Der Nikolausstiefel

Wissenswertes rund um den Brauch am 6. Dezember

ein Niedersachsen-Artikel von Redaktion - 01.12.2017
Der Nikolausstiefel als Ort f├╝r Geschenk

Am 6. Dezember feiern die Niedersachsen Nikolaus. Stiefel werden hinausgestellt und am Morgen des Gabentages sind diese - hoffentlich - gut gef├╝llt mit Geschenken und K├Âstlichkeiten. Doch woher stammt der Brauch um den Nikolausstiefel?

Die Legenden und Mythen um den Heiligen Nikolaus sind zahlreich und kleine Kinder im Kindergarten lernen ihn vorrangig als zur See fahrenden Bischof kennen, der den Fischern volle Netze beschert, Hungersn├Âte mildert und in gro├čer Seenot den rettenden Anker wirft. ÔÇ×Niklaus ist ein guter Mann, dem man nicht genug danken kannÔÇŽÔÇť - So lautet eine Zeile aus dem ber├╝hmten Kinderlied ÔÇ×Lasst uns froh und munter seinÔÇť, das die Traditionssymbolik des Nikolausstiefels auf den Punkt bringt. Es geht darum, eine Freude in die dunkle Jahreszeit zu zaubern, Kinderaugen zum Leuchten zu bringen, die Vorfreude aufs Christkind zu sch├╝ren.

Der Nikolausstiefel ist zu einem Konsumartikel geworden, der mit noch mehr und teuren Konsumprodukten, und mit Verlaub gesagt auch v├Âllig sinnfreiem unpassenden Krimskrams, best├╝ckt wird. Dabei liegt der einzigartige Reiz doch im Einfachen und Traditionellen. Mandel, Nuss und Apfelkern und ein Schoko-Weihnachtsmann, dazu selbstgebackene Pl├Ątzchen von der Oma - So sieht die klassische Bef├╝llung aus. In der Neuzeit finden sich im Schuh hochwertige Elektronik, Kosmetika, Spielzeug und andere Dinge, die eigentlich erst unter dem Weihnachtsbaum liegen sollten.

Auf welcher Legende und/oder Symbolik beruhen Brauch und Kult rund um den Nikolausstiefel und den Nikolausabend? Und warum wird das Nikolausfest unterschiedlich gefeiert? Wer war der echte Nikolaus ├╝berhaupt? Sind Weihnachtsmann und Nikolaus dieselbe Person? Ist ├╝ppiges Schenken Sinn und Zweck von Nikolaus?

Wer es genauer wissen will, der findet in diesem Beitrag einige Antworten. Aber wie das so ist mit dem Heiligen Nikolaus und dem amerikanischen Weihnachtsmann - eine hundertprozentige Gew├Ąhr f├╝r die Richtigkeit der Angaben gibt es nicht, da vieles eben auf Legenden, Erz├Ąhlungen und der praxisbezogenen Erweiterung bzw. Ab├Ąnderung von ├ťberlieferungen beruht.

Wer war der Heilige Nikolaus?

Nikolaus wurde in einen Dorf namens Patara (heute T├╝rkei) gegen Ende des 3. Jahrhunderts geboren. Sein Vater w├Ąhlte bewusst den Namen Nikolaus f├╝r den Jungen aus, denn dieser bedeutet "Sieger des Volkes" oder "├ťberwinder der Untugenden". Vom kirchlichen Leben gepr├Ągt, nahm er mit 19 Jahren die Priesterweihe entgegen und wirkte bis zu seinem Tod am 6. Dezember 343 als Bischof von Myra in Likien. Seine Eltern vermachten ihm schon fr├╝h ein gro├čes Verm├Âgen, das er jedoch nicht selbst behielt, sondern es unter den Armen verteilen lie├č. Barmherzigkeit, Mildt├Ątigkeit und N├Ąchstenliebe waren seine Kennzeichen, auf denen auch die zahlreichen Mythen und Legenden ├╝ber den Heiligen beruhen. Aufgrund dieser Geschichten ist Nikolaus der Schutzpatron der Seeleute, B├Ącker, Weber und Sch├╝ler. Insbesondere f├╝r die Kinder hatte Nikolaus ein gro├čes Herz und beschenkte sie mit gr├Â├čter Freude.

