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Orte und Gemeinden Rubrik Region

Quakenbrück

Geschichtsträchtigs Zentrum des Artlandes

An der Hase, in der Kulturlandschaft Artland findet sich im Landkreis Osnabrück die Stadt Quakenbrück, die zugleich Verwaltungssitz der Gemeinde Artland ist, zu der sie gehört. Quakenbrück dehnt sich auf ca. 18 qkm Fläche aus und zählt an die 13.500 Einwohner. Gegliedert ist die ehemalige Burgmannstadt in die Altstadt, die Neustadt sowie in die Orte Hakenkamp, Hengelage, Antoniort, das Gut Vehr sowie das Erholungsgebiet Schützenhof. Als Nachbargemeinden grenzen Bad Essen, Dinklage, Badbergen und Menslage an.

Quakenbrück bildet das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum des Artlandes, das mit reizvoller Landschaft, alten Traditionen und eindrucksvollen Sehenswürdigkeiten aufwartet. In der Stadt zählen die Hohe Pforte als Wahrzeichen, die Kirchen sowie die Altstadt mit über 100 historischen Fachwerkbauten und wenigen Burgmannshöfen zu den sehenswerten Highlights.

Geschichte der Stadt Quakenbrück

Über die Herkunft des Stadtnamens, der schriftlich erstmals 1235 in der Form „quakenbrugge“ erwähnt wurde, gibt es keine genauen, gesicherten Erklärungen. Anhand der Silbenzusammensetzung könnte der Stadtname als „Brücke bei den Wacholdern“ gedeutet werden, wobei es aber seinerzeit keinen Wacholder in diesem Gebiet der Hase gegeben hat. Alternativ und eher wahrscheinlicher ist die Deutung des Geschichtsforschers Hermann Rothert: „Die Brücke über das bebende Sumpfgelände“.

Die Gründung der einstigen Siedlung wird in der Zeit vor 1235 angenommen, allerdings finden sich keine älteren Urkunden, da diese bei einem Brand im Jahre 1383 den Flammen zum Opfer fielen. Entstanden ist die Siedlung wohl aus einem wehrhaften bischöflichen Meierhof, auf dem ein Kollegiatsstift gegründet wurde, das der Abwehr gegen die Grafen von Tecklenburg, Ravensburg und Oldenburg dienen sollte. Die Burg Quakenbrück wurde erstmals urkundlich im Jahre 1279 erwähnt. Im 15. Jahrhundert erfolgte vermutlich der Abriss, heute existiert davon nichts mehr. Stattdessen finden sich noch drei der ehemaligen Burgmannshöfe, welche durch ihre strategisch hervorragende Lage die Sicherung der Siedlung garantierten.

Als die Bürgerschaft aufkam und sich immer stärker ausbreitete, veränderte sich auch das Bild der Siedlung, die zur Bürgerstadt mit Marktplatz aufstieg und somit langsam das Ende der alleinigen Macht durch die Burgmänner einläutete. Handel und Handwerk blühten auf, bald schon galt Quakenbrück als Zentrum des Speditionshandels zwischen Küste und Binnenland. Ab 1469 setzte sich ein Bürgerrat für die rechtlichen Belange ein.

In Quakenbrück wurde die Reformation vom hier geborenen Hermann Bonnus eingeführt und die Stiftskirche in eine evangelische Kirche umgewandelt. 1536 schenkte er der Stadt die berühmte handschriftliche, in niederdeutsch verfasste „Bonnus-Bibel“. 1544 trat Quakenbrück dem Hansebund bei, was auch den hohen wirtschaftlichen Status untermauerte. Bis Ende des 16. Jahrhunderts war Quakenbrück wie so viele Städte im Mittelalter von Pest und Großbränden betroffen, was die Bevölkerungszahlen extrem reduzierte. Als 1623 die „Katholische Liga“ in die Stadt einzog, begann der dreißigjährige Krieg, der eine lange Zeit des Leidens für die Bevölkerung mit sich bringen sollte. Nach dem Krieg wurden die Güter des Stiftkapitels unter den entstanden Konfessionen der katholischen und evangelischen Kirche aufgeteilt.

