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Burgen und Schlösser in Niedersachsen

Michael Weber

Feudale Pracht und Macht

Geht es um Burgen und Schlösser, fällt meistens das Rheintal, Bayern und Thüringen als Region. Doch auch Niedersachsen verfügt über viele alte Prachtbauten, die Menschen aus nah und fern in den Bann ziehen. Die Burgen und Schlösser sind beliebte Ausflugsziele und stehen den Objekten in anderen Regionen in nichts nach. Dicke Mauern, hohe Türme, einmalig schöne Fassaden – und hier und da ist noch immer eine Adelsfamilie ansässig.

Viele Prachtbauten

Rund 1.400 Bauten und weitere 200 Schutzwälle hat das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege registriert. Diese relativ große Zahl geht zum einen auf die historische „Kleinstaaterei“ und das Feudalsystem im Mittelalter zurück. Viele kleine oder große Fürsten bauten sich einen Herrschersitz. Dieser war weniger als klassische Burg angelegt, sondern eher als imposantes Herrenhaus, als ein Schloss. Davon existieren noch einige Dutzend gut erhaltene Häuser, die meistens eher klein und ansehnlich, als protzig und groß sind.

Zum anderen geht die Zahl der Burgen und Schlösser auf die Welfen zurück. Das Adelsgeschlecht gilt als das älteste in Europa und hat die Politik und Wirtschaft bis ins 19. Jahrhundert hinein geprägt. Bis zum britischen Königsthron reichte der Einfluss der Welfen. König Georg I war der erste Welfe auf dem britischen Thron, der in Personalunion auch die Geschicke des Königreichs Hannover bzw. Braunschweig-Lüneburg lenkte. Aus dieser Zeit stammt eine ganze Reihe von Prachtbauten.

Info: Auch wenn der Name des Adelsgeschlechts sich immer wieder ändert: Noch heute müssen per Gesetz alle Thronfolger der Briten Nachfahren von Sophie von Hannover sein.

Nicht zuletzt hat auch eine anderes, noch existierendes und bekanntes Herrscherhaus Einfluss auf die Bauten gehabt: Schaumburg-Lippe. Der Stammsitz in Bückeburg ist eines der imposantesten Schlösser in Niedersachsen.

Spannende Schlösser und Burgen in Niedersachsen

Die Zahl der Bauwerke ist immens. Viele sind jedoch längst unter Wiesen, in Wäldern und auf Hügeln verschwunden.

