Nachrichten aus Deutschland: Merz und syrischer Präsident sprechen über Flüchtlingsrückführungen

von Otto Hofmann
7 Minuten Lesedauer
  • Der syrische Interimspräsident besucht Deutschland, wo sich die Gespräche auf Flüchtlinge und Wiederaufbau konzentrieren
  • Kanzler
  • Die kurdische Gemeinschaft in Deutschland wirft dem syrischen Präsidenten Ahmed al-Sharaa Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen vor
  • Nach Angaben des Münchner Ifo-Instituts nimmt der Preisdruck in Deutschland erneut spürbar zu

Hier sind die neuesten Entwicklungen aus ganz Europa Deutschland am Montag, 30. März:

Basierend auf dem Verbraucherpreisindex im Vergleich zum Vorjahr wurde die Inflationsrate in Deutschland im März 2026 auf 2,7 % geschätzt.

Nach Angaben des Statistikamtes stiegen die Preise seit Februar um 1,1 %, während die Kerninflation ohne Lebensmittel und Energie bei 2,5 % lag.

Die Energiepreise stiegen im Jahresvergleich um 7,2 %, was den ersten Anstieg in dieser Kategorie seit Dezember 2023 darstellt.

Die Daten basieren auf vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes.

Verbraucher können ihre persönliche Inflationsrate mithilfe eines Online-Tools berechnen, das sich an das individuelle Ausgabeverhalten anpasst.

Deutschland meldet außerdem einen harmonisierten Inflationsindex, der in der gesamten Eurozone verwendet wird und sich in Methodik und Gewichtung geringfügig unterscheidet.

Der Mitte-Links-Sozialdemokrat Hakan Demir schloss sich denjenigen an, die seine Besorgnis über den Besuch des syrischen Interimspräsidenten Ahmed al-Sharaa äußerten und gleichzeitig die Notwendigkeit eines Dialogs betonten.

Der 43-jährige al-Sharaa war früher Anführer der Islamistenmiliz HTS, die Ende 2024 den langjährigen Machthaber Baschar al-Assad stürzte. Heute strebt er mit seiner Regierung eine engere Bindung an den Westen an.

Unter Protesten besucht al-Sharaa erstmals Deutschland. Im Mittelpunkt seines Nachmittagsgesprächs mit Bundeskanzler Friedrich Merz dürften die Rückführung syrischer Flüchtlinge in ihre Heimat und der Wiederaufbau des durch den jahrelangen Bürgerkrieg schwer beschädigten Landes stehen.

Allerdings sagte Demir gegenüber dem öffentlich-rechtlichen Deutschlandfunk, al-Sharaa sei „ein Islamist“, der sich nicht von seiner Vergangenheit distanziert habe, und wies darauf hin, dass die USA vor etwa zwei Jahren ein Kopfgeld von zehn Millionen Dollar (8,7 Millionen Euro) auf ihn ausgesetzt hätten. Er fügte hinzu: „Ein Anzug macht keinen Demokraten.“

Gleichzeitig sagte Demir, Deutschland könne die Gespräche nicht nur auf demokratische Staaten beschränken und betonte, dass der Fokus auf der Qualität des Engagements und nicht auf Themen wie Abschiebungen liegen sollte.

Deutschland müsse beim Wiederaufbau im Dialog bleiben, „das Wohlergehen der Menschen dort gewährleisten und Minderheitenrechte respektieren“.

Christen seien in Syrien bedroht, sagte Demir, Alawiten seien Massakern ausgesetzt und auch Drusen und Kurden seien in Gefahr. „Das sind alles Themen, die ganz klar angesprochen werden müssen. Und Deutschland muss auch sagen: Natürlich unterstützen wir den Wiederaufbau, natürlich leisten wir Entwicklungshilfe, aber die muss an Menschenrechte und Minderheitenrechte gebunden sein.“

Offizielle Daten zeigten, dass deutsche Winzer im Jahr 2025 weniger Wein produzierten, da starke Regenfälle während der Ernte die Erträge verringerten.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes erreichte die Gesamtproduktion rund 7,55 Millionen Hektoliter Wein und Most, was einem Rückgang von 2,6 % gegenüber dem Vorjahr und 10 % unter dem Durchschnitt der Jahre 2019–2024 entspricht.

Eine ähnlich niedrige Ernte sei zuletzt im Jahr 2017 verzeichnet worden, sagte Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut und fügte hinzu, dass die zunehmend volatilen Wetterbedingungen die Winzer weiterhin vor Herausforderungen stellten. Ausschlaggebend für den geringeren Ertrag waren kleinere Weinlesemengen.

