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Orte und Gemeinden Rubrik Region

Friesoythe

Eisenstadt im Münsterland

Die Stadt und selbstständige Gemeinde Friesoythe gilt als älteste Stadt im niedersächsischen Landkreis Cloppenburg und ist zudem die flächengrößte Stadt im Oldenburger Münsterland, welches das Gebiet der Landkreise Cloppenburg und Vechta umfasst. An die 22.500 Einwohner leben in der „Eisenstadt“, die sich über eine Fläche von ca. 247 Quadratkilometer erstreckt.

Friesoythe gliedert sich in das gleichnamige Stadtzentrum und 23 weitere Stadtteile: Ahrensdorf, Altenoythe, Augustendorf, Edewechterdamm, Eggershausen, Ellerbrock, Gehlenberg, Heetberg, Heinfelde, Hohefeld, Ikenbrügge, Kampe, Kamperfehn, Markhausen, Mehrenkamp, Neuscharrel, Nevrees, Pehmertange, Schillburg, Schlingshöhe, Schwaneburg, Schwaneburgermoor und Thüle.

Die altehrwürdige Stadt an der Soeste wartet mit historischen und neuen Sehenswürdigkeiten am laufenden Band, darunter z.B. die Marienkirche im Zentrum, das Postgeschichtliche Museum und der Eiserne Kreuzweg. Zu Wasser und zu Lande kommen Groß und Klein auf ihre Kosten, sei es an der Thülsfelder Talsperre zum Badespaß, im Zoo des Oldenburger Münsterlandes oder im Tier- und Freizeitpark Thüle. Mit den Grenzen zu Emsland und Ammerland eröffnen sich Einheimischen und Besuchern unzählige Möglichkeiten der Erholung und Naturerkundung.

Die Stadt weist eine hohe Zahl an Schulen auf. Neben den zehn Grundschulen finden sich die städtische Realschule, die Heinrich von Oytha Schule, das Albertus-Magnus-Gymnasium, das Fachgymnasium Wirtschaft sowie die berufsbildenden Schulen und eine Förderschule.

Geschichte der Stadt Friesoythe

Im 13. Jahrhundert gründete Graf Otto von Tecklenburg an der Soeste bei Oythe eine Burg und eine Marktsiedlung und legte damit den Grundstein für die spätere Stadt Friesoythe. Schon in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts entstanden wichtige Handelsbeziehungen in Deutschland, darunter mit Osnabrück und Köln. Davon zeugt der Münzfund von Friesoythe, der über 300 Silbermünzen aus verschiedenen Städten offenbarte, die wohl bis 1235 im Umlauf waren. Erstmals urkundlich erwähnt wird die Stadt Friesoythe in einem Schutzbrief für Osnabrücker Kaufleute, die den Markt in „Oytha“ besuchen wollten.

Am 25. Oktober 1400 erfolgte nach kriegerischen Auseinandersetzungen die offizielle und urkundliche Abtretung der Stadt durch Graf Nikolaus den II. von Tecklenburg an die Bischöfe von Münster und Osnabrück. Die Burg hatte keinen Fortbestand mehr, an ihrer Stelle wurde später das Ensemble der Amtshäuer erbaut. Trotz neuer Herrschaftsverhältnisse florierte die Wirtschaft. 1473 wurden 98 steuerpflichtige Haushalte verzeichnet. Wie die historische Stadt mit ihrer Befestigung, die heute nicht mehr existiert, im 15. Jahrhundert aussah, zeigt ein Relief an der Pfarrkirche. Seinerzeit soll Friesoythe auch Privilegien der Hanse genossen habe, wobei nicht klar ist, ob eine Zugehörigkeit zur Hanse bestand.

Die Stadt gewann Bedeutung durch das Schmiedehandwerk und die Schmiedegilde, was wiederum in der Eisengewinnung begründet war. Die hergestellten Sensen und Sicheln, die ein eigenes Gütezeichen trugen, fanden auch überregional großen Absatz. Die industrielle Fertigung brachte das Aus für die Schmieden. Dem Friesoyther Sensenschmied wurde in der Stadt ein Denkmal gesetzt.

