Walpurgisnacht

Traditionelle Feier im Harz

ein Niedersachsen-Artikel von Redaktion - 25.04.2018
Walpurgisnacht im Harz

In der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai eines jeden Jahres sind die Hexen im Harz au├čer Rand und Band. Der traditionelle Brauch, der in dieser Art nur im Harz gefeiert wird, lockt tausende Besucher aus ganz Deutschland in die nieders├Ąchsischen Hexenhochburgen, darunter Braunlage, Sankt Andreasberg und Bad Harzburg.

Hexen und Teufel feiern hier ein gigantisches Fest mit besonderen Veranstaltungspunkten. Doch was hat es mit dieser mystischen Tradition auf sich? Warum spielt der ber├╝hmte Goethe eine zentrale Rolle? Wie gestaltet sich der Ablauf der Hexennacht? Diese und noch mehr Fragen rund um das ber├╝hmte Fest beantwortet dieser Beitrag.

Die allgemeine kulturhistorische Bedeutung der Walpurgisnacht

Die Walpurgisnacht oder das Walpurgisfest gilt als traditionelles Brauchtum in Nord- und Mitteleuropa, um den Fr├╝hling zu begr├╝├čen und den Winter zu verabschieden. Schon die Kelten kannten ein solches Brauchtum, das als Beltane (Siegesfest der Sonne) bezeichnet wurde. Die germanischen V├Âlker huldigten ihrem Gott Wotan zu diesem Anlass auch mit Opfergaben.

Die Tradition, die dunklen Tage zu verabschieden und die hellen sonnigen Tage zu begr├╝├čen, begr├╝ndet zahlreiche Maifeiern. Die Menschen in fr├╝herer Zeit glaubten daran, dass b├Âse D├Ąmonen und finstere Gestalten in der Nacht, bevor die sonnige Zeit anbricht, noch einmal so richtig ihr Unwesen treiben. So sch├╝tzten sie Haus und Hof durch ├╝berlieferte Ma├čnahmen. Ein gro├čes Feuer, das auf einem zentralen Platz stattfand, sollte die dunklen Gestalten endg├╝ltig vertreiben.

Im Zusammenhang mit dem kulturhistorischen Hintergrund einzelner Regionen haben sich daraus eigene Feste wie die Walpurgisnacht entwickelt. Der Begriff Walpurgisnacht wird heute jedoch nicht nur im Harz, wo er seinen legend├Ąren Ursprung hat, sondern in verschiedenen Regionen Deutschlands f├╝r die Nacht auf den 1. Mai gebraucht. Vielerorts wird von der Hexennacht gesprochen. Andernorts ist es der Tanz in den Mai oder das Maifeuer.

Walburga: eine heilige Ordensfrau als Namensgeberin

Die Walpurgisnacht ist nach der heiligen Walburga (710-779) benannt, die als angels├Ąchsische Benediktinerin und ├äbtissin des Klosters Heidenheim gewirkt hat. Die Ordensfrau, um die sich viele Mythen und Geheimnisse ranken, wurde am 1. Mai 870 heiliggesprochen.

Seit dem Mittelalter gilt der 1. Mai als Gedenktag der heiligen Walburga, die auch Walpurgis oder Walpurga genannt wurde.

Um zu verstehen, was die Heilige mit der heutigen Nacht der Hexen zu tun hat, braucht es etwas mehr Hintergrundwissen. Die Heiligsprechung war zur damaligen Zeit nicht nur den Verdiensten der englischen Missionarin geschuldet, sondern auch ein Mittel der christlichen Kirche zum Zweck, heidnischen Feiern zum 1. Mai Einhalt zu gebieten. Nachdem sie es vergeblich mit dem Abholzen von Birken, die traditionell f├╝r Maib├Ąume verwendet werden, sowie strengen Verboten versucht hatte, sollte der 1. Mai eine neue Symbolkraft erhalten.

Die heilige Walburga stand f├╝r Unschuld und Gottesehrfurcht, sie vollbrachte wundersame Heilungen und wurde von den Christen als Schutzheilige gegen Krankheiten, Seuchen, Tollwut und Missernte verehrt. Und da es in der Hexennacht auch um die Vertreibung der b├Âsen Geister, die Vorbeugung gegen Krankheit und Seuchen sowie das Beschw├Âren von Fruchtbarkeit geht, passte die Heilige Walpurga wunderbar ins neue Bild f├╝r den Feiertag. Heute w├╝rde man sagen, die Kirche hatte damit einen Weg gefunden, der f├╝r sie die Existenz der heidnischen Brauchtumsfeiern rechtfertigen konnte.

