Sigwardskirche in Idensen

Einamlige und sehenswerte romanische Architektur

ein Niedersachsen-Artikel von Redaktion - 03.03.2017

Inmitten einer sattgrünen Wiesenlandschaft, eingerahmt von malerischen Bäumen, findet sich die altehrwürdige Sigwardskirche in Idensen unweit vom Steinhuder Meer. Idensen ist ein kleiner Ortsteil der Gemeinde Wurstdorf in der Region Hannover. Der Naturpark Steinhuder Meer und das Calenberger Land bilden den perfekten Rahmen für eine Sehenswürdigkeit in Niedersachsen, die der Nachwelt Einblick in die Baukunst und Architektur des frühen Mittelalters gibt.   

Für den Laien bietet sich auf den ersten Blick und je nach Perspektive ein mittelalterlicher Kirchenbau im Stil der Gotik, der als Postkartenmotiv auch Werbung für die englischen und irischen Landkirchen machen könnte. Die Kirche, die im 12. Jahrhundert erbaut wurde, ist ein faszinierendes Kleinod, das im Inneren originale Ausmalungen aus der Romanik offenbart und Besucher wie Pilger aus nah und fern täglich bis zum Anbruch der Dunkelheit zur Erkundung offensteht. Da weltweit nur noch sehr wenige architektonische Relikte aus der Romanik erhalten sind, zählt die Sigwardskirche in Idensen zu den bedeutenden Sakralbauten dieser kunstgeschichtlichen Epoche.

Die Romanik kurz erläutert

Gotik und Romanik liegen gar nicht so weit auseinander, je nachdem welche europäische Region betrachtet wird. Romanik bezeichnet eine kunstgeschichtliche Epoche aus dem Mittelalter, die im 10. Jahrhundert in Europa die Vorromanik ablöste und bis zum 13. Jahrhundert in die Gotik überging. Massive Steinmauern, Rundbögen, Säulen mit aufwendig verzierten und blockartigen Kapitellen sind besondere Kennzeichnen der romanischen Baukunst. Im Stil der Romanik präsentiert sich aber nicht nur das Bauwerk der Sigwardskirche in Idensen, sondern auch die Wand- und Deckenmalereien, die in mühevoller Detailarbeit unter einer lieblosen Farbschicht wieder zum Vorschein geholt wurden.

Die Geschichte der romanischen Sigwardskirche in Idensen

Benannt ist die Kirche nach ihrem Erbauer, dem Bischof Sigward von Minden, der seinerzeit auf seinem Gut in „Idanhusen“ die Kirche zu Ehren der heiligen Ursula von Köln und ihren elftausend Jungfrauen errichten und sie auch gleich zu seiner Grabeskirche erklären ließ. Über die genaue Bauzeit finden sich verschiedenen Jahresangaben, wahrscheinlich ist die Zeitspanne zwischen 1125 bis 1134.

Das Bistum Minden gehörte zur Kirchenprovinz Köln und der Bischof von Minden hatte „Idanhusen“ zu seiner Sommerresidenz erklärt und ließ darauf sowohl Wohnbauten als auch die Kirche errichten. Er selbst wollte nach seinem Tod (1140) in der Kirche beigesetzt werden, was lt. Aufzeichnung auch geschah, jedoch wurde ein entsprechendes Grabmal bis heute nicht gefunden.

Beeindruckend ist, dass die Kirche mehrere Kriege weitestgehend unbeschadet überstanden hat, was wohl auch der massiven Architektur aus Sandsteinquadern zu verdanken ist. Das Bauwerk gliedert sich in den Westturm mit Vorhalle und Kapelle im Obergeschoss, an den sich ein Langhaus mit beidseitig angebauten Kapellen und der Apsis als krönendem Abschluss mit Säulen aus grünem Stein anschließt. Das Langhaus bildet den einschiffigen Kirchenraum ab, dessen Längsseiten durch Säulen und Bögen als Gewölbefelder gegliedert sind.

Die Wand- und Deckenmalereien mit biblischen Szenen wurden seit dem 17. Jahrhundert aus nicht bekannten Gründen mit weißer Kalkfarbe überzogen, was sie einerseits wohl auch geschützt hat, andererseits eine Entdeckung erst Mitte des 19. Jahrhunderts ermöglichte. Die komplette Freilegung der Ausmalungen konnte 1934 abgeschlossen werden. Dabei wurde während der Freilegungsarbeiten festgestellt, dass ein alter Sturmschaden, der das Dach stark in Mitleidenschaft gezogen hatte, einen Teil der Südwandfresken vernichtet hatte, deren Motive durch die verbliebenen Bruchstücke heute noch erahnt werden können.

Die Malereien folgen einer Art Bildzyklus, der sowohl Szenen aus dem Alten wie dem Neuen Testament enthält. Eine wesentliche Schlüsselfigur ist der Apostel Petrus, der als Schutzpatron der zugehörigen Bistumskirchen gilt. Über die Künstler, welche die hochwertigen Malereien ausgeführt haben, gibt es leider noch keine hinreichenden Forschungsergebnisse. Fest steht jedoch, dass für die Malerei auch erlesene Materialien wie z. B. zerriebene Halbedelsteine wie Malachit oder Lapislazuli, verwendet wurden.

Der Erhalt durch kontinuierliche Sanierungsmaßnahmen steht seit der Freskenfreilegung ganz oben auf der Prioritätenliste der Stadt Wunstorf, die sich seit 2012 intensiv dafür engagiert, dass die Sigwardskirche in Idensen in die Liste der Weltkulturerbe-Stätten aufgenommen wird.

Dass dieses romanische Kleinod mit seiner faszinierenden Ausstrahlung und einzigartiger Ausmalung überhaupt noch steht, ist dem Baurat Conrad Wilhelm Hase aus Hannover zu verdanken, der Ende der 1880er Jahre den Abbruch der Kirche zugunsten eines Neubau verhinderte, in dem er die neue Kirche gegenüber dem historisch wertvollen Bauwerk errichten ließ.

Heute bildet die Sigwardskirche zusammen mit dem Mindener Dom die Start- und Zielpunkte für die Pilgerroute auf dem Sigwardsweg, der auch von Wanderern und Naturfreunden gerne genutzt wird. In der Kirche finden zu besonderen Anlässen Gottesdienste statt und so bleibt auch die jahrtausendealte Funktion als Gotteshaus aufrechterhalten. Für Gäste und Pilger sind die Türen ganzjährig bis Einbruch der Dunkelheit geöffnet.

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