Heidschnucke

H├Ârnerschaf aus der L├╝neburger Heide

ein Niedersachsen-Artikel von Redaktion - 28.07.2016
Typische Heidschnucke aus Niedersachsen

Mit ihr wird die besondere Romantik der L├╝neburger Heide verbunden - die Heidschnucke, die kontinuierlich daf├╝r sorgt, dass die Heidefl├Ąchen gepflegt und erhalten bleiben. Mehr als 9.000 Heidschnucken sind w├Ąhrend des Jahres auf den Heidefl├Ąchen aktiv. Neben der wichtigen ├Âkologischen Bedeutung des Viehs pr├Ągt ihr Fleisch traditionelle Gerichte der L├╝neburger Heide wie den ber├╝hmten Heidschnuckenbraten.

Fakten ├╝ber die Heidschnucke

Die Heidschnucke z├Ąhlt zu den alten Landschafrassen, die der Gattung ÔÇ×Nordische KurzschwanzschafeÔÇť angeh├Âren. In der L├╝neburger Heide ist vor allen Dingen die Graue Geh├Ârnte Heidschnucke ans├Ąssig. Daneben sind auch die Wei├če Hornlose Heidschnucke in den Moorgebieten und die Wei├če geh├Ârnte Heidschnucke je nach Heideregion vertreten. Heidschnucken ern├Ąhren sich von Heidekraut, Wildkr├Ąutern und Gras. Die Bezeichnung Schnucke leitet sich von ÔÇ×Schn├ÂkernÔÇť ab, was mit Naschen gleichgesetzt wird.

Die Graue Geh├Ârnte Heidschnucke wird mit der typischen Heidschnucke am ehesten in Verbindung gebracht, ihr Vorkommen zeigt sich in der L├╝neburger Heide umfangreich. Das  Fell der ausgewachsenen Tiere hat eine silbergraue Farbe, der Brustlatz ist schwarz. Sowohl die m├Ąnnlichen als auch die weiblichen Heidschnucken dieser Art besitzen H├Ârner.

Wei├če Geh├Ârnte Heidschnucken haben ein wei├čes bis cremefarbenes Fell, das Oberhaar ist sehr grob und lang, das Unterhaar fein und weich. W├Ąhrend die weiblichen Heidschnucken sichelf├Ârmige H├Ârner aufweisen, kringeln sich die gr├Â├čeren H├Ârner bei den B├Âcken schneckenf├Ârmig. Das Wollfell der Wei├čen Hornlosen Heidschnucke ist hingegen kurzfaserig, diese Rasse verf├╝gt ├╝ber keine H├Ârner, sie f├╝hlt sich in Moorgebieten und auf Magerwiesen am wohlsten.

Heidschnucken k├Ânnen ein Gewicht von bis zu 60 kg erreichen, ihre Schulterh├Âhe betr├Ągt bis 60 cm, die K├Ârperl├Ąnge liegt bei ca. 150 cm. Ein Tier kann ca. 15 Jahre alt werden. Im Gegensatz zur Fleischverwertung hat die Wollverwertung einen geringen Stellenwert. Die Heidschnucke ist vorrangig f├╝r den Erhalt der Heidefl├Ąchen zust├Ąndig, denn nur durch die schonende Beweidung kann der wertvolle Lebens- und Naturraum in seiner einmaligen Art intakt bleiben. Die Tiere k├Ânnen sich ganzj├Ąhrig im Freien bewegen, nur in extrem frostigen Wintermonaten werden sie in so genannten Offenst├Ąllen untergebracht. Zu einer Heidschnuckenherde geh├Ârt auch immer ein Sch├Ąfer.

Herkunft und Z├╝chtung der Heidschnucke

Die Heidschnucken sollen von s├╝deurop├Ąischen Mufflons abstammen, die vor etwa 10.000 Jahren auf Korsika und Sardinien beheimatet waren. Der Verbreitungsraum der Heidschnucken, die zur Rasse der Nordischen Kurzschanzschafe z├Ąhlen, bezieht sich auf den nordeurop├Ąischen Raum, hier ist die L├╝neburger Heide eine der weltweit bekanntesten Heimatgebiete dieser Art, die jedoch als stark gef├Ąhrdete Rassen eingestuft sind. Noch bis Mitte des 19. Jahrhunderts galt die Heidschnucke als wichtigstes Tier im einstigen F├╝rstentum L├╝neburg.

Heidschnucken f├╝hlen sich nur in der Herde wohl, der vorrangige Z├╝chtungszweck dient der Beweidung der Heidefl├Ąchen, die Fleischverwertung ist hier ein geringer wirtschaftlicher Nebeneffekt. Im Verband L├╝neburger Heidschnuckenz├╝chter e.V. sind die Zuchtbetriebe organisiert, denen der Erhalt der alten Rasse am Herzen liegt. Die Mitgliederzahl liegt bei etwa 150.

