Greetsiel

Altes Fischerdorf an der Nordseeküste

ein Niedersachsen-Artikel von Redaktion - 23.06.2018
Alter Fischereihafen von Greetsiel - Foto G. Dehne

Greetsiel liegt nahe bei Emden und Norden. Es handelt sich bei diesem Ort um ein altes Fischerdorf an der Nordseeküste. Die Sielstadt ist knapp 16 qkm groß und hat etwas über 1.500 Einwohnern. Der Ortsteil der Gemeinde Krummhörn im niedersächsischen Landkreis Aurich bildet zugleich das touristische Zentrum der Ferienregion Krummhörn-Greetsiel. „Krummhörn“ steht dabei auch für die Landschaftsregion, die sich von Emden bis zur Leybucht im westlichen Ostfriesland über die Orte der Gemeinde erstreckt.

Historische Warftendörfer mit roten Backsteinhäuschen, immer blauem Himmel, satten flachen Grünflächen, Mühlen und bezaubernd maritimem Flair kennzeichnen die „Krummhörn“, allen voran Greetsiel, direkt an der Leybucht mit dem malerischen Hafen und den Zwillingsmühlen. Die Entfernung zu den großen Städten Norden und Emden beträgt 15 bis 20 km.

Der 650 Jahre alte Ort spielt zudem in der Geschichte Ostfrieslands eine wesentliche Hauptrolle, denn er wurde von den Häuptlingen der Cirksena, die vom 15. bis in das 18. Jahrhundert über Ostfriesland als Grafen und Fürsten herrschten, gegründet und als neuer Häuptlingssitz gewählt. Greetsiel wird gerne als „Puppenstubenort“ bezeichnet, was einerseits der Größe, andererseits aber auch der Bilderbuchidylle geschuldet ist. Hier fühlen sich Einheimische wie Besucher fernab von Hektik und Stress pudelwohl, die Uhren ticken langsamer, man kennt sich und ist direkt zur Stelle, wenn Hilfe gebraucht wird. Kein Wunder, dass der Fischerort schon mehrfach als Kulisse für Film- und TV-Aufnahmen ausgesucht wurde, z.B. Tatort, Pfarrer Braun, Heimatgeschichten: Das Erbe von Greetsiel.

Greetsieler Geschichte

Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes findet sich in Briefen aus dem Jahre 1388 von Ocko I. tom Brok, der zu dieser Zeit als Häuptling über das Bromer- und Aurichland in Ostfriesland herrschte. Daraus geht hervor, dass Hamburger Schiffe im Hafen von Greetsiel vor Anker lagen und Zoll entrichten mussten.

Greetsiel ist eng mit den Ostfriesenhäuptlingen, die aus dem Grafengeschlecht der Cirksena hervorgingen, verknüpft. Diese gründeten den Ort von ihrem damaligen Ursprungs- und Hauptort Appingen aus und ließen zwischen 1362 und 1388 die Burg Greetsiel im Ortskern als Stammburg erbauen. Von der massiven Niederungsburg sind heute allerdings nur noch das Schatthaus, der Wirtschaftshof und das Steinhaus der Cirksena erhalten. Da Appingen durch Eindeichungen zunehmend vom Meer abgeschnitten war, machten die Cirksena Greetsiel zu ihrer neuen Residenz. Auf der ehemaligen Cirksenaburg erblickten zahlreiche bedeutende Ostfriesenherrscher das Licht der Welt.

Von Greetsiel aus konnte über die Gräben und Kanäle der Bootsverkehr nach und von Emden gesteuert und somit die Versorgung der umliegenden Orte gesichert werden. So genannte Loogschiffe übernahmen den Transport der umgeschlagenen Fracht in die Dörfer der Marsch. Eigene Torfschiffe brachten auch das wichtigste Heizmaterial über das ostfriesische Kanalnetz zu den Einwohnern der Krummhörn.

Mit den Speckumzügen im April 1919 kam große und gefährliche Unruhe in die Dörfer der Krummhörn. Landarbeiter aus Emden und der Region Rheiderland bedienten sich bei Raubaktionen an Lebensmitteln der Bauern, es folgten Auseinandersetzungen. Truppen der Reichwehr konnten die Lage beruhigen, in Folge dessen schlossen sich aber bewaffnete Bürgerwehren in den Dörfern zusammen. Die des Ortes Greetsiel war mit 70 Personen besetzt. Ein Erlass des preußischen Innenministers forderte 1920 die Auflösung.

Durch die hannoversche Ämterreform im Jahre 1859 wurde das Amt Greetsiel mit Verwaltungssitz in Pewsum in das Amt Emden integriert und blieb auch nach der Kreisreform 1885 dem neuen Landkreis Emden zugehörig. Pewsum ist heute der Verwaltungssitz der Gemeinde Krummhörn und gleichzeitig ihr größter Ort.

Im Zuge der Gebietsreform 1972 entstand die neue Gemeinde Krummhörn (heute 19 Ortsteile), in die Greetsiel eingegliedert wurde. Den Streit um den Verwaltungssitzt gewann, aufgrund der zentralen Lage, Pewsum. Greetsiel hat sich seine malerische Schönheit und Tradition bis heute bewahrt und gilt als Juwel an der ostfriesischen Küste, das Medien und Touristen gleichermaßen anzieht. 

Windmühlen von Greetsiel - Foto G. Dehne

Wirtschaft und Verkehr in Greetsiel

Fischerei und Tourismus sind die wirtschaftlichen Hauptpfeiler des Urlaubszentrums in der Krummhörn. In Greetsiel ist die größte Kutterflotte Ostfrieslands mit etwa 30 Krabbenkuttern zu finden. Zu den bedeutenden Arbeitgebern im Fischerort gehört das renommierte Krabbenhandelsunternehmen de Beer. Eine Vielzahl an Unterkünften wie Ferienwohnungen, Pensionen, Hotels sowie Gaststätten, Restaurants, Geschäfte und Freizeiteinrichtungen sind auf den Tourismus ausgerichtet, welcher in Greetsiel besonders stark blüht. Neben diesen beiden Schwerpunkten spielt die Landwirtschaft eine Rolle.  

