Herzberg am Harz

Traditionsreiche Stadt am Juessee

ein Niedersachsen-Artikel von Redaktion - 28.08.2019
Herzberg liegt am Juessee

In Südniedersachen, im Landkreis Göttingen findet sich die etwa 72 qm große Stadt Herzberg am Harz. Ca. 14.000 Einwohner zählt die welfische Residenzstadt am Südrand des Mittelgebirges Harz, die sich in die Kernstadt Herzberg sowie die Erholungs- und Luftkurorte Lonau, Pöhlde, Scharzfeld und Sieber gliedert. Die nächsten Großstädte sind Göttingen und Hannover.

Idyllisch am Nationalpark Harz gelegen, ist die Stadt eine Oase für Natur- und Wanderfreunde. Direkt im Nationalpark liegen die Ortsteile Lonau und Sieber, benannt nach den Flüssen, die Herzberg durchqueren und im Harzer Mittelgebirge entspringen.

Zahlreiche historische Sehenswürdigkeiten laden ein, die Geschichte des Harzstädtchens zu erkunden. Traditionen in Verbindung mit der reizvollen Harzlandschaft, die zu ausgiebigen Wandertouren einlädt, werden in den so genannten „Harzklubs“ gepflegt, die auch Wanderheime für Familien und Gruppen unterhalten. In Herzberg befindet sich einer der 130 Zweigvereine. Herzberg am Harz gehört darüber hinaus zu den beliebten Wintersportorten im Harz und verfügt über Loipen mit unterschiedlichen Längen und Schwierigkeitsgraden.

Seit 2006 trägt Herzberg den offiziellen Beinamen „Die Esperantostadt“. Esperanto ist eine neutrale Brückensprache, welche die Verständigung zwischen verschiedenen Völkern erleichtert und wird in Herzberg bereits seit den 1960er-Jahren aktiv mit eigenen Bildungseinrichtungen gelehrt. Die Stadt ist auch Treffpunkt von Esperanto-Sprechern aus alle Welt und für interkulturelle Veranstaltungen.

Geschichte der Stadt Herzberg

Kernstück der herzbergschen Geschichte ist das Welfenschloss Herzberg auf dem Schlossberg oberhalb des Stadtzentrums, das zu den bedeutendsten Stadtsehenswürdigkeiten zählt. Erstmals urkundlich erwähnt wurde die mittelalterliche Burg, deren Umbau zum Schloss zu Beginn des 16. Jahrhunderts erfolgte, im Jahre 1154. Als landesherrliches Gut der Welfen, fand das unterhalb der Burg gelegene Amt Herzberg, das im Mittelalter Hicesberg, Hertsberg und Hirzberch hieß, erstmals 1337 Erwähnung in einer Urkunde, wobei angenommen wird, dass die Siedlung bereits viel früher gegründet wurde.

1859 wurde Herzberg mit dem Amt Scharzfels zusammengelegt. Bis zur Verleihung der Stadtrechte am 25. Oktober 1929 trug Herzberg die Bezeichnung „Flecken“ (Ort). Die Ämter Osterode, Herzberg und die Stadt Osterode schlossen sich 1885 zum Kreis Osterode am Harz zusammen (ab 1939 Landkreis Osterode). 2016 wurden die Landkreise Osterode am Harz und Göttingen zum Landkreis Göttingen zusammengelegt, zu dem seither auch Herzberg gehört. Um die Stadt herum sind noch einige mittelalterliche Wüstungen (ehemalige Siedlungsdörfer), z.B. Barkevelde, Kalkburg, Steynowe, zu finden.

Die Waffenproduktion für die hannoversche Infanterie bestimmte die Wirtschaft im 18. und 19. Jahrhundert. Durch die Gründung einer Gewehrfabrik 1732 im Ortsteil Lonau machte sich das Kurfürstentum Hannover unabhängig von Waffenlieferungen aus anderen Herrschaftsgebieten. 1740 galt Herzberg durch die Verlegung der Waffenfabriken Lonau und Hannover-Linden als Zentrum der Waffenproduktion, die durch die Preußen jedoch gegen Ende des 19. Jahrhunderts ein Ende fand.

In den 1940er-Jahren wurde in Herzberg die Sprengstofffabrik der Dynamit AG Alfred Nobel erbaut, die kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges zu einem verheerenden Unglück führte. Auf dem Gelände mit 40.000 kg Sprengstoff und 8.000 Minen kam es durch Detonationen zu einem Brand, dessen Löschversuche eine schweren Explosion auslösten, bei der neun Menschen den Tod fanden, auch entstand großer Sachschaden am Schloss und den umliegenden Häusern.

