsen

Heute hat Landwirtschaftsministerin Astrid Grotelüschen gemeinsam mit 36 Verbänden und Institutionen das Positionspapier „Wälder für Niedersachsen - Wald, Forst- und Holzwirtschaft im Wandel" unterzeichnet. Mit der Unterzeichnung des Positionspapiers haben Wald, Forst- und Holzwirtschaft in Niedersachsen nun eine gemeinsame Vereinbarung über die Nutzung des Waldes und Ziele der Forstwirtschaft. In fünf Jahren soll eine Gesamtbewertung mit den Partnern anlässlich eines „3. Waldgipfels“ stattfinden. Die Opposition rügte das Papier, da es umweltpolitische Aspekte und die Belange des Naturschutzes zu wenig berücksichtige. Aus diesem Grund wollten auch die Umweltverbände das Papier nicht mittragen.

Grotelüschen erklärte heute bei der Unterzeichnung des Papiers: „Wir erwarten, dass unser Wald den umweltfreundlichen Rohstoff Holz liefert, vielfältigen Lebensraum bietet und den Klimawandel unbeschadet übersteht. Das alles zu bewerkstelligen ist keine einfache Aufgabe." Die Bevölkerung soll sich unbeschränkt im Wald erholen können. Dabei würden aber Bewirtschaftungsinteressen der Wald-Eigentümer und Fragen des Naturschutzes berührt. Vor diesem Interessenkonflikt sieht Ministerin Grotelüschen das Papier als positiven Schritt an: „Ich bin froh und bedanke mich bei allen, die sich konstruktiv und sachbezogen eingebracht haben. Nun liegt es auch in meinen Händen, den Prozess fortzusetzen und konkrete Maßnahmen vorzubereiten. Zum Beispiel werde ich mich für einen vom Waldbesitz akzeptierten Naturschutz einsetzen. Denn eines ist klar: Ohne die Eigentümerinnen und Eigentümer unseres niedersächsischen Waldes geht nichts!" Damit macht die Ministerin auch klar, dass der Prozess mit dem Positionspapier nicht abgeschlossen ist. Es ist lediglich eine Basis für den weiteren Dialog.

Die Fraktionen von Bündnis90/Die Grünen sowie der SPD kritisierten das Positionspapier scharf. Der agrarpolitische Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen, Christian Meyer, warf der Landesregierung vor, ihre Forstpolitik allein an den „Nutzungsinteressen der Waldbesitzer und der Forstwirtschaft“ auszurichten. „Die ökologische Bedeutung und die Waldfunktionen werden der kurzfristigen Gewinnorientierung untergeordnet", verurteilte der Experte das Papier. Es sei kein Wunder, dass die Umweltverbände BUND und NABU das nicht mitzeichnen wollen. Meyer fügte hinzu: „Die Ziele der Bundesregierung in ihrer Strategie zur biologischen Vielfalt, wonach mindestens zehn Prozent ungenutzte Naturwälder entstehen sollen, werden in Niedersachsen hingegen ignoriert." Der SPD-Forstexperte Ronald Schminke stimmte dem zu und sagte: „Es ist peinlich für das waldreiche Niedersachsen, sich ohne Not den bundesweit vereinbarten Zielen entziehen zu wollen.“ Schminke lobte die Umweltverbände, die eine Unterzeichnung verweigerten. Die Landesregierung habe den „Wirtschaftsfaktor Wald“ gegen die Interessen der Umweltverbände durchdrücken wollen. „Die Verbände haben somit klare Kante gegen den Ausverkauf unserer niedersächsischen Wälder gezeigt“, so Ronald Schminke.

 

Foto: Michael Weber

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