Der Sonderbeauftragte des Parlaments für die Bundeswehr, Henning Otte, hat sich in seinem am Dienstag veröffentlichten Jahresbericht für eine rasche Rekrutierungsoffensive der Bundeswehr in den kommenden Jahren eingesetzt.
„Die Fragen des Personals und seines Personalausbaus bleiben die zentralen Herausforderungen für die Bundeswehr, um ihre Leistungsfähigkeit weiter zu stärken“, heißt es in dem Bericht.
Deutschland versucht, seine Verteidigungsausgaben und die Rekrutierung von Militärangehörigen angesichts verschiedener Faktoren zu erhöhen, vor allem aber aufgrund der Invasion Russlands in der Ukraine und der Appelle der USA an Europa, sich als Teil des NATO-Bündnisses stärker zu engagieren.
Otte schrieb, angesichts der erhöhten Bedrohungslage und um das erklärte Ziel der Regierung zu erreichen, bis Mitte der 2030er Jahre 260.000 aktive Soldaten und weitere 200.000 Reservisten zu haben, müssten die Pläne zur Wiedereinführung einer Art Militärdienst ein Erfolg sein.
Otte empfahl, dass für den Fall, dass sich der Freiwilligendienst als unzureichend erweisen sollte, als nächster Schritt die Rückkehr zu einer Form des Pflichtdienstes erfolgen sollte.
Und doch plädierte der CDU-Politiker in einem Bereich für eine Verschlankung: Die Verwaltungsorgane des Militärs und des Verteidigungsministeriums seien dringend reformbedürftig.
„Die derzeitigen Strukturen der Bundeswehr und des Verteidigungsministeriums sind zu kopflastig, zu kompliziert und in großen Teilen wirkungslos“, warnte sein Bericht.
Ottes Aufgabe besteht darin, die parlamentarische Kontrolle und Unterstützung des Militärs zu leiten, eine Aufgabe, die in der deutschen Politik oft beschönigend als „Anwalt der Bundeswehr“ bezeichnet wird.

Wie viele Truppen stehen derzeit zur Verfügung?
Derzeit liegen die Truppenzahlen weit unter den fast einer halben Million, die innerhalb des nächsten Jahrzehnts oder so angestrebt werden.
Nach Angaben der BundeswehrDerzeit verfügt das Militär über rund 186.000 aktive Soldaten, entweder mit befristeten oder unbefristeten Verträgen oder im Freiwilligendienst. Weitere rund 60.000 Reservisten waren im vergangenen Jahr auf Abruf, obwohl Deutschland theoretisch alle rund 860.000 seiner Militärveteranen als theoretische Reservisten zählt, die im Notfall abgerufen werden könnten.
Aufgrund der Anweisung, die Einstellungsrate zu erhöhen, hWie gut hat die Bundeswehr im Jahr 2025 rekrutiert?
Im Bericht vom Dienstag waren jedoch einige Fortschritte zu erkennen: Die Bundeswehr stellt im Jahr 2025 25.000 Soldaten ein. Das ist der höchste Wert in einem einzigen Jahr seit 2011, als Deutschland sein bisheriges Wehrdienstmodell abschaffte.
Otte warnte jedoch davor, dass die Zahl der Rekruten, die ihre Ausbildung abbrachen, bevor sie ein vollwertiges Mitglied der Armee geworden seien, weiterhin zu hoch sei und bei etwa 20 % liege.
Er sagte, die Öffentlichkeit erwarte, dass das Militär seinen Aufgaben gewachsen sei, die in den kommenden Jahren offenbar zunehmen werden.
„Um dies auch in Zukunft auf hohem Niveau zu erreichen, braucht es verlässliche Rahmenbedingungen und vor allem mehr Personal“, sagte er.

Fordern Sie Klarheit bei der Wiedereinführung des Nationaldienstes
Otte appellierte an die Bundesregierung, einen klareren Plan und konkretere Bedingungen für die Wiedereinführung des Wehrdienstes vorzulegen. Dieser politische Vorschlag droht die Koalitionsregierung zu spalten und war in der Planungsphase Gegenstand mehrerer Kehrtwendungen.
Derzeit wird jungen Menschen ein Fragebogen zugesandt, um ihre Bereitschaft und ihr Interesse für den Militärdienst zu ermitteln, in der Hoffnung, dadurch das Interesse an einer freiwilligen Einberufung zu steigern.
Die Christdemokraten von Bundeskanzler Friedrich Merz hatten kurzzeitig den Plan angepriesen, dem eine Art Zwangskomponente hinzuzufügen, doch die Sozialdemokraten von Verteidigungsminister Boris Pistorius widersprachen, und vorerst bleibt der ursprüngliche Ansatz bestehen.
Das deutsche Recht könnte theoretisch die vorübergehende Einberufung vieler junger Männer ermöglichen, da der bisherige Wehrdienst technisch eingefroren und nicht abgeschafft oder aus den Statuten gestrichen wird. Es wäre jedoch eine Verfassungsänderung erforderlich, um es auf junge Frauen auszudehnen.
Defizite bei Infrastruktur, Digitalisierung, Einstellungsgeschwindigkeit, physischen Standards
Derzeit sieht der Plan ein Grundgehalt von mindestens 2.600 € (rund 3.000 $) pro Monat vor Steuern vor — Auf den ersten Blick ein für deutsche Verhältnisse für Vollzeitbeschäftigung sehr niedriges Gehalt. Das Paket beinhaltet aber auch nennenswerte Zusatzleistungen in den Bereichen Unterkunft, Verpflegung, Aus- und Weiterbildung.
Otte warnte, damit solche Prämien glaubwürdig seien, sei der Bau neuer Rekrutierungszentren sowie der Ausbau von Kasernen und Ausbildungskapazitäten notwendig, damit mehr Menschen in den Militärdienst eintreten könnten.
Er sagte, viele Baracken seien in einem heruntergekommenen Zustand und müssten dringend renoviert werden. Er forderte außerdem schnellere Fortschritte bei der Digitalisierung etwa der Krankenakten der Soldaten, um Frustrationen unter den Truppen vorzubeugen.
Otte beklagte auch die schleppende Rekrutierung und sagte, sie habe durchschnittlich 112 Tage gedauert – zwei Wochen länger als im Jahr 2024 – um von einer Bewerbung zur Einstellung zu gelangen. Er sagte, dies sei auf einem wettbewerbsintensiven Arbeitsmarkt zu langsam.
Er nahm Beschwerden von Truppen zur Kenntnis, dass die physischen Standards im Zuge der Rekrutierungskampagne sinken würden. Er sagte, die Soldaten hätten davor gewarnt, dass sich das Motto „Quantität vor Qualität“ durchzusetzen beginne.
Er teilte der Regierung mit, dass es weiterhin Engpässe bei Ausrüstung und Ausrüstung gäbe. Dafür gebe es nun keine finanzielle Entschuldigung mehr, da Verteidigungsausgaben von der Schuldenbremse der Regierung ausgenommen seien.
Im Übrigen warnte Otte vor einer zunehmenden Bedrohung der Streitkräfte im Inland von außen. Er sagte, die Zahl der Straftaten gegen das Militär sei im Jahr 2025 auf 112 Fälle gestiegen. Darunter waren sechs Brandanschläge und zehn Sabotagefälle.
Herausgegeben von: Elizabeth Schumacher
