Kunsthandwerkerhof Alte Münze Clausthal-Zellerfeld

Spannende Einblicke in alte Handwerkskunst

ein Niedersachsen-Artikel von Redaktion - 15.08.2018

Wo früher „dass beste und schönste Geldt gantz Teutschlands“ gefertigt wurde, findet sich heute eine spannende und interessante Ansammlung von kunsthandwerklichen Einrichtungen mit Erlebnispotential. Im Oberharzer Luftkurort Clausthal-Zellerfeld (Landkreis Goslar), in den Gebäuden der ehemaligen Zellerfelder Münzstätte warten Glashütte, Holz- und Glasspielerei sowie eine Brauakademie auf die Besucher. Im großzügigen Innenhof finden Märkte und Veranstaltungen statt.  

Die Zellerfelder Münze - im wahrsten Sinne prägend für die Geschichte der Region

Die Gewinnung von Silber rückte im 16. Jahrhundert im Oberharzer Bergbau in den Vordergrund, denn im abgebauten Blei fand sich auch Silber, immerhin pro Tonne Bleiglanz ca. 500 g Silber. Das Münzmetall, das zum eigenen Geld wurde, brachte der Region einen hohen wirtschaftlichen Gewinn. Die Herstellung und Münzprägung fand in den Münzstätten Clausthal und Zellerfeld, früher noch eigenständige Bergstädte, statt.

Bereits ab 1617 gab es Münzstätten in der selbstständigen Stadt Clausthal, von denen jedoch nur der letzte Barockbau im Stadtteil Clausthal aus dem Jahre 1726 als „Alte Münze zu Clausthal“ erhalten ist. 1849 endete hier die Münzära. Seit den 1950er Jahren dient das Gebäude als Studentenwohnheim der Technischen Universität.

Nachdem die erste Betriebsstätte der Zellerfelder Münzprägung (seit 1601) in einem Anbau des Bergamtes ihren Platz gefunden hatte, wurde sie ab 1673/74 in einen eigens errichteten Neubau mit mehreren Gebäuden verlegt, darunter das imposante Glüh-, Schmelz- und Gießhaus mit 90 cm dicken Bruchsteinmauern, in der heute die Glashütte Clausthal-Zellerfeld untergebracht ist.

Die besonderen und aufwendigen Hammerprägungen der Großsilbermünzen machten aus dem Communion-Harz-Geld „dass beste und schönste Geldt in gantz Teutschland“. Mitte des 18. Jahrhunderts kam auch ein Laboratorium zur Goldabscheidung hinzu. In den Originalräumen des Laboratoriums auf dem Kunsthanderkerhof bietet eine kleine Ausstellung Informationen zur Goldgewinnung aus dem Oberharzer Erz.

Im Jahre 1789 wurde der Betrieb der Münzstätte Zellerfeld eingestellt. Seither hat die ehemalige "Zellerfelder Münze“ oder „Alte Münze“ wie sie im Volksmund heißt, verschiedene Nutzungen als auch Erweiterungen erfahren. Der Bauhof des Bergamtes lagerte in den Räumlichkeiten Material und ließ dort Schlosser- und Schmiedearbeiten durchführen, eine Emaillefabrik richtete später ihre Produktionsstätten ein. Von 1852 bis 1911 hatte die Bergfaktorei Zellerfeld hier ihren Sitz, durch welche mehrere Neubauten, Um- und Ausbauten erforderlich wurden.

Das heutige Gebäudeensemble auf dem Kunsthandwerkerhof ist über die Jahrhunderte kontinuierlich gewachsen. Während die Gebäude bis 1941 überwiegend zu Wohnzwecken dienten, wurden Sie nach der Übernahme des Geländes durch die neue Stadtgemeinde Clausthal-Zellerfeld bis Ende der 1970er Jahre zu Stall und Lagerplatz umfunktioniert. Zahlreiche Gebäude waren jedoch bereits verfallen. Nach umfangreichen Renovierungen konnte 1978 der heutige Kunsthandwerkerhof eröffnet werden, der Industriedenkmal und faszinierende Kulturstätte gleichermaßen ist.

Glashütte Clausthal-Zellerfeld

Der Harz ist bekannt für seine Glasmacherkunst, die heute nur noch an wenigen Orten aktiv praktiziert wird. Neben der Glasmanufaktur „Harzkristall“ in Derenburg/Sachsen-Anhalt findet sich auch im niedersächsischen Oberharz in Clausthal-Zellerfeld auf dem Kunsthandwerkerhof eine Glashütte, in der Besucher nicht nur mehr als 3.500 fantastische Kunstwerke aus Glas bestaunen und erwerben, sondern auch den Glasbläsern über die Schulter schauen können. Im ehemaligen Hauptgebäude der historischen Münze bleibt die über 2.000 Jahre alte Handwerkskunst lebendig.

Quarksand, Soda, Kalk, Pottasche verschmelzen mit Kristallglas zu einer besonderen, über 1000 Grad heißen Rohmasse, aus der dann durch tüchtig Lungenkraft und Formengeschick der Glasmacher von filigran und zierlich bis hin zu groß und ausgefallen einzigartige Glasunikate entstehen.

Einzigartig ist auch die Glasspielerei, in der Inhaberin Brigitte Scherzer Glasperlen aus Murano-Glas, Lauscha-Glasstangen und amerikanischem Silberglas in Handarbeit wickelt und daraus erlesenen Unikatschmuck anfertigt.

Brauakademie im Kunsthandwerkerhof

Auch die Braukunst hat im Harz einen traditionell hohen Stellenwert. In den einstigen Münzräumen hat die Zellerfelder Brauakademie ihren gebührenden Platz gefunden. Die hauseigene Brauerei bietet Führungen, Brauseminare und das Zellerfelder Bierdiplom im Schnellkurs an. Das „Zellerfelder Münzbräu“ wird nach altem Bergrecht und natürlich mit original Oberharzer Berquellwasser gebraut. Unter dem passenden Namen „Die Biermünze“ präsentiert sich die angeschlossene Gastronomie im Hof.

Adresse
Kunsthandwerkerhof Alte Münze
Bornhardtstr. 11
38678 Clausthal-Zellerfeld

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