Heidschnucken - der Einsatz als Nutzvieh

In fr├╝heren Zeiten existierten in der L├╝neburger Heide noch etliche Heideh├Âfe mit landwirtschaftlichen Betrieb. Daher kamen auch den Heidschnucken hier mehrere Nutzungszwecke zuteil. Sie lieferten Wolle, Fleisch und D├╝nger zur weiteren Verwertung, der nat├╝rliche D├╝nger wurde auf den Heideb├Âden eingesetzt, um die Fruchtbarkeit zu steigern. Die grobe Wolle der Heidschnucken ist heute weniger gefragt und hat daher auch keinen wirtschaftlichen Stellenwert f├╝r die Heidschnuckenz├╝chter. Als Fleischlieferant werden Heidschnucken ebenfalls nicht mehr gez├╝chtet, das Hauptaugenmerk liegt auf der ├Âkologischen Landschaftspflege, f├╝r die in erster Linie die Graue Geh├Ârnte Heidschnucke zum Einsatz kommt.

Heidschnucken halten die Heide durch ihre ÔÇ×NaschereiÔÇť  oder fachlich gesagt, durch den Verbiss, kurz, was f├╝r den n├Ąhrstoffarmen Boden, der die Heidegrundlage bildet, unerl├Ąsslich ist. Nur darauf gedeihen die besonderen Pflanzenarten und eine Vielzahl von Tierarten, die vom Aussterben bedroht sind, darunter z. B. Ziegenmelker, Raubw├╝rger, Birkh├╝hner, finden hier einen gesch├╝tzten Lebensraum. Heidschnuckenherden werden in Sachen Verbiss durch Ziegen unterst├╝tzt, da diese f├╝r besonders schwierige Geh├Âlze den besseren Biss aufweisen.  

Die Heidschnucken tragen auch in besonderer Weise zur ├╝ppigen Heidebl├╝te bei, denn sie machen den Bienen den Weg frei. Bei ihren Wanderungen zerrei├čen sie die Spinnweben am Boden, was den Bienen die Nektarsuche erleichtert und somit die Best├Ąubung der Bl├╝ten gew├Ąhrleistet.

Kulinarische Heidespezialit├Ąten: Heidschnuckenbraten & Co.

Fleischgerichte von der Heidschnucke z├Ąhlen zu den landestypischen Delikatessen der L├╝neburger Heide. Das fettarme Fleisch wird auch f├╝r die kalorienarme und di├Ątische Kost bevorzugt. Der Geschmack ist wildbret├Ąhnlich. In der Gastronomie warten vielseitige Spezialit├Ąten aus Heidschnuckenfleisch, darunter der beliebte Heidschnuckenbraten sowie Heidschnuckenr├╝cken, Heidjerknipp oder Heidschnuckenragout. Das Fleisch findet auch Verwendung in der Herstellung feiner Wurst und Bratwurst. ├ťbrigens ist das echte Fleisch der Heidschnucke mit einem Siegel f├╝r die gesch├╝tzte Ursprungsbezeichnung versehen. Die Gastronomiebetriebe der Heide weisen darauf extra, meist schon am Eingang, hin.

├ťberregionale Bedeutung der Heidschnucken

Die Heidschnucke geh├Ârt zu den gro├čen Werbetr├Ągern der L├╝neburger Heide, mit ihr werden romantische Landschaften assoziiert und die Sch├Ânheit der Heidebl├╝te. Sie geh├Ârt dazu wie der Topf auf den Deckel und kaum ein Werbefoto ohne die gro├če Herde mit dem Sch├Ąfer und in voller Heidebl├╝te. Aber auch als Zuchttier hat die Heidschnucke ├╝berregionale Bedeutung, denn sogar Betriebe in S├╝ddeutschland, vorzugsweise im Allg├Ąu, haben sich auf die Heidschnuckenzucht spezialisiert. Die Tiere werden in viele L├Ąnder exportiert.

Besonderheiten: Heidschnuckentag

Einmal im Jahr, im sch├Ânen Sommermonat Juli wird in der Gemeinde M├╝den an der ├ľrtze der traditionelle Heidschnuckentag veranstaltet. Hier stellen Z├╝chter einer Jury sowie den Besuchern, die zahlreich anreisen, leistungsstarke und leistungsgepr├╝fte Jungb├Âcke vor, von denen die besten pr├Ąmiert werden. Im Anschluss daran erfolgt die Versteigerung der Tiere.

Foto: Clipdealer

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