Eine neue Blütezeit erlebte Quakenbrück zum Ende des 17. Jahrhunderts, insbesondere durch den Zuzug von über 40 Tuchmachern, welche die städtischen Walkmühlen mit Leben füllten. Das renommierte Kaufmannsgeschlecht Schröder gründete 1750 das Handelshaus Schröder am Marktplatz. Zehn Zinngießereien machten die Stadt zum Zentrum der Zinnverarbeitung im westlichen Niedersachsen. Der „Quakenbrücker Krug“ hat Einzug in die Fachsprache  gefunden. 

Die napoleonische Zeit von 1795 bis 1813 brachte Quakenbrück englische Besatzungstruppen sowie stetige Veränderungen in der herrschaftlichen Zuordnung. Die Stadt avancierte zum Zentrum der Schmuggelei. Die größte Ausdehnung erreichte die Stadt in der Zeit von 1811 bis 1814 als Verwaltungssitz einer französischen Unterpräfektur, die zahlreiche Kantone, z.B. Cloppenburg, Löningen, Vechta, mit ca. 100.000 Einwohnern gesamt umfasste und einen höheren Gerichtshof besaß. Nach der Kriegsniederlage Napoleons wurde Quakenbrück 1815 auf dem Wiener Kongress dem neuen Königreich Hannover einverleibt. Mit der neuen Stadtverfassung und dem ersten Bürgermeister (Anton Schröder) konnte die Industrialisierung beginnen. Färberei und Gerberei, Bürsten-, Kattun- und Silberwarenfabrikation bestimmten das wirtschaftliche Bild. 1875 wurde die Eisenbahnstrecke Oldenburg-Quakenbrück-Osnabrück eröffnet.

Nach den Goldenen Zwanzigern kam die Weltwirtschaftskrise, die auch in Quakenbrück für Erwerbslose und magere Zeiten sorgte. Im Sommer 1933 hatten die Nationalsozialisten die Macht in der Stadt erlangt. Der Zweite Weltkrieg zerstörte zahlreiche Gebäude und hinterließ seine bösen Spuren. Quakenbrück galt als Lebensmittelpunkt der jüdischen Bevölkerung im Artland. An die jüdischen Opfer erinnern heute 40 Stolpersteine.

1969 wurde eine Sanitätskompanie der Bundeswehr in der Neustadt eingerichtet, dem das Sanitätshauptdepot folgte. Im Zuge der Gebietsreform 1972 erfolgte die Vereinigung der Stadt Quakenbrück mit den Gemeinden Badbergen, Menslage und Nortrup zur Samtgemeinde Artland. Hengelage und Gut Vehr wurden eingemeindet. Der ehemalige Landkreis Bersenbrück, in dem Quakenbrück bis 1972 lag, ging im Landkreis Osnabrück auf.

Wirtschaft und Verkehr in Quakenbrück

In den Anfängen der Stadt hatte Handwerk goldenen Boden. Wollweberei, Färberei, Tuchmacherhandwerk, Schuhmacherhandwerk und Zinngießerei sorgten für eine blühende Wirtschaft. Nach dem Zweiten Weltkrieg siedelten sich viele Industrieunternehmen in der Stadt an, von denen Europas führender Fahrradproduzent Kynast der älteste und größte Arbeitgeber bis zur Insolvenz 1999 war. Heute existiert noch die 2006 gegründete Kynast-Steel-GmbH, die Stahlrohre herstellt.

In Quakenbrück befinden sich das bekannte Lebensmittelwerk Ruf, der Karosserie- und Fahrzeugbaubetrieb Böcker, die Lear Corporation sowie die JCK Holding GmbH Textil KG, unter deren Dach eine große Anzahl an Unternehmen aus der Textilbranche, einige davon  auch direkt in der Stadt, arbeiten. Seit 1985 hat das Deutsche Institut für Lebensmitteltechnik seinen Standort in Quakenbrück. Daneben spielen Land- und Forstwirtschaft sowie der Tourismus eine, wenn auch eher kleinere Rolle, im Wirtschaftsleben.

