Regierungsminister der konservativen deutschen Parteien CDU und CSU forderten am Mittwoch Änderungen an der Teillegalisierung von Cannabis bis 2024, die von der vorherigen eher linksgerichteten Koalitionsregierung eingeführt wurde.
Sie machten den Aufruf im Rahmen der Veröffentlichung eines Zweijahresberichts über die Auswirkungen des neuen Gesetzes.
Was sagten konservative Minister zu dem Bericht?
Gesundheitsministerin Nina Warken von der CDU nannte den Schritt einen Fehler.
„Frühzeitige Interventionen, die darauf abzielen, Kinder und Jugendliche vom Konsum abzubringen, gehen stark zurück“, sagte Warken und beklagte auch eine „verschwommene Grenze zwischen Cannabis für den Freizeitkonsum und Cannabis für rein medizinische Zwecke“.
Innenminister Alexander Dobrindt von der bayerischen CSU nannte das Legalisierungsgesetz „einen völligen Fehlschlag“. Er sagte, die Bedenken der Strafverfolgungsbehörden seien nicht angemessen berücksichtigt worden. „Der Schwarzmarkt boomt, die Kriminalität nimmt zu“, behauptete er.
Familienministerin Karin Prien von der CDU sagte, dass die Zahl der Kinder, die an Suchtpräventionskursen teilnehmen, zurückgegangen sei, weil die Behörden die Teilnahme nicht mehr so einfach einfordern könnten.
Was sagte der Bericht über den Cannabiskonsum?
Die Ergebnisse des Berichts waren gemischter als die Einschätzungen der konservativen Minister, zeigten aber dennoch eine Reihe von Problemen auf.
Es wurde nur ein moderater Anstieg der Konsumstatistiken seit der Legalisierung festgestellt, der auf die Fortsetzung bereits bestehender Trends zurückzuführen ist: allmählich sinkende Konsumzahlen bei jungen Menschen, gepaart mit langsam steigenden Zahlen bei älteren Erwachsenen.
„Ein Verbrauchsanstieg, der auf die Reform zurückzuführen ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht erkennbar“, heißt es in dem Bericht, der von Forschern der Universität Tübingen, des Universitätsklinikums Düsseldorf und des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf erstellt wurde.
Es wurde auf den von Gesundheitsminister Warken hervorgehobenen Rückgang der Frühinterventionen bei Kindern hingewiesen.
Außerdem wurden Beschwerden der Polizei über die Schwierigkeiten gemeldet, die das Gesetz bei der Bekämpfung des bestehenden illegalen Cannabishandels mit sich bringt.
Starker Anstieg der Verschreibungen, auch für starkes Cannabis
Wenn überhaupt, wies die Studie auf steigende Konsumzahlen hin, die teilweise auf ältere Gesetze zur Legalisierung von medizinischem Marihuana zurückzuführen sind, und verzeichnete einen starken Anstieg der Nachfrage (Anstieg um etwa 198 % seit 2024) über Apotheken mit ärztlicher Überweisung.
Forscher kritisierten, dass medizinisches Marihuana mit einer hohen Konzentration des primären psychoaktiven Bestandteils der Pflanze, THC, häufiger verschrieben werde, als medizinisch notwendig sei, und gaben an, dass dies mit psychischen und anderen medizinischen Risiken verbunden sei.
Der Bericht warnte, es sei schwer zu sagen, ob illegale Gruppen auch an der Einfuhr von angeblich medizinischem Marihuana beteiligt seien, und sagte, es gebe Anzeichen dafür, dass Deutschland zu einem Vertriebszentrum werden könnte.
In dem Bericht wurde auch darauf hingewiesen, dass die übermäßige Verschreibung stärkerer Sorten nur durch schleppende Bemühungen zur Genehmigung sogenannter „Cannabis-Clubs“ erklärt werden könnte, die den Kauf von Freizeitmarihuana erlauben.
Bisher seien „nur sehr wenige (Cannabis-)Anbauorganisationen zugelassen worden“, heißt es in dem Bericht, und diese seien nicht in der Lage, die Nachfrage zu bedienen.
„Die nur schrittweise Reduzierung des Schwarzmarktes (für Cannabis) könnte durch die Stärkung der Anbauorganisationen beschleunigt werden“, hieß es weiter.
Wie ist der rechtliche Status in Bezug auf medizinisches und Freizeit-Cannabis in Deutschland?
Medizinisches Marihuana ist in Deutschland seit 2017 unter bestimmten Bedingungen, vor allem an die Notwendigkeit einer Überweisung durch einen Arzt, technisch legal. Der Zugang wurde schrittweise vereinfacht und die Verfügbarkeit im Laufe der Zeit erhöht.
Im April 2024 wurde das weitreichendere Gesetz eingeführt, das den Cannabiskonsum zu Freizeitzwecken für Erwachsene teilweise legalisiert.
Es erlaubt Personen über 18 Jahren, zu Hause bis zu 50 Gramm Cannabis zu besitzen und in der Öffentlichkeit bis zu 25 Gramm bei sich zu haben. Es ermöglicht den Menschen auch, bis zu zwei Cannabispflanzen selbst anzubauen. Minderjährigen ist es nicht gestattet, die Pflanze zu tragen oder anzubauen.
Der bloße Verkauf an die Öffentlichkeit in „Coffeeshops“, wie sie etwa in den benachbarten Niederlanden bekannt sind, ist jedoch nicht gestattet.
Stattdessen müssen Menschen, die Cannabis für den Freizeitgebrauch erwerben und nicht selbst anbauen möchten, einem Cannabisanbauclub beitreten, der Mitgliedsbeiträge erhebt und die Pflanze dann in größerem Umfang anbaut, um sie an die Mitglieder zu verteilen.
Warum sind die nächsten Schritte angesichts der Koalitionspolitik kompliziert?
Als sich die CDU/CSU mit den Sozialdemokraten verbündete, die die Legalisierung im Jahr 2024 gemeinsam umsetzten, konnten sich die beiden Parteien nicht über das weitere Vorgehen einigen und machten so letztlich Schluss.
In ihrem Koalitionsvertrag haben sie sich dazu verpflichtet, die Wirksamkeit der Nachrichtengesetze unparteiisch zu prüfen und über das weitere weitere Vorgehen zu entscheiden.
Ein erster Zwischenbericht wurde im vergangenen August eingereicht, die Veröffentlichung des Abschlussberichts ist in zwei Jahren, also vier Jahren nach Inkrafttreten der Gesetzesänderung, geplant.
Herausgegeben von: Alex Berry
