Projekt Hannoversche Moorgeest

Jagau warnt vor Scheitern

ein Niedersachsen-Artikel von Michael Weber - 12.08.2010

Niedersachsen gehört zu den moorreichsten Gebieten Deutschlands. 250.000 Hektar Moor gab es hier in der Vergangenheit, heute ist davon nur noch ein Zehntel in einem naturnahen Zustand vorhanden. Die Region Hannover möchte deshalb ein rund 5.000 Hektar großes Gebiet revitalisieren. Die so betitelte Hannoversche Moorgeest zieht sich über eine Fläche zwischen Langenhagen, Garbsen, Neustadt und Wedemark. Darin enthalten sind das Otternhagener Moor, das Helstorfer Moor, das Bissendorfer Moor und das Schwarze Moor. Ziel des Projektes ist, die moortypischen Wasserstände wieder herzustellen. Dabei erhöhen sich die Wasserstände in den Mooren und an deren Rändern und der Anteil naturbelassener, unbewirtschafteter Flächen nimmt zu.

Die Planungsphase für das Großprojekt ist abgeschlossen. Allerdings droht ein größeres Problem, denn die fest eingeplanten Fördermittel aus den Bundestöpfen scheinen nicht sicher zu sein. Grund: Die Region hat das Projektgebiet um ca. 700 Hektar verkleinert. Der Bund, der für 70 Prozent der Projektkosten aufkommen soll, stellt sich quer. Regionspräsident Hauke Jagau hat daher heute alle Bundestagsabgeordnete mit Wahlkreis in der Region um Hilfe gebeten.

„Das Moorgeestprojekt erfüllt nach wie vor alle Förderkriterien des Bundes. Wir werden alles dafür tun, die geplanten Maßnahmen so zeitnah wie möglich umzusetzen. Schließlich sichern wir damit nicht nur vier bedeutsame Moore mit vielen bedrohten Tier- und Pflanzenarten, sondern tun gleichzeitig auch viel für die Klimaschutzziele der Region“, sagte heute Dr. Axel Priebs, Umweltdezernent der Region Hannover. Jagau warnte vor einem Scheitern: „Ein Scheitern des Projekts in dieser entscheidenden Phase hätte verheerende Folgen und würde zu einem erheblichen Glaubwürdigkeitsschaden und einem Vertrauensverlust für lange Zeit führen, da insbesondere von den betroffenen Nutzergruppen und der Bevölkerung viel Zeit und persönliches Engagement in das Gelingen investiert wurden und das Projekt vor Ort mittlerweile eine breite Zustimmung erfährt.“

Ein wichtiges Argument liefern die derzeit in Russland lodernden Wald- und Torfbrände. Die vier Moore im Norden Hannovers sollen nicht nur erhalten, sondern in ihren ursprünglichen Zustand versetzt werden. Das würde auch Torfbrände sehr stark beeinträchtigen, da der Wasserhaushalt der Moore erheblich erhöht wird. Dazu sollen das Regenwasser im Moor gehalten sowie Entwässerungsgräben entfernt bzw. verschlossen werden. Das ist nicht nur ein Beitrag zum Klimaschutz, da Torf Kohlendioxid bindet, sondern auch für die angeschlagene heimische Tier- und Pflanzenwelt. Nicht zuletzt ist Niedersachsen neben Schleswig-Holstein das einzige Gebiet unter atlantischem Klimaeinfluss, in dem es Hochmoore gibt. Die vier Hochmoore in der Hannoverschen Moorgeest samt ihrer biologischen Vielfalt möchte die Region Hannover unbedingt erhalten.

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