Die Landstraßen L 25, L 27 bilden die wichtigen Verkehrsanschlussstellen an die Städte Emden und Norden, auch die A 31 ist hierüber zu erreichen. In Greetsiel selbst herrscht kaum Autoverkehr, in erster Linie sind es die Anlieger, die ihre eigenen Einfahrten nutzen. Der überwiegende Fahrzeugverkehr verläuft über die Umgehungsstraße.

Der Ort ist durch das Alte und Neue Greetsieler Tief mit den ostfriesischen Binnenwasserstraßen-Netz verbunden, aus Emden bietet sich auch der Wasserweg mit kleinen Booten an. Der Fähr- und Schifffahrtsverkehr konzentriert sich hauptsächlich auf den Tourismus, weshalb keine regelmäßigen Fährverbindungen zu den Ostfriesischen Inseln existieren.

Greetsiel: Urlaub in einem alten Fischereihafen - Sehenswürdigkeiten und Freizeitaktivitäten

Das malerische ostfriesische Fischerdörfchen hat ausgeprägten "niederländischen" Charme und wer das erste Mal hier weilt, fühlt sich ein bisschen wie in Klein-Amsterdam. Das kommt nicht von ungefähr, denn einige der historischen Bürgerhäuser aus dem 18. Jahrhundert in der Sielstraße am Hafen sind nach holländischem Vorbild gestaltet. Wer durch die Gassen schlendert, erfreut sich zudem an typischer Backsteinarchitektur und Gulfhäusern. Aus Backstein ist auch die evangelisch reformierte Kirche in Greetsiel gefertigt, die von Cirksena-Häuptling Haro Edzardsna in der Zeit von 1380 bis 1410 erbaut wurde. Der ehemalige Stammsitz der Cirksena findet sich mit dem so genannten Steinhaus am Ende der Hohen Straße.

Greetsiel besitzt neben dem romantischen, über 600 Jahre alten Fischerhafen auch einen Yachthafen. Die 1991 errichtete Schleuse Leysiel gibt den Weg zur offenen Nordsee frei, weshalb die beiden Greetsieler Häfen gezeitenunabhängig sind. Das alte Sieltor in Greetsiel aus dem Jahre 1798 ist ein beliebter Treffpunkt am Hafen. Sehenswert sind auch das neue Sieltor aus dem 19. Jahrhundert sowie das unter Denkmalschutz stehende Schöpfwerk.

Um Wasser und Schiffe geht es auch im Greetsieler Museumshaus, das sich ganz und gar den Buddelschiffen verschrieben hat und eine gigantische Anzahl von 800 Exemplaren präsentiert. Poppinga´s alte Bäckerei ist ein spezielles Museum mit Galerie und Teestube. In der restaurierten Bäckerei wird die historische Wohn- und Gewerbekultur anhand vieler Originalstücke wie Ladeneinrichtung, Backstube oder Butzenbetten authentisch dargestellt.

Die „Zwillingsmühlen“ zählen zu den Wahrzeichen des Ortes. Dabei handelt es sich um zwei Holländerwindmühlen (grün und rot), die in den Jahren 1856 und 1921 erbaut wurden und  heute einen touristischen Zweck als Verkaufsstätte und Teestube erfüllen.

Der Nationalpark liegt mit der Leybucht und den Inseln direkt vor der Haustüre - Das Nationalparkhaus Greetsiel steht interessierten Besuchern, die mehr über den Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer erfahren möchten, mit Info-Ausstellungen und Mitmach-Aktionen offen. Ein besonderes Erlebnis sind die geführten Vogelbeobachtungen in der Leybucht. Angeboten werden auch Minikreuzfahrten durch das Wattengebiet der Insel Borkum zu den großen Seehundbänken und zur Vogelinsel Memmert.

In Greetsiel ist bei aller Beschaulichkeit immer was los. Herrlich gelegen am Naturschutzgebiet Leyhörn, findet sich der 8 ha große Greetsieler Süßwassersee mit kleinem Sandstrand, der zum Baden und Entspannen einlädt. Wer es lieber sportlich aktiv mag, der hat die Wahl aus Pferdesport, Minigolf, Volleyball, Nordic Walking, Radeln und Wandern, um einige Beispiele zu nennen.

Der alte Fischerort ist der ideale Ausgangsort für Touren und Minikreuzfahrten zu den Inseln Juist, Borkum und Norderney. Die Krummhörn mit ihren Warftendörfern lässt sich ausgiebig erkunden. Must See ist der berühmte Pilsumer Leuchtturm im gleichnamigen Krummhörn-Ort. Tagesausflüge in die Großstadt Emden bieten sich ebenfalls an.

Kultur, Veranstaltungen, Tradition

Die Greetsieler pflegen ihre Traditionen, dazu gehören der Shanty-Chor „De Freebeuters“ und das Plattdeutsch. Die Sonntagskonzerte am Hafen, die von Mai bis Oktober stattfinden und von Chören aus der gesamten Region gestaltet werden, ziehen Einheimische wie Besucher an. Der Veranstaltungsterminkalender hat das ganze Jahr hindurch viel zu bieten, Highlights sind die Greetsieler Woche, eine renommierte Kunstausstellung, der Kutterkorso, der Greetsieler Deichlauf und Jahrmarkt sowie der Lüttje Greetmer Weihnachtsmarkt.

Foto: Günter Dehne

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