Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer

Einzigartige Naturlandschaft

ein Niedersachsen-Artikel von Redaktion - 04.06.2017
Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer

Das Wattenmeer ist ein ganz besonderes Ökosystem und findet sich weltweit nur mit begrenzten Gebieten. Mit einer Wasseroberfläche von ca. 8.000 Quadratkilometern und einer Länge von etwa 450 Kilometern bildet das Wattenmeer an der Nordsee, das von der Stadt Den Helder in den Niederlanden bis ins dänische Esbjerg reicht und die deutsche Nordseeküste einschließt, das wichtigste und größte Wattenmeer weltweit ab. Vom Festland bis in die Nordsee zeigt das deutsche Wattenmeer eine Flächenausdehnung bis zu 40 Kilometern. Bei Ebbe fallen ca. 3.500 Quadratkilometer deutsches Wattenmeer trocken.

Der Nationalpark Wattenmeer als UNESCO Weltnaturerbe gliedert sich an den deutschen Küsten in das Niedersächsische Wattenmeer, das Hamburgische Wattenmeer und das Schleswig-Holsteinische Wattenmeer. Im Folgenden wollen wir den Begriff des Wattenmeeres und insbesondere das Niedersächsische Wattenmeer genauer beleuchten.

Was ist ein Wattenmeer?

Wattenmeer wird begrifflich abgeleitet vom Wort „waten“ gleich gehen. Es bedeutet so viel wie begehbares Meer, was sich auf die weiten Wattflächen, die bei Ebbe sichtbar werden, bezieht. Als Wattenmeer werden flache Küstenbereiche des Meeres, mit Ablagerungen von Sand- oder Schlickwatt, die Ebbe und Flut besonders stark ausgesetzt sind, bezeichnet. Die Ebbe kennzeichnet die Niedrigwasserzeit, was bedeutet, dass sich das Wasser zurückieht und ein Großteil der Wattenmeerflächen dann "trocken fallen", während diese in der Hochwasserzeit, wenn die Flut kommt, unter Wasser stehen. In den Wattflächen bilden sich Rinnen, auch Priele genannt, durch die das Wasser bei Ebbe abläuft oder auch einströmt, wenn die Flut kommt. Künstliche oder natürliche Deiche schützen das Festland.

Wunderschönes Wattenmeer in Niedersachsen

Je nachdem, wie stark die Wattenmeerflächen überflutet werden, unterscheiden sie sich in verschiedene Zonen. Im Watt können sich bestimmte Queller-Pflanzen ansiedeln, da sie mit den schwierigen Bedingungen sehr gut zurechtkommen. Diese Queller-Pflanzen bilden die Basis für die Entstehung von Salzwiesen, die wiederum für spezielle Tiere, Organismen und andere Pflanzen einen wertvollen Lebensraum darstellen.

Salzwiesen sind einfach ausgedrückt ein weitläufiger Übergang zwischen der offenen Ebene des Wattbereichs mit dem reinen und meist wellenförmigen Schlick-, Sand- oder Mischwatt und dem Festland. Die Bereiche der Salzwiesen, die höher liegen, was naturbedingt durch die Ablagerungen in verschiedenen Schichten möglich ist, weisen einen ausgeprägten und dichten Pflanzenbewuchs auf. Neben den Salzwiesen gehören auch Priele, Dünen, Strände oder Geestkliffe zu den Lebensräumen, die dem Wattenmeer zugerechnet werden.

Das Watt besteht aus Ablagerungen, die zunächst vom Land in die Gewässer gespült wurden und ins Meer abgewandert sind, auch über die Luft können bei starkem Wind Schwebstoffe auf die flachen Küstenflächen transportiert werden. Das Wattenmeer hat sich über Jahrtausende entwickelt und verändert sein Gesicht täglich aufs Neue.

Die besondere Fauna und Flora im Wattenmeer

Die Lebensräume im Wattenmeer stellen die angesiedelten Lebewesen pflanzlicher oder tierischer Natur vor große Herausforderungen: Trockenheit und Überflutung wechseln sich ab, das Wasser ist salzhaltig, Temperatur und Salzgehalt ändern sich stetig, es herrscht ständig Bewegung am und über dem Boden.

Naturgewalt Seenebel über dem Wattenmeer

Die Tiere und Pflanzen, die sich im Wattenmeer ansiedeln können, sind an diese Verhältnisse angepasst und wissen mit den Widrigkeiten umzugehen. So verfügen zum Beispiel viele Pflanzen über einen intelligenten körpereigenen Abwehrmechanismus gegen zu viel Salz im Wasser. Das Wattenmeer ist für zahlreiche Tierarten ein wertvoller Lebensraum - von den großen Walen, Robben und Seehunden bis hin zu den kleinen Wattwürmern und Muscheln, die nur im Watt überleben können. Vögel, Fische und Wirbellose fühlen sich hier wohl, das Meer spült ihnen täglich Nahrung und Nährstoffe an. Gerade Zug- und Brutvögel bevorzugen das Wattenmeer als geschützten Ort.  

Das Niedersächsische Wattenmeer

1986 wurde das Wattenmeer vor der niedersächsischen Nordseeküste als Nationalpark ausgewiesen und ist seit 1993 auch Biosphärenreservat, um das wertvolle Ökosystem zu erhalten und zu schützen. Ein überwiegender Teil des Nationalparks gehört zum Europäischen Schutzgebiet nach EG Vogelschutzrichtlinie. Die Fläche des Niedersächsischen Wattenmeeres entspricht mittlerweile 345.000 Hektar und umfasst Meeresgebiete, Salzwiesen, Strände, Sandbänke, Dünen vor der Niedersächsischen Küste und auf den Ostfriesischen Inseln, die sich geographisch von der niederländischen Grenze am Meerbusen Dollart bis zur Mündung der Elbe bei Cuxhaven erstreckt.

Die Schutzzonen innerhalb des Niedersächsischen Wattenmeeres werden in die Kategorien Ruhezone, Zwischenzone und Erholungszone eingeteilt, wobei die Ruhezone Bereiche mit den strengsten Auflagen hinsichtlich des Betretens darstellt. Eine Karte mit Grenzen und Schutzzonen ist im Internet zu finden.

Strand am Wattenmeer in Niedersachsen

Das Wattenmeer ist nicht ausschließlich ein stilles Öko-Reservat, es wird auch vom Menschen auf verschiedene Art und Weise genutzt - z. B. für Landwirtschaft, Windenergie, Fischerei, Schifffahrt. Allerdings sind die geschützten Bereiche des Nationalparks davon ausgenommen. Unabhängig davon ist jedoch das Erlebnis Wattenmeer, das den Besuchern, Einheimischen, Gästen und Touristen an der niedersächsischen Nordseeküste die Einmaligkeit dieses Lebens- und Naturraumes näher bringt, durch Info-Einrichtungen, Lehrpfade, geführte Wattwanderungen, Schiffsausflüge, Radtouren und spezielle Erlebnistage. Die Informations- und Bildungseinrichtungen, die auch für spannende und erholsame Erlebnis-Angebote im Nationalpark die richtigen Ansprechpartner sind, finden sich z. B. auf den Inseln Baltrum, Borkum, Juist, Norderney, Spiekeroog, Wangerooge sowie in Bensersiel, Norddeich, Fedderwardersiel, Cuxhaven und Wilhelmshaven. Das Niedersächsische Wattenmeer zeigt eine große Artenvielfalt an Tieren und Pflanzen, darunter auch viele gefährdete Arten. Bisher sind über 10.000 Tiere und Pflanzen nachgewiesen worden.

Fotos: Michael Weber