Ein Gericht in der bayerischen Landeshauptstadt München hat am Freitag entschieden, dass der Suchmaschinenbetreiber Google für falsche Antworten, die seine Funktion „KI-Übersicht“ generiert, direkt haftbar gemacht werden kann.
Im Mittelpunkt des Rechtsstreits stand die Frage, ob der Dienst rechtlich den herkömmlichen Suchergebnissen gleichgestellt werden sollte.
Was hat das Gericht zu Google und KI gesagt?
Richter am Landgericht München I wurden gebeten, über Klagen zweier Münchner Verlage gegen den Internetgiganten zu entscheiden.
Die Übersichtsfunktion von Google hatte die Unternehmen fälschlicherweise mit dubiosen Geschäftspraktiken, Abo-Fallen und betrügerischen Machenschaften in Verbindung gebracht. Es hatte die Kläger mit Informationen über andere, wirklich zwielichtige Unternehmen in Verbindung gebracht und Verbindungen erfunden, die nicht existierten.
Google hatte argumentiert, dass es für die Datenverarbeitung selbst nicht verantwortlich sei und sich die in der Übersicht dargestellten fremden Inhalte nicht zu eigen gemacht habe.
Das Gericht wies das Argument von Google entschieden zurück. Es entschied, dass die KI-Zusammenfassung nicht lediglich Suchergebnisse anzeigt oder auf diese verlinkt, sondern einen eigenständigen Inhalt darstellt, der dem Suchmaschinenbetreiber zuzurechnen ist.
Die Verteidigung hatte sich auf die bestehende Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs berufen, die Suchmaschinenbetreiber vor einer unmittelbaren Haftung für die bloße Auflistung fremder Inhalte schützt.
Das Gericht befand jedoch, dass dies nicht für das KI-Tool von Google gelte.
Warum wurde die KI-Übersicht anders betrachtet?
Da die KI Ergebnisse in eigenen Worten zusammenfasst, deren Inhalt auswertet und in einem strukturierten Format darstellt, urteilten die Richter, dass Google völlig neue, unabhängige Aussagen schafft, die über bloße Links hinausgehen.
Das Gericht lehnte auch die Verteidigungslinie von Google ab, dass Nutzer die Quellen über die Links selbst überprüfen könnten und wisse ohnehin, dass „KI-generierten Informationen nicht blind vertraut werden sollte“.
Die Richter sagten, dass es sich bei der KI-Übersicht um „eine in sich geschlossene Stellungnahme mit unabhängig verständlichem Inhalt“ handele. Dem Leser seien keine Hinweise auf eine Unzuverlässigkeit des Inhalts gegeben worden, befand das Gericht.
Das Gericht ordnete an, dass Google die Verbreitung falscher Behauptungen einstellen und 80 % der Gerichtskosten übernehmen solle.
Ein Google-Sprecher erklärte: „Wir investieren stark in die Qualität der KI-Übersichten, um sicherzustellen, dass die überwiegende Mehrheit der Antworten genaue Informationen liefert.“
Das Unternehmen sagte, es werde das Urteil, das noch nicht rechtskräftig sei, sorgfältig prüfen.
Herausgegeben von: Sean Sinico
