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Rubrik Region Tiere

Heidschnucke

Hörnerschaf aus der Lüneburger Heide

Mit ihr wird die besondere Romantik der Lüneburger Heide verbunden – die Heidschnucke, die kontinuierlich dafür sorgt, dass die Heideflächen gepflegt und erhalten bleiben. Mehr als 9.000 Heidschnucken sind während des Jahres auf den Heideflächen aktiv. Neben der wichtigen ökologischen Bedeutung des Viehs prägt ihr Fleisch traditionelle Gerichte der Lüneburger Heide wie den berühmten Heidschnuckenbraten.

Fakten über die Heidschnucke

Die Heidschnucke zählt zu den alten Landschafrassen, die der Gattung „Nordische Kurzschwanzschafe“ angehören. In der Lüneburger Heide ist vor allen Dingen die Graue Gehörnte Heidschnucke ansässig. Daneben sind auch die Weiße Hornlose Heidschnucke in den Moorgebieten und die Weiße gehörnte Heidschnucke je nach Heideregion vertreten. Heidschnucken ernähren sich von Heidekraut, Wildkräutern und Gras. Die Bezeichnung Schnucke leitet sich von „Schnökern“ ab, was mit Naschen gleichgesetzt wird.

Die Graue Gehörnte Heidschnucke wird mit der typischen Heidschnucke am ehesten in Verbindung gebracht, ihr Vorkommen zeigt sich in der Lüneburger Heide umfangreich. Das  Fell der ausgewachsenen Tiere hat eine silbergraue Farbe, der Brustlatz ist schwarz. Sowohl die männlichen als auch die weiblichen Heidschnucken dieser Art besitzen Hörner.

Weiße Gehörnte Heidschnucken haben ein weißes bis cremefarbenes Fell, das Oberhaar ist sehr grob und lang, das Unterhaar fein und weich. Während die weiblichen Heidschnucken sichelförmige Hörner aufweisen, kringeln sich die größeren Hörner bei den Böcken schneckenförmig. Das Wollfell der Weißen Hornlosen Heidschnucke ist hingegen kurzfaserig, diese Rasse verfügt über keine Hörner, sie fühlt sich in Moorgebieten und auf Magerwiesen am wohlsten.

Heidschnucken können ein Gewicht von bis zu 60 kg erreichen, ihre Schulterhöhe beträgt bis 60 cm, die Körperlänge liegt bei ca. 150 cm. Ein Tier kann ca. 15 Jahre alt werden. Im Gegensatz zur Fleischverwertung hat die Wollverwertung einen geringen Stellenwert. Die Heidschnucke ist vorrangig für den Erhalt der Heideflächen zuständig, denn nur durch die schonende Beweidung kann der wertvolle Lebens- und Naturraum in seiner einmaligen Art intakt bleiben. Die Tiere können sich ganzjährig im Freien bewegen, nur in extrem frostigen Wintermonaten werden sie in so genannten Offenställen untergebracht. Zu einer Heidschnuckenherde gehört auch immer ein Schäfer.

Herkunft und Züchtung der Heidschnucke

Die Heidschnucken sollen von südeuropäischen Mufflons abstammen, die vor etwa 10.000 Jahren auf Korsika und Sardinien beheimatet waren. Der Verbreitungsraum der Heidschnucken, die zur Rasse der Nordischen Kurzschanzschafe zählen, bezieht sich auf den nordeuropäischen Raum, hier ist die Lüneburger Heide eine der weltweit bekanntesten Heimatgebiete dieser Art, die jedoch als stark gefährdete Rassen eingestuft sind. Noch bis Mitte des 19. Jahrhunderts galt die Heidschnucke als wichtigstes Tier im einstigen Fürstentum Lüneburg.

Heidschnucken fühlen sich nur in der Herde wohl, der vorrangige Züchtungszweck dient der Beweidung der Heideflächen, die Fleischverwertung ist hier ein geringer wirtschaftlicher Nebeneffekt. Im Verband Lüneburger Heidschnuckenzüchter e.V. sind die Zuchtbetriebe organisiert, denen der Erhalt der alten Rasse am Herzen liegt. Die Mitgliederzahl liegt bei etwa 150.

