Verbotener Genmais auf den Äckern

Saatgutskandal belastet Ministerium

ein Niedersachsen-Artikel von Michael Weber - 07.06.2010
Maisfelder in Niedersachsen

Bundesweit sind offenbar große Ackerflächen mit genmanipuliertem Saatgut bepflanzt worden. Nach einer Untersuchung von Greenpeace wurden auch in Niedersachsen entsprechende Proben positiv bewertet. Lieferant des verunreinigten Saatgutes ist ein Unternehmen in Buxtehude. Laut Medienberichten soll das zuständige Niedersächsische Landwirtschaftsministerium trotz entsprechender Kenntnisse die Aussaat nicht rechtzeitig durch eine Warnung an die zuständigen Ministerien der betroffenen Bundesländer verhindert haben. Eine offizielle Stellungnahme des Ministeriums steht aktuell noch aus.

Nach Auskünften von Greenpeace konnte der Anbau des in Deutschland verbotenen gentechnisch veränderten Mais auf einer Fläche von 3.000 Hektar nachgewiesen werden. Besonders heikel ist die Rolle des zuständigen Niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums. Dieses hatte laut Greenpeace frühzeitig von der Verunreinigung gewusst, jedoch nichts unternommen, um die Aussaat des verunreinigten Maissamens zu verhindern. Der Anbau des herbizidresistenten Mais ist europaweit verboten. Nach Berechnungen von Greenpeace hat eine Saatgutverunreinigung von 0,1 Prozent zur Folge, dass etwa 100 gentechnisch veränderte Pflanzen auf einem Hektar wachsen.

Für Alexander Hissting, Landwirtschaftsexperte von Greenpeace, ist dies der „bisher größte Gentechnik-Saatgutskandal in Deutschland“. Drei Monate lang seien die Untersuchungsergebnisse auf niedersächsischen Behördenschreibtischen eingestaubt. Der Experte mutmaßt, dass entweder geschlampt oder aus politischer Überzeugung heraus das Schaffen von Fakten bewusst in Kauf genommen wurde. Erschwert wurde das Problem scheinbar durch die Herstellerfirma, die erst nach einem Entscheid eines Verwaltungsgerichtes die Namen der belieferten Landwirte preisgab. Der Schaden für die Landwirte beläuft sich nach ersten Schätzungen möglicherweise auf mehrere Millionen Euro, denn die Aussaat muss vernichtet werden.

Nicht nur Greenpeace fordert eine sofortige Aufklärung des Falls und eine Entschädigung der betroffenen Landwirte. Auch die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen hat sich des Falls angenommen und will das Thema in den Landtag einbringen: „Wir wollen wissen, wieso es in Niedersachsen dazu kommen konnte, dass die vorhandene Meldung über gentechnisch verunreinigtes Maissaatgut mehr als zwei Monate im Agrarministerium verschlampt wurde, obwohl Verbände explizit nach den Messergebnissen gefragt hatten", sagte der agrarpolitische Sprecher Christian Meyer heute in Hannover. „Für dieses Versäumnis und den möglichen Millionenschaden der in der gentechnikfreien Landwirtschaft entstanden ist, trägt die Landesregierung die Verantwortung.“ Bereits in der Vergangenheit hätten CDU und FDP immer wieder gefordert, ein „bisschen verbotener Genmais“ solle zugelassen werden. Deshalb äußerte sich Meyer: „Das betont langsame Agieren der Landesregierung in dieser Frage lässt befürchten, dass die von der Mehrheit der Verbraucher und Landwirte abgelehnte Agrogentechnik durch die Hintertür eingeführt werden soll.“ Auch die Landesregierung müsse an vorgeschriebenen Nulltoleranz gegenüber genveränderten Saatgut festhalten.

Foto: Clipdealer

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