Stolzenau

Stadt in der Region Mittelweser

ein Niedersachsen-Artikel von Redaktion - 25.02.2020
Stolzenau

Die Gemeinde Stolzenau mit einer Fläche von ca. 65 qkm und knapp 7.500 Einwohnern ist Mitgliedsgemeinde und Verwaltungssitz der Samtgemeinde Mittelweser im niedersächsischen Landkreis Nienburg/Weser. Sie findet sich im Südosten des Landkreises und liegt direkt an der Mittelweser im Marsch- und Geestland des Mittleren Wesertals. An die Gemeinde grenzen die nordrheinwestfälische Stadt Petershagen, die Samtgemeinde Uchte und der Flecken Steyerberg an.

Die Gemeinde setzt sich seit der Gebietsreform 1974 aus den neun Ortsteilen Anemolter, Diethe, Frestorf, Hibben, Holzhausen, Müsleringen, Nendorf, Schinna und Stolzenau (Zentrum) sowie den kleineren Ortschaften Alterkamp, Böthel, Sögeberg und Kohlenweye zusammen. Stolzenau bietet reizvolles Entdeckerpotential in Sachen Landschaft, Natur und Sehenswürdigkeiten inmitten der touristischen Mittelweser-Region.

Geschichte der Gemeinde Stolzenau

Urkundliche Erwähnung findet der Name Stolzenau, der „Stolze Aue“ bedeutet (frühere Schreibweisen u.a.: Stoltenouwe, Stolzenov. Stolzenawe), erstmals im Jahre 1370. Der Ort galt bis zum Tode des letzten Grafen Otto VIII. 1582 als zeitweilige Residenz  bzw. Teilgrafschaft der Grafen von Hoya und ging dann endgültig an das Herzogtum Braunschweig-Lüneburg.

Bei einem Großbrand im Jahre 1594 wurden 85 Bürgerhäuser zerstört. Der Dreißigjährige Krieg richtete ebenso großen Schaden in Stolzenau an. Der Aufschwung des damaligen Fleckens begann erst nach dem Jahre 1815. 1828 konnte die bis heute bestehende Kirche errichtet werden. Im Jahre 1884 wurde der Flecken zum Sitz des neuen Kreises Stolzenau ernannt.

Das Schloss der Grafen von Hoya diente bis 1932 als Verwaltungssitz und wurde danach als Arbeitslager, später zu Wohnzwecken genutzt, bis 1965 der Abriss erfolgte. An seiner Stelle steht heute die Realschule, auch Schlossschule, genannt. Die Grundsteinlegung für das neue Rathaus erfolgte bereits 1885. Die Feuerwehr der Gemeinde besteht seit 1907. Initiatoren waren seinerzeit der Landrat Hugh Wilhelm Bergmann (1902-1917) und der Bürgermeister W. Schröder.

Bis heute ist der mittelalterliche Charakter des historischen Ortskerns erhalten geblieben, auch wenn nach 1950 ein reger Bauboom in Stolzenau einsetzte. Die Volksschule wurde in den Jahren 1956/1957 erbaut. Von 1966 bis 1995 waren niederländische Soldaten in Stolzenau stationiert. 2011 wurde Stolzenau mit den Mitgliedsgemeinden der Samtgemeinde Landesbergen zur Samtgemeinde Mittelweser zusammengelegt.

Wirtschaft und Verkehr in Stolzenau

Landwirtschaft, Kiesabbau und Kunststoffverarbeitung sind die großen wirtschaftlichen Eckpfeiler der Gemeinde Stolzenau. Auch die größte Kunstlederfabrik Deutschlands hat in Stolzenau ihren Sitz. Alle Ortsteile sind landwirtschaftlich orientiert und strukturiert. Die ausgezeichnete Infrastruktur bietet zahleiche Arbeitsplätze in Behörden, Schulen, Krankenhäusern, Medienunternehmen und nicht zu vergessen im Handel. Stolzenau gilt als Einkaufsstadt des Südkreises Nienburg/Weser und verfügt auch am Stadtrand über viele Einkaufszentren.

Wichtige Straßenverkehrsanbindungen sind die B 215 nach Rotenburg (Wümme) und Minden sowie die B 441 von Uchte nach Hannover. Östlich vom Zentrum findet sich der Bahnhof Leese-Stolzenau, von dem aus Verbindungen der Bahnstrecke Nienburg-Minden bedient werden. Die Verkehrsgesellschaft Landkreis Nienburg organisiert den Busverkehr mit Linien von Stolzenau nach Uchte, Nienburg/Weser, Steyerberg und Rehburg-Loccum. Zweite Säule im ÖPNV ist die RegioBus Hannover, die Busse nach Wunstorf einsetzt.