Heidschnucken – der Einsatz als Nutzvieh

In früheren Zeiten existierten in der Lüneburger Heide noch etliche Heidehöfe mit landwirtschaftlichen Betrieb. Daher kamen auch den Heidschnucken hier mehrere Nutzungszwecke zuteil. Sie lieferten Wolle, Fleisch und Dünger zur weiteren Verwertung, der natürliche Dünger wurde auf den Heideböden eingesetzt, um die Fruchtbarkeit zu steigern. Die grobe Wolle der Heidschnucken ist heute weniger gefragt und hat daher auch keinen wirtschaftlichen Stellenwert für die Heidschnuckenzüchter. Als Fleischlieferant werden Heidschnucken ebenfalls nicht mehr gezüchtet, das Hauptaugenmerk liegt auf der ökologischen Landschaftspflege, für die in erster Linie die Graue Gehörnte Heidschnucke zum Einsatz kommt.

Heidschnucken halten die Heide durch ihre „Nascherei“  oder fachlich gesagt, durch den Verbiss, kurz, was für den nährstoffarmen Boden, der die Heidegrundlage bildet, unerlässlich ist. Nur darauf gedeihen die besonderen Pflanzenarten und eine Vielzahl von Tierarten, die vom Aussterben bedroht sind, darunter z. B. Ziegenmelker, Raubwürger, Birkhühner, finden hier einen geschützten Lebensraum. Heidschnuckenherden werden in Sachen Verbiss durch Ziegen unterstützt, da diese für besonders schwierige Gehölze den besseren Biss aufweisen.

Die Heidschnucken tragen auch in besonderer Weise zur üppigen Heideblüte bei, denn sie machen den Bienen den Weg frei. Bei ihren Wanderungen zerreißen sie die Spinnweben am Boden, was den Bienen die Nektarsuche erleichtert und somit die Bestäubung der Blüten gewährleistet.

Kulinarische Heidespezialitäten: Heidschnuckenbraten & Co.

Fleischgerichte von der Heidschnucke zählen zu den landestypischen Delikatessen der Lüneburger Heide. Das fettarme Fleisch wird auch für die kalorienarme und diätische Kost bevorzugt. Der Geschmack ist wildbretähnlich. In der Gastronomie warten vielseitige Spezialitäten aus Heidschnuckenfleisch, darunter der beliebte Heidschnuckenbraten sowie Heidschnuckenrücken, Heidjerknipp oder Heidschnuckenragout. Das Fleisch findet auch Verwendung in der Herstellung feiner Wurst und Bratwurst. Übrigens ist das echte Fleisch der Heidschnucke mit einem Siegel für die geschützte Ursprungsbezeichnung versehen. Die Gastronomiebetriebe der Heide weisen darauf extra, meist schon am Eingang, hin.

Überregionale Bedeutung der Heidschnucken

Die Heidschnucke gehört zu den großen Werbeträgern der Lüneburger Heide, mit ihr werden romantische Landschaften assoziiert und die Schönheit der Heideblüte. Sie gehört dazu wie der Topf auf den Deckel und kaum ein Werbefoto ohne die große Herde mit dem Schäfer und in voller Heideblüte. Aber auch als Zuchttier hat die Heidschnucke überregionale Bedeutung, denn sogar Betriebe in Süddeutschland, vorzugsweise im Allgäu, haben sich auf die Heidschnuckenzucht spezialisiert. Die Tiere werden in viele Länder exportiert.

Besonderheiten: Heidschnuckentag

Einmal im Jahr, im schönen Sommermonat Juli wird in der Gemeinde Müden an der Örtze der traditionelle Heidschnuckentag veranstaltet. Hier stellen Züchter einer Jury sowie den Besuchern, die zahlreich anreisen, leistungsstarke und leistungsgeprüfte Jungböcke vor, von denen die besten prämiert werden. Im Anschluss daran erfolgt die Versteigerung der Tiere.

Foto: Clipdealer

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