Den Daten zufolge erhöhte der starke Septemberregen die Fäulnisgefahr und verkürzte die Erntezeit, insbesondere in den beiden größten Weinanbaugebieten Rheinhessen und Pfalz. Zusammen machten sie immer noch 48,1 % der gesamten deutschen Wein- und Mostproduktion aus. Die Gesamtrebfläche ging nur geringfügig um 1,1 % bzw. rund 1.100 Hektar zurück. Auch im Rheingau ging die Produktion zurück und sank im Jahresvergleich um 10,2 %.

Der Weißwein dominierte weiterhin die Produktion und machte 69,6 % der Gesamtproduktion aus. Der Anteil höherwertiger Weine stieg deutlich von 16,1 % im Jahr 2024 auf 29,3 %. Kleinere Trauben hätten zu einer verbesserten Qualität beigetragen, sagte Büscher.

Die Produktionstrends waren in den 13 Weinregionen Deutschlands unterschiedlich. In der Moselregion stieg die Produktion um 12 %, was vor allem darauf zurückzuführen ist, dass kommerzielle Weingüter Trauben aus anderen Regionen verarbeiten. Auch in Baden stieg die Produktion um 4,5 %, stärker in Württemberg um 11 % und Franken um 21,1 %. Auch kleinere Regionen wie Sachsen und Ahr verzeichneten Zuwächse.

Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums wird Deutschland ab dem 1. April eine neue Regelung einführen, die Tankstellen eine Preiserhöhung pro Tag vorsieht.

Ein Ministeriumssprecher sagte am Montag, die Regierung habe die Maßnahme letzte Woche als Reaktion auf steigende Ölpreise im Zusammenhang mit dem Krieg im Nahen Osten verabschiedet. Der Gesetzentwurf wurde am Freitag von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier unterzeichnet und muss vor seinem Inkrafttreten im Bundesgesetzblatt veröffentlicht werden.

Der Sprecher sagte, die Interessenträger hätten darum gebeten, dass das Gesetz am 1. April in Kraft tritt, um eine reibungslose Umsetzung zu gewährleisten. Er fügte hinzu, dass der Gesetzentwurf am Dienstag veröffentlicht werden soll und am Mittwoch in Kraft treten kann.

Nach der neuen Regelung dürfen Tankstellen ihre Preise nur noch einmal am Tag zur Mittagszeit erhöhen, Preissenkungen sind weiterhin jederzeit möglich.

Die Regierung sagte, die Maßnahme ziele darauf ab, Preisschwankungen einzudämmen und die Transparenz an der Zapfsäule zu verbessern. Die Regelung orientiert sich an einer ähnlichen Gesetzgebung in Österreich, obwohl Kritiker und Verbrauchergruppen warnten, dass sie möglicherweise nicht weit genug geht, um die Kraftstoffkosten zu kontrollieren.

Das Camping in Deutschland hat ein Rekordniveau erreicht, mit mehr Übernachtungen als je zuvor, zeigen offizielle Daten.

Nach Angaben des Bundesamtes für Statistik meldeten die Betreiber im Jahr 2025 44,7 Millionen Übernachtungen, 4,2 % mehr als im Vorjahr und 24,9 % mehr als im Jahr 2019, vor der COVID-19-Pandemie. In den letzten 20 Jahren haben sich die Übernachtungszahlen mehr als verdoppelt, was unter anderem auf den Boom bei Wohnmobilen zurückzuführen ist.

Camping hat während der Pandemie zusätzlich an Dynamik gewonnen. Im Jahr 2020 fand etwa jede neunte Übernachtung in größeren Beherbergungsbetrieben mit mindestens 10 Betten auf Campingplätzen statt. Mittlerweile ist dieser Anteil wieder auf etwa 9 % gesunken.

Die Ostseeküste blieb die beliebteste Campingregion. Schleswig-Holstein verzeichnete 3,4 Millionen Übernachtungen, gefolgt von 3,1 Millionen in Mecklenburg-Vorpommern. Weitere Spitzenziele waren der Schwarzwald mit 2,6 Millionen Aufenthalten und die niedersächsische Nordseeküste mit 2 Millionen.