Sehenswürdigkeiten, Freizeit und Veranstaltungen in Stolzenau

Wahrzeichen und historisches Schmuckstück ist die evangelische St. Jacobi Kirche mit ihrer gedrehten Turnspitze. Der Legende nach haben die Stolzenauer Bürger einst den Teufel dazu gebracht, die Kirche zu bauen, in dem sie im vorgaukelten, ein Gasthaus zu errichten. Als dieser bemerkte, dass er an der Nase herumgeführt wurde, geriet er in Zerstörungswut. Allerdings gelang es dem Teufel lediglich, die Turmspitze ein wenig zu drehen. Und so bestaunen Gäste den gewendelten Turmhelm des 1679 errichteten, 45 m hohen Kirchenturms und lauschen der teuflischen Sage. In Wahrheit war die gedrehte Turmspitze aber schon beim Bau beabsichtigt und auch so geplant. An dem imposanten Turm lässt sich eine lange Entstehungsgeschichte nachvollziehen. Die ältesten Glocken des Turmgeläuts stammen von 1639, die Sonnenuhr wird auf 1737 datiert. Die heutige Kirche im klassizistischen Stil wurde im Zeitraum 1828-1830 an den historischen Turm angebaut.

Ein weiteres Wahrzeichen ist das Rathaus aus dem Jahre 1884 im Stil der Backsteingotik, in dem auch einst die Post untergebracht war. Der ehemalige Burgmannshof auf dem Grundstück zur Burg der Grafen von Hoya wird seit 1852 als Amtsgericht genutzt. Das Ensemble steht unter Denkmalschutz. Der jüdische Friedhof erinnert an die jüdischen Gemeinden in Stolzenau und Liebenau. Der älteste der etwa 120 Grabsteine aus dem 18. bis 20. Jahrhundert wurde 1729 aufgestellt. 

Der Freihof des Baron von Münchhausen erinnert an den weltberühmten „Lügenbaron“. Das Fachwerkgebäude befindet sich im Familienbesitz eines Nachfahren des Freiherren von Münchhausen aus Bodenwerder. Weitere Sehenswürdigkeiten in Stolzenau Zentrum sind das Kriegerdenkmal, die Weserbrücke, der mittelalterliche Stadtkern mit Fachwerkhäusern, der Bürgerpark und das Anwesen des Grafen von Hardenberg. Über die Geschichte der Gemeinde Stolzenau erfahren Besucher alles Wissenswerte im Heimatmuseum. Zudem gibt es ein separates Puppenmuseum mit mehr als 500 antiken Puppen.

Das Kloster Schinna wurde im Jahr 1148 im Rahmen einer Stiftung durch den Grafen Wilbrand I. von Loccum-Hallermund als Benediktinerkloster errichtet. 1876 erfolgte die Auflösung und Umwandlung in eine staatliche Domäne. Erhalten sind bis heute das Abtshaus, der westliche und südliche Flügel des Konventsgebäudes sowie die Fachwerkkirche. Auf dem Klostergelände finden sich weiterhin auch elf Gebäude der ehemaligen Domäne, die an einen landwirtschaftlichen Großbetrieb erinnern. 1886 wurde die neugotische St-Vitus-Kirche in Schinna erbaut. Die massive Kirche aus roten Backsteinen präsentiert im Inneren einen Schnitzaltar aus dem 15. Jahrhundert. In Nendorf erzählt die 800 Jahre alte St.-Martins-Kirche von der ehemaligen Klosterzeit im Ort. Reste des Benediktinerinnenklosters sind noch neben der Kirche erkennbar.

Neben den Bauwerken und Wahrzeichen locken Landschaft und Natur. Der Naturlehrpfad „Im Röden“ führt auf 2,2 km durch die Wesermarsch und geht dabei den Auswirkungen des Kiesabbaus auf die Landschaft interaktiv und informativ auf den Grund. In der Weserschleife zwischen Stolzenau und Leese sind durch Kiesabbau Teiche und Seen entstanden. Dieser Abschnitt wurde auf einer Fläche von 248 Hektar als Naturschutzgebiet Domäne Stolzenau-Leese ausgewiesen und bietet gefährdeten Wasservögeln wie Blässgans, Silberreiher, Zwergsäger oder Schellente ein Überwinterungsquartier. Schwarzkopfmöwen, Löffelente oder Kormoran finden in den geschützten Uferzonen sichere Brutplätze.

Die Lage an der Weser und in herrlicher Natur lädt zu Wassersport in vielen Facetten, allen voran Rudern und Motorbootfahren, ein. Die Gemeinde verfügt über ein beheiztes Freibad und einen Campingplatz. Regelmäßig wiederkehrende Veranstaltungen, zu denen Klönmarkt, Karneval, Schützenfest und Stadtfest gehören, sorgen für Kurzweil und Geselligkeit.

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