Wo ist der Hirschkäfer?

Bestand nimmt ab und soll kartiert werden

ein Niedersachsen-Artikel von Michael Weber - 24.06.2014
Der gefährdete Hirschkäfer soll gemeldet werden

Er sieht aus wie ein Relikt aus der Vergangenheit: der Hirschkäfer. Mit seinem ausladenden Geweih hat der bis zu ca. acht Zentimeter große Käfer ein Aussehen, das in die Zeit der Dinosaurier zu gehören scheint. Der schwarz-rotbraune Wesen lebt in Wäldern und hat dort durchaus eine wichtige Aufgabe. Das Problem: Der Bestand ist gefährdet. Schutzmaßnahmen können aber nur ergriffen werden, wenn der Lebensraum bekannt ist. Gerade da hapert es derzeit aber. Denn der abendaktive Hirschkäfer lebt eher versteckt. Daher ruft der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) dazu auf, den Hirschkäfer zu suchen und ihn zu kartieren. So soll eine Karte der Verbreitung in Niedersachsen erstellt werden.

Infos zum Hirschkäfer

Das "Geweih" (ein Zangenwerkzeug) tragen nur Männchen. Der an ein Hirschgeweih erinnernde Aufsatz wird dabei bis zu drei Zentimeter lang. Die Gesamtgröße von bis zu ca. acht, manchmal elf Zentimetern macht den Hirschkäfer zum größten heimischen Käfer in Deutschland. Er lebt im Totholz, abgestorbenen Bäumen, Stümpfen und sogar in einigen Parks. Die Entwicklung des Hirschkäfers startet mit einem Ausschwärmen. Besonders an Eichenbäumen setzen sich die Männchen dann nieder und versuchen mit Duftstoffen die Weibchen zu locken. Kommt es zur Eiablage, müssen alle Bedingungen stimmen. Mindestens drei, manchmal bis zu achte Jahre entwickeln sich die Larven, wenn das Holz gut von Pilzen zersetzt ist und sie sich durch Stamm, Wurzel oder Ast fressen können. Die jahrelange Mühe findet einen kurzen krönenden Abschluss. Die meisten Käfer überdauern das Sommerende nicht länger als 60 Tage und sterben vor dem Wintereinbruch. Wenn sie nicht zuvor von Vögeln und anderen Tieren als leckerer Snack gefressen werden.

Seltener Käfer - wo ist er zu finden?

Der Hirschkäfer ist sehr selten geworden. Die Forstwirtschaft lässt ihnen kaum einen Lebensraum, da wenige Wälder im Urwaldzustand überdauern. Besonders das zerrottende Holz ist selten in den Wäldern zu finden. Auch müssen die Baummischungen stimmen. Hirschkäfer lieben Eichen, aber auch Linden, Buchen, Pappeln, Eschen und andere Baumarten. Am besten ist, wenn diese in einem Mix zu finden sind. Trotz aller Bemühungen um den Krabbler sind Hirschkäfer so selten, dass sie auf der Roten Liste als stark gefährdet eingestuft sind. Es greift daher die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie, mit der sich die Staaten und Länder verpflichten, Schutzmaßnahmen für diese Tiere zu übernehmen. Das Problem ist: Der Bestand ist schlecht erfasst. Es ist gar nicht klar, wo der Hirschkäfer in Niedersachsen vorkommt. Sicher ist nur, dass er in den Wäldern nördlich von Osnabrück, in der Heide und im Südosten von Niedersachsen vorkommt.

Bevölkerung ist um Mithilfe gebeten

Da es eher Zufallsfunde gibt und ein flächendeckendes Absuchen nicht praktikabel ist, bittet das NLWKN die Bevölkerung um Mithilfe. Dazu ist ein Flyer abrufbar (hier und hier), der zum Hirschkäfer informiert. Gleichzeitig hat das Landesamt einen Meldebogen erstellt, mit dem Zufallsfunde des Hirschkäfers den zuständigen Stellen übermittelt werden können. Es ist eine aufwendige Suche nach der Nadel im Heuhaufen, die sich aber lohnt. Denn nur so kann der Hirschkäferbestand nachhaltig geschützt werden.

Foto: Clipdealer

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