Im vergangenen Jahr erneuerte das Berliner Finanzministerium sein Angebot, eine für Nazi-Propagandachef Joseph Goebbels erbaute Villa am See zu verschenken.
Um den Abriss der seit dem Jahr 2000 ungenutzten Villa zu verhindern, beschloss das Land Berlin, sie als „Geschenk“ an alle anzubieten, die bereit waren, die teuren Unterhaltsarbeiten zu übernehmen.
Berlin hat das Eigentum an der Immobilie nicht aufgegeben und wird weiterhin die jährlichen Verwaltungskosten von rund 200.000 Euro (233 Millionen US-Dollar) tragen.
Nach Angaben des deutschen öffentlich-rechtlichen Senders RBB versucht die Gemeinde Wandlitz seit Jahren, eine Nutzungsgenehmigung für das Gelände zu erhalten, und plant schließlich, Gelder für die umfassende Sanierung des Grundstücks aufzubringen, die schätzungsweise 300 Millionen Euro (349 Millionen US-Dollar) kosten wird.

Aufstieg und Fall der Villa Bogensee
Die Villa wurde für Goebbels auf einem 17 Hektar großen Grundstück vor den Toren Berlins errichtet, das ihm die Stadt 1936 geschenkt hatte.
Der ehemalige NS-PR-Chef nutzte es als Rückzugsort von seiner in Berlin lebenden Frau und seinen sechs Kindern. Neben der Bewirtung von Nazi-Führern, Künstlern und Schauspielern soll Goebbels die Villa auch als Liebesnest für seine vielen geheimen Affären genutzt haben.
Nachdem Goebbels und seine Frau sich und ihre Kinder 1945 in einem Berliner Bunker umgebracht hatten, wurde die Villa kurzzeitig als Lazarett genutzt, bevor sie von der Jugendabteilung der DDR-KPD genutzt wurde.
Nach dem Fall der Berliner Mauer wurde die Villa etwa ein Jahrzehnt lang unterschiedlich genutzt, bevor sie weitgehend verlassen wurde. Wartung und Instandhaltung sind zu einer belastenden Aufgabe für das Land Berlin und den Bund geworden.
Deutschland hadert seit langem mit dem Umgang mit ehemaligen Nazi-Stätten. Sie abzureißen würde bedeuten, die Geschichte, die sie repräsentieren, auszulöschen. Gleichzeitig besteht immer die Gefahr, dass sich rechtsextreme Extremisten versammeln, wenn sie im Stich gelassen werden.