1803 kam Friesoythe zum Herzogtum Oldenburg, wurde 1814 zur oldenburgischen Amtsstadt erklärt und erhielt 1858 ein Amtsgericht. Das Amt Friesoythe wurde 1933 aufgelöst. Es erfolgte die Eingliederung in den Amtsbezirk Cloppenburg. Der zweite Weltkrieg hatte die Stadt stark zerstört, doch die Bürger gingen den Wiederaufbau mit aller Kraft an. Im Zuge der niedersächsischen Gebietsreform von 1974 schloss sich die Stadt Friesoythe mit den Gemeinden Altenoythe, Gehlenberg, Markhausen, Neuscharrel und Neuvrees zur neuen Stadt Friesoythe zusammen.

Der Name Friesoythe, der in alten Bezeichnungen auch Oete, Oythe, Oytha hieß, steht für „Ort am Wasser“.

Die Eisenstadt Friesoythe – Zeugnisse und Traditionen

Seit dem Mittelalter wurde in Friesoythe Eisen gewonnen und verhüttet, was den wirtschaftlichen Erfolg der Stadt maßgeblich vorantrieb. Die Eisengewinnung erfolgte aus Raseneisenerz und Schwarztorf, deren Vorkommen sich reichlich zeigten. Aus Lehm geformte Säulenöfen, die „Rennöfen“ dienten zur Eisenverhüttung. Aus dem schmiedbaren Eisen fertigten die heimischen Schmiedemeister hochwertige Sensen, Sicheln und Beile.

Seit 2004 ist Friesoythe Mitglied im Ring der Europäischen Schmiedestädte und trägt seit 2010 den Beinamen Eisenstadt. Da der Zweite Weltkrieg kaum etwas von der Stadt übrig gelassen hat, fehlen auch die wichtigen Zeugnisse, welche die einstige Schmiedekunst belegen könnten. Darum hat man in der Stadt moderne Schmiedekunst geschaffen und wird dies fortführen, damit die bedeutende Ära nicht in Vergessenheit gerät. Basis dafür ist die eingerichtete Stadtschmiede, die das neue alte Herz der Eisenstadt abbildet.

Zum 700-jährigen Stadtjubiläum 2008 wurde die Ausstellung Eisenart initiiert und es entstand durch ein Symposium internationaler Schmiede die „Brücke der Freundschaft“ mit alten und neuen Zunftzeichen. Weiterhin sind die Skulpturen Eisen1, Eisen2, Eisen3, das Denkmal des Sensenschmiedes, die  Friesoyther Friedensglocke und der Eiserne Kreuzweg eindrucksvolle Zeugnisse der hohen Schmiedekunst, die Vergangenheit und Gegenwart verbinden. Die Eisenkunstwerke sind hauptsächlich in der Stadtmitte und im Stadtpark zu finden. Ausnahme ist Eisen3, eine Hommage an alle 19 Mitgliedsstädte im Ring, die am Europaplatz aufgestellt ist.

Schmiedemieter Alfred Bullermann stellt regelmäßig zu besonderen Anlässen wie dem jährlich stattfindenden Friesoyther Eisenfest den Verhüttungsvorgang im Rennofen nach. Auch der Schmiedegildetag, der seit dem 16. Jahrhundert am 30. November mit Schinkenbrot und Bier gefeiert wird, lebt heute mit Vortragsveranstaltungen wieder auf. In Zukunft wird die zeitgenössische Schmiedekunst in Friesoythe eine Brücke zur Geschichte schlagen.

Wirtschaft und Verkehr in Friesoythe

Wie einst im Mittelalter besinnt sich die Stadt wieder auf das Schmiedehandwerk und die Metallgestaltung, was durch die Mitgliedschaft im Ring der Europäischen Schmiedestädte eine besondere Aufgabe ist. Weiterhin gehört Friesoythe dem Zweckverband Interkommunaler Industriepark Küstenkanal an und ist somit am Industrie- und Gewerbegebiet c-Port beteiligt. Produzierendes Gewerbe, Dienstleistung, Handel und Handwerk bestimmen das Bruttosozialprodukt und sichern Arbeitsplätze.

