Während die Ukraine weiterhin Taurus-Raketen von Deutschland verlangt, bleibt Berlin dabei, eine unmittelbare Lieferung abzulehnen. Doch der russische Präsident warnt eindringlich vor den Konsequenzen und setzt damit die deutsch-russischen Beziehungen unter zusätzlichen Druck.
Deutschlands Ablehnung der Taurus-Raketenlieferung
Trotz wiederholter Bitten aus Kiew hat Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius klargestellt, dass Berlin aktuell nicht erwägt, die langreichweitigen Taurus-Kreuzflugkörper an die Ukraine zu liefern. „Seit Sie mich gefragt haben, ob wir dies in Erwägung ziehen, lautet meine Antwort: nein“, sagte Pistorius in Kiew – und bekräftigte gleichzeitig, dass Deutschland die Ukraine auf anderem Wege unterstütze reuters.com.
Putins Warnung vor Folgen
Wladimir Putin reagierte scharf auf die Diskussion um eine mögliche Lieferung. Bei einem Treffen mit Chefredakteuren in St. Petersburg warnte er, dass jede Taurus-Übergabe an Kiew „unsere Beziehungen vollständig ruinieren“ würde. Er betonte, ein Einsatz der knapp 500 Kilometer Reichweite überschreitenden Raketen setze deutsche und westliche Geheimdienste und Offiziere direkt in den Konflikt reuters.com.
Aufstockung der Militärhilfe
Ungeachtet der Taurus-Debatte kündigte Pistorius bei seinem Besuch in Kiew ein weiteres Paket an: Der Bundestag soll voraussichtlich noch 1,9 Milliarden Euro zusätzlich für die militärische Unterstützung der Ukraine freigeben. Damit würde die gesamte deutsche Hilfsleistung in diesem Jahr auf rund neun Milliarden Euro steigen reuters.com.
Förderung ukrainischer Rüstungsproduktion
Auch ohne direkte Lieferung von Taurus-Raketen will Deutschland die Ukraine mit Know-how und Technologie stärken. Ihr Bau soll künftig in ukrainischen Werken erfolgen, unterstützt durch deutsche Rüstungsunternehmen. Die ersten Systeme dieser Art sollen nach Angaben von Pistorius in den kommenden Monaten einsatzbereit sein.
Interne Debatten und außenpolitische Folgen
Innerhalb Deutschlands sorgt die Frage für politischen Zündstoff. Während Ex-Kanzler Olaf Scholz stets ablehnte, hatte sein Nachfolger Friedrich Merz als Oppositionsführer noch die Lieferung befürwortet. Moskau selbst hatte schon im Vorfeld gewarnt, jede Taurus-Übergabe als direkte Kriegsbeteiligung Berlins zu werten reuters.com.
Die Debatte verdeutlicht, wie eng Rüstungspolitik, internationale Sicherheit und Diplomatie miteinander verwoben sind – und wie sensibel Berlin den Grat zwischen Solidarität mit der Ukraine und der Eskalationsgefahr abwägen muss.
