Baltrum

Die kleinste bewohnte Ostfriesische Insel

ein Niedersachsen-Artikel von Redaktion - 13.11.2011
Baltrum - die Kirche ist eine Sehenswürdigkeit

Baltrum ist die kleinste der bewohnten Ostfriesischen Inseln vor Niedersachsen in der Nordsee und hat nur knapp 600 Einwohner. Die Nordseeinsel gliedert sich in die Ortsteile Westdorf, Ostdorf, Altes Ostdorf und gehört zum Landkreis Aurich und liegt zwischen Norderney und Langeoog. Zwischen Baltrum und Neßmersiel bestehen eine Fährverbindung und ein direkter Busanschluss an den Bahnhof in Norden. Auf der Insel sind bis auf wenige Ausnahmen keine Autos gestattet und selbst das Mitbringen von Fahrrädern ist nicht gerne gesehen. Da es auf Baltrum auch kein Fahrradverleih gibt, verweist man auf den traditionellen öffentlichen Personennahverkehr, der aus Kutschen und Pferden besteht. Einzigartig auch, dass es auf der Insel keine Straßennahmen gibt. Die aufsteigende Nummerierung der Häuser erleichtert dem Besucher in der Regel auch das Orientieren im Bereich Alter der Häuser.

Baltrum ist das "Dornröschen der Nordsee". Den Spitznamen erhielt die Insel wegen ihrer ganz speziellen Ruhe. Baltrum ist autofrei, also kein Lärm, Krach, Abgase und Trubel. Die schadstoffarme Luft kommt bei vielen Urlaubern gut an. Das an der Nordsee herrschende maritime Reizklima kommt speziell auch Allergikern zu Gute. Dadurch ist die Ostfrresische Insel für Erholungssuchende das perfekte Urlaubsziel, was jedoch nicht heißt, dass es auf der Dornröscheninsel langweilig zugeht.

Fähre nach Baltrum

Mehrmals täglich kann die Insel per Fähre angesteuert werden. Es handelt sich dabei um keine Autofähre, da Autos auf der Insel nicht geduldet werden. Mehrfach täglich kann der Tourist die Fähre nach Baltrum - und natürlich auch zurück - nutzen. Hierbei können die Fahrplanzeiten variieren, da diese vor allem von den Witterungsbedingungen abhängig sind. Die Fährverbindung hat eine Dauer von ca. einer halben Stunde. Reservierungen sind in der Regel nicht notwendig. Vor Ort erfolgt die Beförderung der Gäste und des Gepäcks mit den so genannten Taxi- (Pferde-) Kutschen oder mit dem Bollerwagen, den die Unterkünfte stellen. Straßennamen sind auf Baltrum nicht zu finden, nur Hausnummern. Diese werden nach dem Bauplatz und dem Zeitpunkt der ersten Gebäudeerrichtung auf dem Anwesen aufsteigend vergeben.

Eine Alternative zur Anreise mit der Fähre ist der Kurzstreckenflug auf die Insel, denn diese verfügt über einen kleinen Flugplatz mit Start- und Landebahn. So können Gäste beispielsweise mit regionalen Fluggesellschaften ab Leer oder Norden-Norddeich auf die Insel fliegen.

Geschichte der "bewegten" Insel

Die erste urkundliche Erwähnung der Insel wird in das Jahr 1398 datiert. Zur Namensherkunft gibt es keine eindeutigen Erklärungen. Ursprünglich zeigte sich die Insel mit einer länglichen Form, die heute noch bei Norderney oder Juist erhalten ist, hat sich jedoch im Laufe der Jahrhunderte durch Strömungen, Stürme und die See nachhaltig verändert, was auch mit Landverlust einherging. Im 17. Jahrhundert wurden ca. 14 Haushalte auf der Insel verzeichnet. Baltrum hat in der Saison ca. 3.000 Gäste täglich, was der maximalen Aufnahmekapazität der Insel entspricht. Interessant ist die Ostwanderung und Abtragung von Baltrum – in den letzten 350 Jahren befand sich der westlichste Punkt ca. 4,5 km westlicher, gleichzeitig gewann die Insel im östlichen Bereich nur 1,4 km, was zu einem Schrumpfen der Insel führte. Dem wird heute versucht effektiv vorzubeugen.