Direkte Straßenverkehrsanbindungen bestehen über die Bundesstraßen B 72 und 401, die weitere Anbindungen an die Bundesautobahnen A 28 und A1 bieten. Busverbindungen der Weser-Ems-Bus-Linien 910, 900 und S90 verkehren zu den Bahnstationen in Oldenburg und Cloppenburg sowie mit den beiden letzteren Linien in das Saterland. Durch den c-Port am Küstenkanal wird eine Anbindung an das Bundeswasserstraßennetz geschaffen. Die nächsten internationalen Flughäfen sind Bremen und Münster-Osnabrück.

Sehenswürdigkeiten/Freizeitaktivitäten/Veranstaltungen in Friesoythe

Moderne Eisenkunst in vielen Facetten und mit Bezug zu Europa greift ein wertvolles Stück Geschichte auf und verbindet mit der Zukunft. Daneben hat die Eisenstadt noch zahlreiche Sehenswürdigkeiten und kulturelle Zentren zu bieten, die Einheimische wie auch Besucher anziehen.

Eine davon ist die Museumseisenbahn Friesoythe-Cloppenburg, die 2006 nach arbeitsintensiven Bemühungen des 2003 eigens gegründeten Vereins wieder ihre Fahrt aufnehmen konnte. Von der Vergangenheit, als die Bahnstrecke Cloppenburg-Friesoythe noch existierte (Eröffnung 1906, Einstellung des Bahnverkehrs 1968), zeugt der ehemalige Lokschuppen mit Wasserturm, der wie ein Wunder von den starken Kriegszerstörungen nahezu unberührt blieb. Die Hälfte des Gebäudes wurde 1977 zu gewerblichen Zwecken abgerissen, die andere ist in Privatbesitz und wird als Jugendzentrum  genutzt.

Zu den bedeutenden Kirchen zählen die in der Stadtmitte gelegene St. Marien-Kirche und die St.-Vitus-Kirche in Altenoythe, die bereits im 9. Jahrhundert gegründet wurde und ein Findlingsmauerwerk aus dem 12. Jahrhundert besitzt. Sie gilt als eine der ältesten Kirchen in Norddeutschland.

Zu den wenigen Bauwerken mit historischer Bausubstanz, die den Krieg überstanden haben, gehören das Alte Amtsgericht, das Alte Amtshaus und das Neue Amtshaus, die heute mit dem neuen Rathaus am Stadtpark eine Einheit bilden. Im ehemaligen Rathaus Stadtmitte ist heute das Postgeschichtliche Museum der Stadt eingerichtet und zeigt auf einer Ausstellungsfläche von 300 qm und anhand von 1.000 Exponate die Post- und Telekommunikationsgeschichte seit 1750.

Dem hl. Franziskus ist der Franziskusplatz, mit Franziskushaus, Franziskusbrunnen und Skulptur gewidmet. Hier feiern die Friesoyther Weihnachtsmarkt und Pfarrfest. Moderne und Historie gehen mit dem Kulturzentrum Alte Wassermühle Hand in Hand. Die restaurierte Wassermühle, die auch der Stromgewinnung dient, zeigt sich eindrucksvoll mit laufendem Wasserrad, Wasserschnecke und intelligenter Fischtreppe, welche die Fische an der Mühle vorbeileitet. Im Obergeschoss der Mühle ist ein Veranstaltungsraum mit Bühne und Platz für 120 Kulturinteressierte eingerichtet. Im Untergeschoss wird für das leibliche wohl gesorgt, hier finden 80 Personen Platz.  Im Werkhaus Pankcratz sind gleich drei Handwerksbetriebe mit festen Öffnungszeiten angesiedelt, denen man bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen kann. Vom Werkhaus führt der Baumerlebnispfad der Stadt auf einer Länge von 5 km durch die Stadt an 15 typischen Laubbäumen entlang.

Im Stadtzentrum sind einige bedeutende Skulpturen und Relikte der älteren und jüngeren Vergangenheit anzutreffen. Dazu gehören u.a. das alte Kirchturmuhrwerk, das mittelalterliche Stadtrelief, die Skulptur Heinrich von Oytha, das Denkmal  Sensenschmied, der Pestschinken (Rathaus) und das Glockenspiel.