Wirtschaft und Verkehr in Herzberg

Herzberg ist wirtschaftlich seitjeher vielseitig aufgestellt. Früher standen Leinenproduktion, Brauwesen, Land- und Forstwirtschaft im Fokus. Etliche Mühlen, darunter Getreide-, Papier-, Säge- und Ölmühlen ebneten den Weg für die industrielle Produktion, die Herzberg heute zu einem der bedeutenden Industriestandorte im Südharz macht. Neben Papierfabriken und einer Großdruckerei sind Betriebe der Blechverarbeitung und Stahlgießerei, Unternehmen für Lagerlogistik, Akkumulatoren und zentralen Versandhandel sowie ein Truck- und Trailerservice in Herzberg angesiedelt. Auch eine Vielzahl von mittelständischen und Kleinunternehmen trägt zum Wirtschaftswachstum entscheidend bei.

Über die A7 und die Bundesstraßen B27, B243 und B241 ist Herzberg an das deutsche Straßennetz angeschlossen. Der Schienenverkehr wird durch die Bahnstrecke Ruhrgebiet-Leipzig, eine Anbindung an die Hauptstrecke Hamburg-München über Northeim und Göttingen sowie die Nebenstrecke Herzberg-Osterode-Seesen bedient. Der nächstgelegene  internationale Flughafen befindet sich in Hannover.

Sehenswürdigkeiten und Freizeitaktivitäten in Herzberg

Kernstadt und Stadtteile halten historische und kulturelle Bau- sowie Naturdenkmäler bereit. Allen voran Schloss Herzberg, das auf einer Bergkuppe über dem Ort thront. Ursprünglich als Burg im 11. Jahrhundert errichtet, erfolgte nach einem Brand im Jahre 1510 die Neuanlage als Welfenschloss. Seit Ende des 19. Jahrhundert wird die Vierflügelanlage in beeindruckender und seltener Fachwerkarchitektur als Amtsgericht genutzt und bietet auch den richtigen Rahmen als Ausstellungsort für die Schlossgeschichte.

Die 1845 geweihte Nicolaikirche in Herzberg, als Nachfolgerbau der gleichnamigen ersten Kirche, birgt mit ihrer denkmalgeschützten Orgel eines der bedeutenden Werke des Klassizismus. Im Herzen der Stadt, eingebettet in herrliche Grünanlagen, lädt der Juessee, ein Erdfall im Vorharzer Karstgebiet, inklusive Naturfreibad zum ausgelassenen Badevergnügen und Angelspaß ein. Wasser ist auch das große Thema der „Herzberger Wasseracht“: Angelegt wie das spirituelle Zeichen für Unendlichkeit - die liegende Acht - präsentiert sich ein malerischer und sehr informativer Erkundungspfad an den Ufern von Sieber, Lonau, Mühlengraben, Juessee und Ochsenpfuhl.

Nahe dem Ortsteil Phölde wartet mit der Rhumequelle eine der größten Quellen Europas. Auch die Klosterkirche oder die Burganlage „König Heinrichs Vogelherd“ in Phölde lohnen einen Besuch.

Ein beliebtes Ausflugziel ist die Einhornhöhle bei Scharzfeld, als eine der größten Karsthöhlen des südwestlichen Harzes. Der natürliche Hohlraum über eine Länge von 557 m, der sich in Dolomitengestein ausgebildet hat, ist für seine steinzeitlichen Funde bekannt. Auch die Steinkirche Schwarzfeld ist eine Dolomitenfels-Höhle, in der in der Altsteinzeit Jäger lagerten und die im Mittelalter zum Kirchenraum umfunktioniert wurde. Östlich des Ortes findet sich ein weiteres Highlight - die Burgruine Scharzfeld, die einst als uneinnehmbar galt, aber dennoch im Siebenjährigen Krieg 1761 zerstört wurde. Da sie auf einem Dolomitenfelsen liegt, gilt sie als gefragtes Wanderziel.

Naturfreunde sind in Herzberg goldrichtig. Die Lage am Rand des Nationalparks Harz sowie am Naturschutzgebiet Siebertal eröffnet fantastische Naturerlebnisse. Der Ortsteil Lonau mit dem idyllischen Lonautal liegt mittendrin im Nationalpark. Über den Karstwanderweg können Naturfreunde am Juessee vorbei bis zum Lonauer Wasserfall wandern. Ein Ausflugstipp ist auch das Auerhuhn-Schaugehege in Lonau. Mehr als 50 ausgeschilderte Wege führen im Wandergebiet der Sieber auf einer Gesamtlänge von 250 km durch die berauschende Natur. Unterwegs bieten sich Freibad, Freizeitanlage und Abenteuerspielplatz.

Radeln, Reiten, Tennis, Golf oder Bogenschießen erweitern das Spektrum an Freizeitaktivitäten, das im Winter durch den Skisport ergänzt wird. Für kulturelle und gesellige Kurzweil ist auf den zahlreichen Veranstaltungen, die im Laufe des Jahres stattfinden, gesorgt. Highlights sind der Juesseelauf, das Schützenfest und das Fest im Park.

Foto: Clipdealer

Rubrik Region: 
Tourismusregion: