Internationaler Naturpark Bourtanger Moor-Bargerveen

Einmalige Naturlandschaft in Westniedersachsen

ein Niedersachsen-Artikel von Redaktion - 14.04.2017
Internationaler Naturpark Bourtanger Moor-Bargerveen

Der grenzĂŒberschreitende internationale Naturpark Bourtanger Moor-Bagerveen verbindet Niedersachsen mit den Niederlanden. Seine Ausdehnung zeigt sich mit FlĂ€chen im Landkreis Emsland und der Grafschaft Bentheim auf niedersĂ€chsischer Seite und mit Bereichen in der hollĂ€ndischen Provinz Drenthe. Die einzigartige Landschaftskombination von Mooren, HeideflĂ€chen, Torfabbaugebieten, Getreidefeldern und WasserflĂ€chen fasziniert die Besucher aus aller Welt. Der Naturpark bietet den wichtigen Lebensraum fĂŒr eine Vielzahl von Tieren und Pflanzen, die vom Aussterben bedroht sind.

Wissenswertes und geschichtliche Entwicklung des Internationalen Naturpark Bourtanger Moor-Bargerveen

Das Bourtanger Moor galt in der Zeit vor dem 19. Jahrhundert mit einer FlĂ€che von 1.200 Quadratkilometern als eine der grĂ¶ĂŸten zusammenhĂ€ngenden Hochmoorlandschaften Mitteleuropas. Im Zuge der Zivilisation entwickelte sich aus dem unheimlichen Moorland ein Lebens- und Wirtschaftraum fĂŒr die Menschen, die sich hier ansiedelten und ihr tĂ€glich Brot mit Torfabbau und Landwirtschaft verdienten. So verĂ€nderte sich auch das Landschaftsbild deutlich zu einem bunten Mosaik, das heute den Reiz des Naturparks ausmacht. Das besondere Ökosystem hat zudem Lebensraum fĂŒr seltene und schĂŒtzenswerte Tiere und Pflanzen eröffnet.

Im Jahr 2006 wurde der Internationale Naturpark Bourtanger Moor-Bagerveen gegrĂŒndet, wobei sich die Bezeichnung Bagerveen auf den niederlĂ€ndischen Teil bezieht, der eine FlĂ€che von etwa 20 Quadratkilometern aufweist, wĂ€hrend das Naturschutzgebiet auf niedersĂ€chsischer Seite mit 120 Quadratkilometern den grĂ¶ĂŸeren Teil darstellt. Zusammengerechnet ergibt das eine GesamtflĂ€che von 140 Quadratkilometern. Der niederlĂ€ndische Teil ist von renaurierten Hochmooren geprĂ€gt, die den ursprĂŒnglichen Charakter der Moorlandschaft abbilden.

Unterschiedliche Moortypen im Naturpark haben dafĂŒr gesorgt, dass sich Tierarten angesiedelt haben, die mit diesen doch eher schwierigen VerhĂ€ltnissen bestens zurechtkommen. Dabei handelt es sich vielfach um gefĂ€hrdete Arten wie Kreuzotter, Ringelnatter, Ziegenmelker, Sumpfohreule, Waldeidechse. Etliche Pflanzen, deren Vorkommen sich ebenfalls auf besondere Landschaftsareale begrenzt, wie Torfmoosrasen, schmalblĂ€ttriges Wollgras oder Sonnentau, sind im Park anzutreffen.

Der Naturpark ist von Wander- und Radwegen durchzogen, auf denen Besucher, GÀste, Naturfreunde eine Vielzahl von Entdeckungen machen können, aber auch die reine Erholung in der freien Natur kommt hier nicht zu kurz.

Internationalen Naturpark Bourtanger Moor-Bargerveen: Bedeutung und Sehenswertes

Der Erhalt von Natur, Landschaft, Ökosystem mit Flora und Fauna, das Bewahren von Tradition und Geschichte waren die BeweggrĂŒnde fĂŒr die Eröffnung des Internationalen Naturparks Bourtanger Moor-Bagerveen. Auch der grenzĂŒberschreitende Charakter zeigt sich als verbindendes Element.

Ein breites Angebot an Bildungsveranstaltungen fĂŒr Interessierte jeden Alters sowie die Einbeziehung von Erholungskomponenten machen den Naturpark zu einem Ausflugsziel, das ein internationales Publikum anzieht, darunter auch viele Experten und Naturkundler. Innerhalb des gesamten Parkareals warten zahlreiche Info- und Mitmachstationen sowie NaturdenkmĂ€ler und SehenswĂŒrdigkeiten, darunter:

  • Ausstellungshalle,
  • Siedlerhof,
  • Feldbahn,
  • Moor-Energie-Erlebnispfad,
  • Klein Heseper Moor mit interaktiven Stationen ĂŒber Naturparkthemen,
  • Erdöl-Erdgas-Museum,
  • Garten des Nazareners,
  • Barfußpfad,
  • Vogelbeobachtungsturm (Bagerveen),
  • Viele Aussichtsplattformen.

Ausgebildete Natur- und LandschaftsfĂŒhrer stehen zur VerfĂŒgung, die mit Liebe zum Natur- und Landschaftsschutz, einem ausgeprĂ€gten Wissen, Detailinformationen und ErzĂ€hlungen fĂŒr einen spannenden Ausflug im Naturpark sorgen.

Typische Moor-Spezialiten

Die vielen Facetten des Naturparks lassen sich auch kulinarisch erkunden. Seit der Besiedelung und Dorfentwicklung haben sich verschiedene SpezialitĂ€ten manifestiert, die heute die Besucher und GĂ€ste verwöhnen. TeegebĂ€ck ist weit verbreitet im Gebiet des Moores, so werden zum Beispiel feine Moorgulden oder Teekuchen angeboten. Eine lange Tradition haben die so genannten Kilberstuten, die als Geschenk fĂŒr neugeborene Kinder gebacken werden. Wie es sich fĂŒr die Torfabbauregionen gehört, darf auch eine passende SpezialitĂ€t nicht fehlen. Der Torfsoden zum Vernaschen hat zwar die gleiche Farbe wie echter Torf, er mundet aber zuckersĂŒss, denn das GebĂ€ck ist mit Marzipan und Nougat gefĂŒllt. Auch beim Brot findet sich eine naturparktypische SpezialitĂ€t, die auf den Getreideanbau zurĂŒckgeht: Das Dinkelbrot.

Besonderheiten: die rote Moorleiche

Im Jahre 1900 machten die Torfstecher in Meppen-Versen einen außergewöhnlichen Fund. Zum Vorschein kam eine mĂ€nnliche Moorleiche, die nach den Forschungserkenntnissen ca. 1700 Jahre alt ist. Im Rahmen der labortechnischen Untersuchungen fĂ€rbte sich das noch vorhandene Haar der Leiche rot, weshalb sie umgangssprachlich „Der rote Franz“ genannt wird. Der ehemalige Reiterkrieger, der ermordet wurde, kann heute im NiedersĂ€chsischen Landesmuseum bestaunt werden.

Foto: Internationaler Naturpark Bourtanger Moor- Bargerveen e. V.

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