Das Kulturzentrum Mühlenberg in Gehlenberg ist ein Ensemble, das aus einer Erdholländer Windmühle mit original altem Mahlwerk, dem angrenzenden Backhaus mit Heimatmuseum sowie Sägerei-Museum besteht und den Besuchern altes Handwerk praktisch veranschaulicht. Das Heimatmuseum im ausgebauten Dachgeschoss des Backhauses wartet u.a. mit einer historischen Apotheke, Handwerkzeug eines Schusters, einer alten Strickmaschine, technischen Arbeitsgeräten und Haushaltsgeräten von anno dazumal. Im Nebengebäude des Backhauses eröffnet das Sägerei-Museum mit technischen Vorführungen historische Sägen und Förderbänder. Aus dem 17. Jahrhundert stammt die Gehlenborg´sche Scheune, die als verbliebenes Denkmal mit Liebe zum Detail wiederaufgebaut wurde und heute ein kleines historisches Museum beherbergt, das aus der Heimatgeschichte erzählt. 1850 wurde das Packhaus Gut Peters in Ellerbrock für die Marktschifffahrt errichtet, um kleine Schiffe bis dorthin zu treideln. Der Hof galt als wichtiger Warenumschlagplatz, es wurde auch Korn gelagert und Schinken geräuchert. Das Hofmuseum Kleefeld zeigt eine Sammlung landwirtschaftlicher Geräte und erörtert den Herstellungsweg vom Korn zum Brot und das auch in plattdeutscher Sprache. Eine Anmeldung ist erforderlich. Gartenträume werden auf Gut Altenoythe im gleichnamigen Ortsteil wahr. Von Mai bis September sind Besucher herzlich eingeladen, den vollbewirtschafteten Bauernhof der Familie Wreesmann mit einmaliger Gartenanlage auf 4.000 qm Fläche und altem, seltenen Baumbestand zu erkunden.

Freizeitaktivitäten haben viele Gesichter in Friesoythe und noch mehr Möglichkeiten. Im aquaferrum, dem großen Bade- und Wellnesszentrum ist Wasserspaß garantiert, ebenso an der Thülsfelder Talsperre. Das reizvolle Naherholungsgebiet zwischen Weser und Ems eröffnet den malerischen Stausee mit steilen Uferbereichen, kleinen Inseln und Buchten, sumpfigen Seitenarmen und Sandstränden. Viele denken hier an eine nordische Schärenlandschaft. Auch an passionierte Golf-Spieler ist mit der Natur-Golfpark-Anlage im Erholungsgebiet gedacht.

Wer hoch hinaus will, wagt sich in den 30.000 qm großen Kletterwald Nord am Stauwerk Thülsfelder Thalsperre. Neun Abenteuer-Parcours und geschultes Personal stehen zur Verfügung. Zur Erholung geht es für viele dann in den Tier- und Freizeitpark Thüle im Erholungsgebiet mit großem Tierbestand, Fahrgeschäften und Spielgeräten. Tipp für Tierfreunde: Auch der Zoo des Oldenburger Münsterlandes ist in Friesoythe ansässig. Der Kanulehrpfad Soestetal ist ein Eldorado für Natur- und Wassersportfreunde. Hier kann man Graureiher, Blasshühner, Wasserläufer, Libelle, Wasseriris oder Zaunwinde bei sportlicher Betätigung entdecken. Ruhige Natur und Wanderwege finden sich im Eleonorenwald, der eine Fläche von 2.065 ha aufweist. Er erstreckt sich über die Stadt Friesoythe, die Gemeinde Vrees sowie die Samtgemeinde Werlte. Mit zehn ausgewiesenen Friesoyther Radtouren und einem großen Netz an Wanderwegen bieten sich noch mehr Möglichkeiten, die Gegend naturnah zu erkunden. Last but not least feiern die Friesoyther gerne mit ihren Landsleuten und Gästen, z.B. die großen Maitage im April, die zahlreichen Schützenfeste und das Markhüser Biseeken im Sommer oder das traditionelle Eisenfest im September.

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