Die Symbolik des Nikolausfestes und welche Rolle der Nikolausstiefel spielt

Der Gedenktag des Heiligen Nikolaus ist der 6. Dezember. In vielen Regionen ist es jedoch ├╝blich, ÔÇ×NikolausÔÇť schon am 5. Dezember abends zu feiern. Auch haben sich verschiedene Rituale eingeb├╝rgert, die parallel oder alternativ stattfinden. Eines davon ist das Herausstellen von Schuhen oder Stiefeln, damit der Nikolaus diese ├╝ber Nacht mit Geschenken bef├╝llt. Oder die Kinder erwartet am Nikolausabend ein gef├╝llter Nikolausstiefel oder Nikolausteller. Zu manchen Kindern kommt der Nikolaus ins Haus und bringt entweder einen Himmelsengel oder den Knecht Ruprecht mit. Dann hat er die Geschenke in einem gro├čen Jutesack dabei. Oft wird auch gesagt, der Nikolausstiefel ist f├╝r die Kinder gedacht, zu denen der Nikolaus nicht pers├Ânlich kommen kann. Eine weitere M├Âglichkeit ist der Weihnachtsteller, auf dem auch ein kleiner Nikolausstiefel platziert sein kann. Die Nikolaus-Tradition ist vielf├Ąltig und jeder kann sie so leben, wie er es gewohnt ist.

Der Brauch geht definitiv auf die Gro├čz├╝gigkeit und die Freude am Schenken des Heiligen Nikolaus zur├╝ck. Aus allen Legenden wird oft eine Geschichte hervorgehoben, die den Brauch des Nikolausstiefels belegen soll. Demnach soll Nikolaus drei armen Schwestern, die der Vater aufgrund fehlender Mitgift nicht verheiraten konnte, aus der Not geholfen haben, in dem er jedem der M├Ądchen einen Goldklumpen durch ihr Fenster geworfen hat. Diesen Brauch haben die Menschen im Mittelalter dahingehend abgewandelt, dass die Kinder am Nikolaustag beschenkt werden und zwar durch das Werfen der Geschenke in die Kindermenge. Da die kleineren Kinder aber beim Fangen im Nachteil waren, kam man auf die Idee mit den Stiefeln und Socken, die der ÔÇ×NikolausÔÇť ├╝ber Nacht wundersam f├╝llte.

├ťbrigens: Vor der Reformation in Deutschland fand die Weihnachtsbescherung am 6. Dezember statt. Dann wurde die Bescherung auf den 24. Dezember gelegt und das Christkind sollte fortan die gro├čen und wertvollen Geschenke bringen.

Nikolausfigur - klassische Darstellung

Weihnachtsmann und Nikolaus - keineswegs die gleiche Figur

Heute verwenden wir im Sprachgebrauch beide Begriffe oft synonym. Doch es gibt besondere Unterschiede. Santa Claus ist der Weihnachtsmann in Amerika, der auf seinem Rentier ├╝ber die mit Schnee bedeckten D├Ącher fliegt und am Weihnachtsabend die Geschenke praktischerweise durch den Kamin wirft. Auch dieser Brauch wird der abgewandelten Legende um die Goldklumpen zugeordnet. So soll der Weihnachtsmann armen Familien Goldm├╝nzen durch den Kamin geworfen haben, die in den zum Trocknen aufgeh├Ąngten Socken h├Ąngenblieben. Der Weihnachtsstiefel ist hier die Weihnachtssocke. Der Weihnachtsmann steht also f├╝r unser Christkind.

Nikolaus war ein Mann der christlichen Kirche und Bischof. Sein Gewand unterscheidet sich daher auch vom amerikanischen Santa Claus. In der christlichen Geschichte wird der Heilige Nikolaus mit einem purpurfarbenem Bischofsmantel, Mitra, Bischofsstab sowie dem Rauschebart abgebildet. Es ist ein alter w├╝rdevoller Mann, der gro├čen Respekt einfl├Â├čt. Der Weihnachtsmann hingegen tr├Ągt seit einigem Jahrzehnten einen zweiteiligen roten Anzug mit breitem schwarzem G├╝rtel sowie eine Weihnachtsm├╝nze (inspiriert von einem der gr├Â├čten amerikanischen Softdrinkhersteller). Nur der Bart erinnert hier an die authentische Nikolausfigur. Aber auch bei uns vermischen sich die Kost├╝me von Santa Claus und Nikolaus oftmals. Auf Kinder macht jedoch der authentische wirkende Nikolaus bedeutend mehr Eindruck, ganz zu schweigen vom unheimlichen Knecht Ruprecht.

