Deutschland: Zugbegleiter stirbt nach Angriff eines Passagiers

von Otto Hofmann
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Ein Zugbegleiter ist gestorben, nachdem er bei einer routinemäßigen Fahrkartenkontrolle in einem Zug in der Nähe der südwestdeutschen Stadt Kaiserslautern angegriffen wurde Süddeutsche Zeitung Broadsheet und andere Medien berichteten am Mittwoch.

Das Opfer, der 36-jährige Serkan C.*, wurde Berichten zufolge am Montagabend von einem Passagier ohne Ticket angegriffen und so schlimm zusammengeschlagen, dass er 24 Stunden später seinen Verletzungen erlag.

Der mutmaßliche Angreifer, ein 26-jähriger Mann, wurde noch am Tatort festgenommen und es wird wegen des Verdachts des Totschlags ermittelt.

Körperliche und verbale Angriffe auf deutsche Zugbegleiter haben in den letzten Jahren zugenommen.

Nach offiziellen Angaben der Deutschen Bahn (DB) werden täglich durchschnittlich fünf Mitarbeiter körperlich angegriffen, vier weitere werden bedroht.

Eine Umfrage der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft Deutschland aus dem Jahr 2024 (Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) stellte fest, dass acht von zehn Mitarbeitern Opfer von verbalen oder körperlichen Misshandlungen waren, wobei 36 % angaben, dass sie sich bei der Ausübung ihrer Arbeit unsicher fühlten.

Viele gaben an, angespuckt (43 %), mit Gegenständen beworfen (41 %) oder geschubst worden zu sein (35 %).

Bahngewerkschaft fordert mehr Sicherheit für das Personal

„Wir sind bestürzt und fassungslos, aber vor allem sind wir wütend“, sagte EVG-Chef Martin Burkert. „Wir können nicht akzeptieren, dass Zugbegleiter bei Dienstantritt in Lebensgefahr geraten.“

Seit 2024 bietet die DB Zugbegleitern die Möglichkeit, im Dienst freiwillig Körperkameras zu tragen, zudem sind Züge mit CCTV-Kameras ausgestattet. Die EVG hat jedoch eine Aufstockung der Mittel gefordert, damit die Schaffner bei Bedarf in Zweierteams operieren oder von Sicherheitskräften begleitet werden können.

„Die Einsparungen gehen seit Jahren zu Lasten der Sicherheit des Zugpersonals und der Fahrgäste“, sagte Burkert. „Viele Regionalzüge haben nur einen Schaffner, es gibt kaum Sicherheit. Wie viele Gewaltorgien müssen wir noch ertragen, bis sich endlich etwas ändert?“

Die neue Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn, Evelyn Palla, die das Amt im Oktober letzten Jahres antrat, verurteilte den Angriff und sagte, ihr Kollege habe „gerade seinen Job gemacht“, als er „brutal angegriffen“ wurde.

Sie dankte einem deutschen Bundeswehrsoldaten, der Berichten zufolge vor Ort Erste Hilfe geleistet hatte, und sagte, ihre Gedanken seien bei der Familie des Opfers, warnte jedoch: „Die Gewaltschwelle in unserer Gesellschaft sinkt. Verbrechen wie diese sollten uns alle wachrütteln.“

Herausgegeben von: Elizabeth Schumacher

*Gemäß dem deutschen Pressekodex verzichtet die DW auf die Veröffentlichung der vollständigen Namen der Opfer von Straftaten.

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