  • Schloss Marienburg bei HannoverZu den besonders attraktiven Bauten gehört das Schloss Marienburg im Süden der Region Hannover. Die Besonderheit: Es erinnert in seiner märchenhaft anmutenden Erscheinung an Schloss Neuschwanstein und ist deutlich jünger als es scheint: Es wurde erst 1867 vollendet. Noch heute ist die Marienburg einer der Sitze der Welfen.
  • Auf die Buronen geht das Celler Schloss zurück. Es befindet sich mitten in der Stadt und ist eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten im Landkreis Celle und der Heideregion.
  • Celler SchlossZu den bedeutendsten Bauwerken in Niedersachsen gehört das Schloss Bückeburg. Der Stammsitz des Fürstenhauses Schaumburg-Lippe ist eine prächtige Sehenswürdigkeit aus dem 14. Jahrhundert. Noch heute finden in den mittelalterlich wirkenden Anwesen Gartenfeste, Feiern und Mittelalterfeste statt.
  • Geschichtsträchtig ist die Burg Dankwarderode in Braunschweig. Die sächsische Niederungsburg liegt auf einer Insel der Oker in der Stadt. Sie gilt als ehemaliger Rückzusgort des bekannten Herrschers Heinrich den Löwen und ist heute auch durch das integrierte Museum ein beliebtes Ausflugsziel.
  • Das Top-Highlight im Harz ist die Kaiserpfalz in Goslar. Die beeindruckende Gesamtanlage ist eine der Pfalzen des Kaisers des heiligen römischen Reichs deutscher Nationen und UNESCO-Weltkulturerbe. Die Kaiserpfalz hatte im Mittelalter eine große Bedeutung als eines der politischen Zentren im heutigen Deutschland.
  • Schloss Salder in Salzgitter ist ein herrliches Renaissanceschloss. Es ist eines der wichtigsten Bauwerke der Weserrenaissance. Heute ist dort unter anderem ein Museum untergebracht.
  • Schloss HerrenhausenDas Schloss Herrenhausen, der eigentliche Sitz der Welfen zur Zeit der Personalunion mit Großbritannien ist zerstört. Es wurde vor einigen Jahren als moderne und schlichte Version neu errichtet und fügt sich – eher unspektakulär – in die Herrenhäuser Gärten ein.
  • Schloss Bevern nördlich von Holzminden ist ein typischer Prachtbau der Weserrenaissance. Das Bauwerk hat eine wechselhafte Geschichte. Heute ist es ein beliebtes Ausflugsziel und Bühne großer Kulturveranstaltungen.
  • Schloss Hämelschenburg bei Hameln ist eines der bekanntesten Bauwerke dieser Art im südlichen Niedersachsen. Die große Ritterburg besticht durch alles, was man sich wünscht: ein schönes Schloss und dicke Mauern.
  • HäemelschenburgEine der bekanntesten Ruinen ist Burg Scharzfels im Landkreis Göttingen. Diese Ruine könnte einmal eine der größten Wehranlagen im heutigen Niedersachsen gewesen sein.
  • Das Schloss Oldenburg ist ehemaliger Sitz der Großherzöge von Oldenburg. Heute beinhalte das weitläufige Gebäude unter anderem das Landemuseum für Kunst- und Kulturgeschichte mit einigen erstklassigen Exponaten.
  • Die Burgruine Hardenberg in Südostniedersachsen ist ein beliebtes Ausflugsziel. Der ehemalige Sitz der gleichnamigen Adelsfamilie lädt heute neben einigen Attraktionen zu einer Besichtigung der Kornbrennerei ein.
  • Das Schloss Fürstenberg zwischen Hameln und Göttingen ist nicht nur ein tolles Bauwerk der Weserrenaissance. Es ist Sitz der Porzellanmanufaktur. Heute können Besucher beide Welten bei einem Ausflug entdecken.
  • Eine richtige Festung ist Burg Bentheim in Westniedersachsen. Fünf Meter dicke Mauern umgeben die Anlage in der heutigen Grafschaft Bentheim. Sie ist über 1.000 Jahre alt und heute ein sehr beliebtes Ausflugsziel für die ganze Familie.

Burg BentheimGeschichte entdecken

Diese und viele weitere Ruinen, Schlösser und Burgen sowie Neuaufbauten ehemaliger Anlagen sind über das ganze Bundesland verstreut. Es lohnt sich, diese Sehenswürdigkeiten und Ausflugsziele zu entdecken. Das gilt nicht nur für Architekturfans, Historiker und Burgen-Liebhaber. Denn in einigen sind spannende Museen untergebracht, andere bestechend durch herrliche Parkanlagen und nicht zuletzt sind in einer Reihe Bauten auch von Führungen möglich.

Informationen recherchieren

Die Anlagen bestehen in vielen Fällen nicht nur aus dem Hauptgebäude selbst. Es gehören teilweise auch Nebengebäude, Gehöfte und Kapellen dazu. Durch diese Vielfalt wird ein Besuch der Stätten zu einem echten Erlebnis, das weit über „Castelwatching“ hinausgeht.

Wer Informationen über die Burgen und Schlösser in Niedersachsen sucht, kann sich nicht nur auf den Webseiten der jeweiligen Ziele informieren. Die folgenden Stellen bieten weiterführende Informationen:

Fotos: Michael Weber (Schloss Celle, Schloss Herrenhausen), Clipdealer