Die Hexennacht im Harz - von der Legende zum Volksfest

Dass die Walpurgisnacht mit den dunklen M├Ąchten zu tun hat, steht im kulturhistorischen Kontext au├čer Frage. Doch wie ist das nun mit den Hexen genau? Das Mittelalter zwischen 1400 und 1750 war die Hochzeit der Hexenverfolgung und Hexenverbrennung im gesamten europ├Ąischen Raum und den Kolonien Nordamerikas. Deutschland nahm dabei eine zentrale Rolle ein. Ein regelrechter Hexenwahn brach vor allen in den Orten und kleinen D├Ârfern des Vorgebirges aus. Im Flachland und in den St├Ądten hingegen waren die grausigen Hexenprozesse weniger verbreitet. ├ťber 80.000 Menschen, der ├╝berwiegende Teil Frauen, fielen diesem dunklen Kapitel zum Opfer.

Damals kursierten schon Ger├╝chte von Hexentreffen, die waren aber nicht auf den Harz oder den h├Âchsten Berg des Harzes, den 1.141 m hohen Brocken gem├╝nzt. Es hie├č allgemein, die Hexen w├╝rden sich an Lichtungen, vor den D├Ârfern oder auf einem Marktplatz treffen. Hexentheoretiker sorgten f├╝r die Annahme, dass diese Treffen nachts auf einem Hexentanzplatz und unter Anwesenheit des Teufels stattfanden.

Erst Mitte des 17. Jahrhunderts kam die Legende auf, der Brocken sei der Hauptversammlungsort der Hexen in Deutschland. Das ist zur├╝ckzuf├╝hren auf die Literatur. Entscheidend ist hier das Werk ÔÇ×Blockes-Berges VerrichtungÔÇť von Johannes Pr├Ąetorius aus dem Jahre 1668, das eine Art geographischen Bericht von den Hexenfahrten und Zaubersabbaten der deutschlandweiten Unholde in der Walpurgisnacht, liefert. Der ber├╝hmte Goethe bereiste den Harz oft und machte die Walpurgisnacht zum Bestandteil der Faust-Trag├Âdie, was ihr letztlich Weltber├╝hmtheit verliehen hat.

Daraus hat sich eine Ritualsage mit Fokus auf den Brocken als Zentralberg der Hexen oder ÔÇ×BlocksbergÔÇť eingeb├╝rgert. Danach treffen sich die Hexen in der Walpurgisnacht auf dem Hexentanzplatz nahe Thale (Landkreis Harz/Sachsen-Anhalt) und fliegen von dort auf Besen, Mistgabeln oder anderen Flugger├Ąten geschlossen zum Brocken. Vorher reiben sie sich und ihre Besen mit einer magischen Hexensalbe ein, die in einen ekstatischen Rausch versetzt. Auf dem Berg tanzen die Hexen im Kreis um ein gro├čes Feuer herum, mit dem R├╝cken zueinander. Zugegen ist der leibhaftige Teufel, dem die Hexen den Hintern k├╝ssen d├╝rfen, bevor sie sich mit ihm verm├Ąhlen. Vom Teufel mit einem Hexenmal gezeichnet, erhalten die Hexen Zauberf├Ąhigkeiten.

Das Walpurgisfest, wie es heute im Harz gefeiert wird, hat seine Anf├Ąnge im 19. Jahrhundert. In abgewandelter und individuell organisierter Form fand es bis in die 1990er Jahre vielfach auch tats├Ąchlich auf dem Brocken statt. Aus Gr├╝nden des Umweltschutzes sind solche Feierlichkeiten auf dem Berg jedoch nicht mehr erlaubt. Stattdessen hat sich die Walpurgisnacht an zentrale Pl├Ątze in den Harzorten verlagert.

Walpurgis-Hochburgen im Harz sind Schierke und Thale in Sachsen-Anhalt sowie Bad Grund, Braunlage, Hahnenklee, Sankt Andreasberg und Goslar in Niedersachsen.

Gem├Ą├č der alten Sage treffen sich dort nach wie vor die Hexen und Teufel aus ganz Deutschland zum ausgelassenen Hexentanz. Schon Wochen vor der Nacht der N├Ąchte werden die Orte hexenm├Ą├čig und teuflisch gut geschm├╝ckt. Je nach Terminlage der Walpurgisnacht finden auch schon Vorveranstaltungen statt. Am 1. Mai h├Ârt das Feiern noch nicht auf, denn dann stehen noch weitere traditionelle Veranstaltungen auf dem Programm.

