Salzwiese

Ein besonderer Lebensraum

ein Niedersachsen-Artikel von Redaktion - 27.01.2017
Salzwiese an der Nordsee

Salzwiese?  Was ist das eigentlich? Im nieders√§chsischen Landschaftsraum spielen die Salzwiesen eine bedeutende Rolle. Etwa 8.400 Hektar dieser krautigen Fl√§chen werden am Wattenmeer verzeichnet. Salzwiesen entstehen an flachen Gezeitenk√ľsten, sie k√∂nnen aber auch im Binnenland gedeihen, wenn durch oberfl√§chliches Grundwasser das erforderliche salzhaltige Milieu entsteht.

Die Salzwiesen an der Nordsee sind Naturschutzgebiete, da sie einen wichtigen Lebensraum f√ľr Pflanzen und Tiere bieten. Im Nationalpark Nieders√§chsisches Wattenmeer werden an verschiedenen Standorten gef√ľhrte Salzwiesen-Exkursionen, auch auf ausgewiesenen Salzwiesen-Erlebnispfaden unter Einhaltung der Naturschutzgrundlagen, durchgef√ľhrt.

Begriff der Salzwiese

Aus der Luft und weiteren Entfernung betrachtet, erscheint die Salzwiese in der Tat als eine Art Wiesenfl√§che und wer den Bezug zum Meer herstellt, kann auch ableiten, dass der Boden dort sehr salzhaltig sein muss. Salzwiesen bezeichnen krautige Pflanzenlandschaften, die eine nat√ľrliche Barriere zwischen dem Meer und dem Land/Deich bilden. Sie sind als Wellenbrecher n√ľtzlich und erm√∂glichen die Ansiedlung von besonderen Pflanzen- und Tierarten.

Wie kann man sich nun als Laie vorstellen, wie eine Salzwiese entsteht? Mit jeder Flut werden so genannte Schwebeteilchen in das Watt geschwemmt. Das Watt ist die ufernahe Zone, die aus Sand, Schlick oder Felssedimenten bestehen kann. Sie bleibt bei Ebbe trocken und f√ľllt sich bei Flut mit Wasser. Wenn nach der Flut die Str√∂mung ruht, setzt sich langsam eine Schlicksicht ab, auf der die Queller-Pflanze Fu√ü fassen kann. Sie ist sozusagen die erste Pflanze, die sich ansiedeln kann und bildet die Grundlage f√ľr weitere Pflanzenarten, die sich in der Salzwiese ausbreiten k√∂nnen.

Die mittlere Hochwasser- oder Flutlinie bildet den Messpunkt f√ľr unterschiedliche Pflanzenzonen der Salzwiesen. Je nachdem, ob die Ablagerungsschicht unter, gleich auf oder √ľber dieser Linie liegt, bilden sich verschiedene Wiesenebenen, je n√§her die Salzwiesen sich zum Land hin ausbreiten, umso weniger werden diese Bereiche im Jahr √ľberschwemmt, wodurch sich auch der Salzgehalt verringert und somit die Vegetation ver√§ndert. Salzwiesen wachsen kontinuierlich und vergr√∂√üern indirekt die Landfl√§che. Daher sind Salzwiesen f√ľr die Menschen an den K√ľsten Gebiete, die es zu erhalten und zu f√∂rdern gilt.

Welche Pflanzen gedeihen auf Salzwiesen?

Salzwiesen werden nach ihrem Entstehungsbereich und der Untergrundbeschaffenheit in verschiedene Typen unterteilt. So finden sich Lagunen-Salzwiesen, Sandsalzwiesen, Leeseiten-Salzwiesen, √Ąstuar-Salzwiesen, Vorland-Salzwiesen und k√ľnstliche Salzwiesen. F√ľr den Laien ist die Aufschl√ľsselung der einzelnen Begriffe nicht ohne weiteres nachzuvollziehen, weshalb wir an dieser Stelle auf entsprechende Infoportale oder Fachliteratur verweisen m√∂chten.

Entsprechend dem Höhenunterschied zur mittleren Hochwasser-Linie (mHW), der Überschwemmungshäufigkeit und des Salzgehaltes (Salinität) wird in verschiedene Pflanzenzonen unterteilt:

  • √Ąu√üere & innere Quellerzone
    40 cm unterhalb der mHW-Linie bis wenige cm √ľber der mHW-Linie, bis 700 √úberschwemmungen j√§hrlich, 26 % Salinit√§t, Pflanzen: Queller und Schlickgras
  • Untere und obere Andelzone
    mHW-Linie bis ca. 40 cm dar√ľber, zwischen 150 und 300 √úberschwemmungen j√§hrlich, 20-26 % Salinit√§t, Pflanzen: Andel, Strandflieder, Strand-Dreizack, Strandbeifu√ü, Strandmelde, Strandaster, L√∂ffelkraut
  • Untere & obere Rotschwingelzone
    ab 35 cm oberhalb der mHW-Linie bis zu 1 m √ľber der mHW-Linie, zwischen 20 und 70 √úberschwemmungen j√§hrlich, 5-20 % Salinit√§t, Pflanzen: Rotschwingel, Strandwegerich, Milchkraut, Strandbeifu√ü, Strandnelke, Strandquecke

Die Zonen gehen je nach H√∂henunterschied zum mittleren Hochwasserspiegel ineinander √ľber, wobei die Quellerzonen direkt am Wasser liegen und die Rotschwingelzonen dem Land an n√§chsten kommen. Wie aus dieser Unterscheidung auch ersichtlich wird, handelt es sich bei verschiedenen Pflanzen um Gr√§serarten, wie Andel und Rotschlingel, was auch den Namen Salzwiese noch klarer unterstreicht.

Salzwiesen-Pflanzen sind daher so einzigartig, da sie nur auf diesem salzhaltigen feuchten Boden gedeihen und mit den schwierigen Verh√§ltnissen bestens klarkommen. Auf anderen B√∂den, z.B. am trockenen Land, oder mit S√ľ√üwasser h√§tten sie keine Chance. F√ľr weitergehende Infos zu diesem speziellen Gebiet empfehlen wir auch einen Besuch der Salzwiesen-Erlebnispfade Ne√ümersiel oder Sehestedt.

Wertvoller Lebens- und Ansiedelungsraum f√ľr Insekten und V√∂gel

Auch die Insekten, die Salzwiesen bev√∂lkern, sind Spezies, die sich nur im Bereich der Salzwiesen-Pflanzen entwickeln und √ľberleben k√∂nnen, wie z.B. der Strandfliederr√ľsselk√§fer, der an den Strandflieder gebunden ist. Insgesamt werden √ľber 400 Insektenarten gez√§hlt, die sich auf ca. 25 Pflanzenarten verteilen.

Zahlreiche Vogelarten nutzen die Salzwiesen als Ruhequartier oder Brutst√§tte oder sind auf die besonderen N√§hrstoffe der Pflanzen angewiesen. Austernfischer, Rotschenkel, Wattv√∂gel, Seeschwalben finden hier das richtige Revier und eine gesch√ľtzte Atmosph√§re.

Foto: Clipdealer

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