Die wenigen Bewohner waren besonders nach der großen Sturmflut im Jahre 1825 permanent mit Umsiedelung, Inselbefestigung und Neuerrichtung beschäftigt. Die Insulaner lebten von Fischfang, Austernzüchtung und dem Sammeln von Schill - den Schalen der Herzmuscheln - aus dem Watt. Mit dem Schill  kam auch der Wohlstand, denn das natürliche Material war in den Kalkbrennerreien gefragt. Im Jahre 1876 erhielt der Ort den Titel "Seebad", was den Tourismus auf der Insel begründete. Seit 1966 hat Baltrum den Status "Staatlich Anerkanntes Nordseeheilbad" inne und ist ein gefragter Kurort.

Freizeit: mehr als Baden, Kuren, Sport

Das Highlight Baltrums ist der Strand. Im Norden der Insel befindet sich ein wunderschöner Sandstrand. Hier wird Freizeit groß geschrieben. Sonnenbaden, Schwimmen, Wassersport, Wandern oder einfach nur Spazierengehen, am Meer wird jeder Tag zu einem besonderen Erlebnis. Der Strand ist an Lebendigkeit kaum zu übertreffen. Hier tummeln sich Badeurlauber, Kitesurfer, Segler, Kajakfahrer, Angler, Vollyballer. Es gibt einen eigenen Drachenstrand, Wattwanderungen versprechen einmalige Erlebnisse. Besondere Aktivitäten wie Cobigolf, Faustball oder das Schatzkofferspiel sorgen für viel Abwechslung im sportlichen Angebot.

Die Insel verfügt über ausgezeichnete Kur- und Gesundheitseinrichtungen, wie das Kurzentrum mit schöner Sauna- und Badelandschaft. Mit dem "SindBad", der größten Kureinrichtung der Insel, eröffnen sich zahlreiche Gesundheits- und Wellness-Perspektiven. Entspannung für Körper und Seele bietet zudem das neue Erlebnisbad. Doch auch Tennis oder ein Ausritt zu Pferd - wer es sehr bequem mag, lässt sich einfach mit einer Pferdekutsche chauffieren - sind einige der zahlreichen Sport- und Freizeitmöglichkeiten. Nicht zu vergessen: die erholsamen Strandspatziergänge.

Falls das Wetter einmal nicht mitspielen sollte, so gibt es dennoch genügend Freizeitangebote, die wetterunabhängig sind. Im Spaßbad ist für beste Unterhaltung gesorgt, entweder beim Schwimmen oder bei den vielen entspannenden Wellnessangeboten. Kulturell gibt es viele Möglichkeiten, die helfen, Langeweile bei schlechtem Wetter zu überstehen. Gerade in der Hauptsaison gibt es auf Baltrum viele Veranstaltungen, wie zum Beispiel Konzerte, Film- und Theatervorführungen oder Vorträge. Tagesausflüge per Schiff sind ebenfalls eine gute Alternative, falls das schöne Wetter sich einmal eine Auszeit nimmt. Interessant sind beispielsweise Erlebnisfahrten rum um Baltrum, Fahrten zu Nachbarinseln sowie Fahrten mit Fischfang. Die Freizeitmöglichkeiten auf Baltrum sind vielfältig. Ganz gleich, welche Art von Urlaub man auf Baltrum verbringen möchte, Langeweile ist hier ein Fremdwort.

Brauchtum genießen

Klar, auf einer Ostfriesischen Insel spielt der Ostfriesentee und die damit verbundene heilige Zeremonie eine wichtige Rolle. Daneben gibt es aber noch mehr Traditionelles, in das Besucher Einblick erhalten. Zum Beispiel die beliebten Osterbräuche wie Hicken-Bicken, Eiersmieten und Eierstrüllen oder Paaskefüüer. Eines der markanten Inselgerichte ist der Snirtje-Braten mit Rotkohl, den man probiert haben muss. Die Ostfriesische Sprache wird auf der ganzen Insel gehegt und gepflegt, die Einheimischen geben gerne ein wenig Sprachunterricht. Baltrum hat seinen eigenen Shanty-Chor, der die Tradition der Seemannslieder aufrechterhält und damit auch den typisch ostfriesisch-maritimen Charme unterstreicht.

Sehenswürdigkeiten auf Baltrum

Das Heimatmuseum Altes Zollhaus erzählt die Geschichte anschaulich mit interessanten Exponaten und zeigt auch die bis heute bestehenden Traditionen auf Baltrum auf. Das Nationalparkhaus darf auf der Insel nicht fehlen. Der Gezeitenpfad bietet sich für interaktive Erkundungen wunderbar an. Die neue Stadtmauer eröffnet als wunderschöne Promenade den Blick auf die Nordsee und atemberaubende Sonnenuntergänge. Als Wahrzeichen der Insel gilt die Alte Inselkirche mit der Inselglocke. Wie die Insel im 19. Jahrhundert gegen die stürmischen Wellen der Nordsee gesichert wurde, zeigt das Historische Pfahlschutzwerk.

Sehenswert sind die Kirchen auf Baltrum, die einen wunderbaren Einblick in die Geschichte der Insel geben und gleichzeitig wunderschöne Fotomotive sind. Beeindruckend ist auch das historische Pfahlschutzwerk, welches zum Ende des 19. Jahrhunderts die Insel sicherte. Im Jahr 2008 wurde das vorhandene Pfahlschutzwerk instand gesetzt und dient nach wie vor als beeindruckender Wellenbrecher und als Attraktion der Insel. Wer Wanderungen liebt, dem wird der ca. sieben Kilometer lange Baltrumer Gezeitenpfad gefallen, der eine Wanderung zwischen Meer, Dünen und Insel ermöglicht und wunderbare Eindrücke von Baltrum vermitteln kann.

Kulturell steht das "Dornröschen" seinen Nachbarinseln in nichts nach. Ganz im Gegenteil! Veranstaltungen wie die Inselwitz-Cartoons am Strand mit Deutschlands besten Cartoonisten, der Aloha Kite Cup, das große Bridge-Turnier oder das Festival "Dornröschen rockt" ziehen Besucher aus allen Teilen Deutschlands und der Welt an

Der Gezeitenpfad auf Baltrum

Bei dem Gezeitenpfad handelt es sich um einen Rundkurs mit einer Länge von rund sieben Kilometern. Auf dem Rundkurs sind verschiedene Informationsstationen aufgestellt, die einen Einblick in die Geschichte der Insel sowie dem Küsten- und Naturschutz vermitteln. Außerdem wird auf die Entwicklung des Tourismus eingegangen. Unter den insgesamt 18 Informationsstationen gibt es ebenfalls vier interaktive Stationen. Diese Stationen vermitteln Urlaubern wie Ebbe und Flut entstehen, wie Dünen entstehen, woher das Trinkwasser kommt und wie sich die Wellen auf die Insel auswirken. Ein guter Ausgangspunkt für den Gezeitenpfad ist das Nordseehaus. Für Interessierte werden im Nordseehaus ein Informationsblatt zum Gezeitenpfad und weitere interessante Infos rund um die Insel bereitgehalten.

Das Nationalparkhaus

Kein Urlaub auf Baltrum ohne den Besuch des Nationalparkhauses. Das Gebäude liegt gleich als erstes Haus hinter dem Hafen. Es ist kaum zu übersehen, da es auf einer kleinen Warft liegt. Neben dem Gezeitenpfad, bei dem das Haus als Start- und Endpunkt dient, liegt der thematische Schwerpunkt auf den Gezeiten. Eine lebendige Ausstellung zeigt unter anderem Flora und Fauna des Nationalparks Wattenmeer, welches zum UNESCO Weltnaturerbe gehört. Bei Filmen, Videos, Vorträgen, naturkundlichen Wanderungen und Wattwanderungen können sich Touristen darüber hinaus über die Insel Baltrum informieren. Selbst für Kinder ist der Besuch des Nationalparkhauses interessant, denn auch sie können von hier aus an geführten Wattwanderungen teilnehmen. Die Ostfriesische Insel Baltrum ist daher für den Familienurlaub perfekt geeignet.

Foto: Clipdealer

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