Die Walpurgisnacht in Niedersachsen

Nachfolgend eine ├ťbersicht ├╝ber die Orte und Veranstaltungen der bedeutenden Hexenfeiern in Niedersachsen:

  • Bad Grund
    In Bad Grund begehen die Hexen, angef├╝hrt vom Oberteufel, die Walpurgisnacht mit einem Fackelzug vom Marktplatz zum H├╝bichenstein. Mitten im Harzer Wald wird zu Musik und mit besonderen Effekten der Pyrotechnik gefeiert. Gegen 20.00 Uhr beginnt das traditionelle Walpurgis Open-Air-Theater. Im Anschluss daran steigt die H├Âllenparty, bei der die letzten Hexen erst im Morgengrauen den Abflug machen.
  • Bad Harzburg
    Vom Bahnhof bis zum Oberen Badepark zieht das Hexenvolk am fr├╝hen Nachmittag durch den Ort. Die Kinderwalpurgis bietet eine Reihe von Veranstaltungen und Aktionen. Erwachsene Hexen und Teufel begeben sich in den Sportpark, der sich am Abend in einen brodelnd hei├čen Hexenkessel verwandelt.
  • Bad Sachsa
    In Bad Sachsa wird die M├Ąrchen-Walpurgis mit einem bunten Programm f├╝r Gro├č und Klein gefeiert. Treffpunkt f├╝r die Hexenschar ist der Vitalpark. Bis in den fr├╝hen Abend hinein stehen vor allen Dingen die verschiedenen Aktionspunkte f├╝r Kinder wie Schminken, M├Ąrchenerz├Ąhlungen, Zauberei auf dem Programm. Die Erwachsenen k├Ânnen noch vor dem gro├čen Feste einen Hexenbesenf├╝hrerschein machen, mit dem sie dann ├╝ber der gro├čen Abendshow mit Tanz, Musik und verschiedenen Darbietungen ihre Runden drehen. Zum Abschluss h├Ąlt der Teufel die traditionelle Ansprache.
  • Braunlage
    Der Festumzug, der sich durch die Stra├čen der Stadt bis zum Kurpark zieht, bildet den Auftakt der Walpurgisnacht. Das Kinderwalpurgisspiel auf der Seeb├╝hne geh├Ârt zu den beliebten traditionellen Programmpunkten. Im Anschluss spielen zahlreiche Livebands zum  Hexentanz auf. Das Walpurgisspiel mit dem Oberteufel f├╝r die Erwachsenen verspricht jede Menge Hexenwerk. Zum kr├Ânenden Abschluss findet ein gro├čes Feuerwerk statt.
  • Goslar
    In feuer- und blutrote Illumination taucht sich der Marktplatz in Goslar, der sich zum Hexenplatz wandelt. Bereits ab dem Mittag sind zahlreiche Hexenk├╝chen und Aktionsst├Ąnde f├╝r Gro├č und Klein ge├Âffnet. Am Abend ist dann die Hexenparty bei h├Âllisch guter Musik das Nonplusultra in gespenstischer Effektkulisse.
  • Hahnenklee-Bockswiese
    Veranstaltungsort ist der illuminierte Kurpark. Schon ab dem Mittag finden zahlreiche Aktionen f├╝r die Hexen und Schaulustigen statt. H├Âhepunkt bildet das Hexenfeuer, das gegen 22.00 Uhr entz├╝ndet wird. Zum Abschluss darf sich das Hexenvolk auf ein faszinierendes H├Âhenfeuer freuen.
  • Sankt Andreasberg
    F├╝r die kleinen Hexen und Teufel bietet die Walpurgiswiese im Kurpark den richtigen Ort f├╝r fr├Âhlichen Hexenspuk. Nachmittags setzt sich der Hexenzug vom Glockenberg durch die Stadt in Bewegung. Die Walpurgisnacht  wird mit einer verhexten Show im Kurparkhaus und viel Musik eingel├Ąutet. Um 23.00 Uhr l├Ądt das Theaterst├╝ck ÔÇ×Die WalpurgisnachtÔÇť in Anlehnung an Goethes Faust zum Schwelgen in der Legende ein.

Foto: Clipdealer

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