Steigende Preise haben die Nachfrage nicht gebremst. Wohnmobilstellplätze waren im Jahr 2025 um fast ein Drittel oder 32,2 % teurer als im Jahr 2020, während die allgemeinen Campinggebühren um 28,7 % stiegen. Im Vergleich dazu stiegen die Übernachtungspreise in allen Kategorien im gleichen Zeitraum um 26,9 % und die Gesamtverbraucherpreise stiegen um 21,9 %.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier empfängt den syrischen Präsidenten Ahmed al-Sharaa im Schloss Bellevue
Der syrische Präsident Ahmed al-Sharaa traf das deutsche Staatsoberhaupt im Schloss Bellevue

Syriens Übergangspräsident Ahmed al-Sharaa ist zu Gesprächen in Berlin nach Deutschland eingetroffen, bei denen es um Flüchtlinge und den Wiederaufbau nach Kriegsjahren gehen soll.

Al-Sharaa wurde von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier empfangen und sollte mit Bundeskanzler Friedrich Merz sprechen. Außerdem wird er an einem Runden Tisch mit Wirtschaftsführern teilnehmen.

Im Vorfeld der Reise verurteilten Kritiker den Besuch scharf. Die Linkspartei-Abgeordnete Cansu Özdemir nannte Merz‘ Treffen mit al-Sharaa einen „moralischen Bankrott“ und warf ihm vor, islamistische Figuren im Zusammenhang mit Gewalt gegen Minderheiten zu normalisieren.

Auch die kurdische Gemeinde in Deutschland warf al-Sharaa Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen vor. Ihr Vorsitzender Ali Ertan Toprak sagte, er gehöre vor Gericht und nicht ins Kanzleramt.

Gegen den Besuch wurden mehrere Demonstrationen registriert, die Behörden rechnen mit rund 5.000 Teilnehmern.

Merz hatte al-Sharaa ursprünglich im November eingeladen, vor allem um die Rückkehr syrischer Flüchtlinge zu besprechen, doch der für Januar geplante Besuch wurde wegen erneuter Gewalt in Syrien verschoben.

„Unser Interesse liegt darin, dass Syrien als stabiles und wohlhabendes Land wieder aufgebaut wird, auch mit Hilfe der vielen, vielen Syrer, die während des Bürgerkriegs hierher nach Deutschland und Europa kamen und hier Zuflucht fanden“, sagte der Sprecher der Bundesregierung, Stefan Kornelius, vor dem Besuch.

Al-Sharaa kam an die Macht, nachdem die islamistische Miliz Hayat Tahrir al-Sham (HTS) Ende 2024 den langjährigen Herrscher Baschar al-Assad gestürzt hatte, was einen fast 14-jährigen Bürgerkrieg beendete und einen Wandel hin zu engeren Beziehungen zu westlichen Ländern markierte.

Polizeimotorräder fahren im Konvoi einer Limousine mit syrischem Banner voraus
Ein Polizeikonvoi begleitete eine Limousine mit syrischem Banner

Weitere Unternehmen in Deutschland rechnen mit Preiserhöhungen, wobei ein wichtiger Indikator nach Angaben des Ifo-Instituts den höchsten Stand seit drei Jahren erreicht.

Der Preiserwartungsindex des Münchner Instituts stieg von 20,3 im Februar auf 25,3 Punkte im März und markierte damit den höchsten Stand seit März 2023. Umfragechef Klaus Wohlrabe sagte, der Preisdruck in Deutschland nehme wieder spürbar zu.

Wohlrabe sagte, der Anstieg sei auf stark gestiegene Preise für Öl, Gas und Strom im Zusammenhang mit dem Iran-Konflikt zurückzuführen. Er fügte hinzu, dass die erhöhten Energiekosten die Inflation in den kommenden Monaten wahrscheinlich in die Höhe treiben werden, nachdem zuvor das Preiswachstum nachgelassen hatte.

Besonders stark ist der Trend in der Industrie, wo der Indikator von 13 auf 20 Punkte anstieg. Auch Unternehmen aus dem Baugewerbe und verbrauchernahen Dienstleistungen haben ihre Preiserwartungen deutlich erhöht.

Wohlrabe sagte, dass die Unternehmen zunehmend höhere Kosten weitergaben und wies darauf hin, dass steigende Produktions- und Transportkosten die Energiepreise auf Waren und Dienstleistungen durchschlagen.

Guten Tag aus der DW-Nachrichtenredaktion in Bonn.

Sie sind dabei, wenn der syrische Übergangspräsident in Berlin eintrifft und Deutschland über engere diplomatische Beziehungen mit einer höchst umstrittenen Persönlichkeit nachdenkt.

Ahmed al-Sharaa ist in Deutschland, nachdem er internationale Führungspersönlichkeiten getroffen hat, darunter den französischen Präsidenten Emmanuel Macron in Paris und US-Präsident Donald Trump in Washington.

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