Auf die Geste kommt es an: Was wirklich in den Nikolausstiefel geh├Ârt

Der Nikolausstiefel findet sich heute in vielen Variationen, klassisch rot und wei├č mit Pl├╝schbesatz oder aber in allen bunten Farben mit Punkten oder Karos, applizierten Schneem├Ąnnern, Elchen und Rentieren. Er ist aus diversen Stoffen, Wolle, Filz, Plastik oder Papier gefertigt und wartet zudem mit ausgefallenen Formen auf.

H├╝ttenschuhe, Gummistiefel, Moonboots, Hausschuhe sind die g├Ąngige Option, wenn die eigenen Schuhe als Nikolausstiefel dienen sollen. Nur geputzt m├╝ssen sie sein, sonst bleiben sie leer oder es finden sich schmutzige Kohlen, alte Kartoffeln oder eine Rute am n├Ąchsten Morgen darin.

Der Nikolaus bringt Freude und Licht in die dunkle Jahreszeit. Er ist der Vorbote des Christkindes. Und es gibt auch eigentlich klare Vorgaben f├╝r die Bef├╝llung. Nicht Smartphone, Schmuck, Spielzeug und Hightech-Elektronik geh├Âren hinein, sondern etwas S├╝├čes und Gesundes zum Naschen. Schokolade in weihnachtlichen Formen, N├╝sse, Geb├Ąck (Spekulatius - das Bischofsgeb├Ąck!), Lebkuchen, ├äpfel, Mandarinen und Orangen. Nat├╝rlich d├╝rfen auch zeitgem├Ą├če Weihnachtss├╝├čigkeiten mit in den Stiefel wie z. B. essbare Schneesterne oder Rentiernasen, auch ein handliches Quizspiel oder ein Minip├╝ppchen sind erlaubt. Nur die ganz gro├čen und teuren Geschenke geh├Âren urspr├╝nglich nicht in den Nikolausstiefel. Denn diese sind dem Weihnchtsmann (oder Christkind) vorbehalten, es sei denn, man praktiziert die urspr├╝ngliche, vorlutherische Variante des Weihnachtsfestes.

Nikolausstiefel f├╝r M├Ąnner und Frauen

Auch Erwachsene k├Ânnen dieser reizvollen Tradition nicht widerstehen, warum auch? Nikolaus ist zwar ein Fest f├╝r Kinder, aber der Gedanke der Aufmerksamkeit kennt kein Alter. Auch unter den erwachsenen Niedersachsen sollte weniger mehr sein und vor allen Dingen passend. Ein feines Weihnachtsbier f├╝r den Mann oder eine Weihnachtsmann-Salami sind witzige Ideen. Frauen m├Âgen es auch mal romantischer mit einem Wellnessprodukt, erlesenen Teespezialit├Ąten oder Badepralinen. Das Notfallhirn oder ein Fluch- und Schimpfw├Ârterbuch sollten dann doch zu anderen Anl├Ąssen verschenkt werden.

Post an den Nikolaus

Kinder k├Ânnn den Nikolaus auch per Post erreichen und ihm Wunschlisten oder ein paar Fragen schicken. Es gibt in Deutschland zwei Adressen, eine davon liegt im nieders├Ąchsischen Landkreis Cloppenburg, in Nikolausdorf. Die andere liegt im Saarland, in St. Nikolaus. Die Adressen lauten:

An den Nikolaus
49681 Nikolausdorf

Nikolaus
66351 St. Nikolaus

In Niedersachsen gibt es ├╝brigens noch zwei Postadressen f├╝r das Christkind bzw. den Weihnachtsmann. Auch diese k├Ânnen Kinder nutzen. Eine Antwort ist m├Âglich. Die Adressen lauten:

An das Christkind
21709 Himmelpforten

An den Weihnachtsmann
Himmelsth├╝r
31137 Hildesheim

Wer wei├č, vielleicht erf├╝llt sich ja so der eine oder andere Wunsch. Zumindest d├╝rfte die ├ťberraschung gro├č sein, wenn eine Antwort vom Nikolaus oder Weihnachtsmann im Briefkasten liegt.

Fotos: Clipdealer

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