Anbindungen an den Straßenverkehr sind mit der Bundesstraße B 68 aus Richtung Cloppenburg gegeben, die nach Osnabrück als auch nach Nordrhein-Westfalen führt. Diese verläuft durch das nördliche Stadtgebiet und ist im Norden und Süden als Umgehungsstraße um den Stadtkern angelegt. Über die Landesstraße L 845 ist die Bundesautobahn A 1 erreichbar. Die Landesstraße L 60 führt in Richtung Löningen zur Bundesstraße B 213 über welche Lingen, Meppen und die A 31 erreichbar sind. Der Bahnhof Quakenbrück liegt an der Bahnstrecke Wilhelmshaven-Osnabrück und wird von der NordWestBahn angefahren. Die Verkehrsgemeinschaft Osnabrück bedient mit verschiedenen Buslinien (VOS-Nord/Weser-Ems-Linie) den öffentlichen Personennahverkehr. Nächstgelegene internationale Flughäfen sind Münster/Osnabrück sowie Bremen.

Sehenswürdigkeiten in Quakenbrück

Wer die Sehenswürdigkeiten der Stadt in einer Tour erkunden will, der begibt sich auf den „Poggenfad“, wobei der Begriff „Poggen“ mit Fröschen gleichgesetzt ist, die oftmals mit dem Stadtnamen in Verbindung gebracht werden. Allerdings ist das Wort „quake“ eher auf eine „wackelnde Bewegung“ zurückzuführen, welche den schwankenden Brücken an der Hase zu Eigen waren. Auf dem Poggenpad weisen künstlerisch gestalte Platten mit Froschfußabdrücken den 3,1 km langen Weg, der am Marktplatz startet und 30 Stationen umfasst. 

Von der Zeit als Burgmannstadt erzählen die drei, wenn auch nicht mehr im einstigen Originalzustand erhaltenen, Burgmannshöfe am Marktplatz, in der Pfaffenstraße 18 sowie an der Mühlenstraße 30. Zu den altehrwürdigen Bauwerken gehören die Hohe Pforte, eines der ehemals fünf Stadttore und Wahrzeichen der Stadt, das klassizistische Rathaus und an die 130 Fachwerkhäuser, die der Stadt den Beinamen „Rothenburg des Nordens“ eingebracht haben.

Die evangelische St.-Sylvester-Kirche, erbaut im 13. Jahrhundert und die katholische Marienkirche aus dem 17. Jahrhundert sind Zeugnisse der Stadtgeschichte und Hauptkirchen der beiden Konfessionen. Die evangelische St.-Petrus-Kirche (Neustadt) und die katholische St.-Paulus-Kirche (Hengelage) wurden in den 1960er Jahren errichtet.

Das Stadtmuseum, das die Heimatgeschichte von Quakenbrück mit interessanten Exponaten erzählt, beeindruckt durch seine Größe und den klassizistischen Baustil. Hier werden das städtische Leben, Handel und Handwerk in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts anschaulich auf 460 qm Ausstellungsfläche lebendig. Über drei Etagen verteilt, finden sich eine Schusterei, die Gewerke Klempner, Schlosser, Maler, eine Apotheke und historische Kinderzimmer. Highlight ist die Krämerei, ein Lebensmittelgeschäft aus alten Zeiten, in der es auch heute noch Bier vom Fass, Schokolade, Eier und Postkarten zu kaufen gibt. 

Der 2006 angelegte Stadtpark am Altstandrand, der heute Park der Deutschen Einheit heißt, ist die grüne Oase von Quakenbrück und erstreckt sich bis in den Wanderweg der Hase, der über den Deichsee bis zum Erholungsgebiet Schützenhof führt. Im Gebiet zwischen Stadtwald und Deichsee wurde 1902 der 18 ha große romantische Hasepark angelegt. In der Neustadt lädt der Bürgerpark zum Flanieren ein. Zu den naturnahen Sehenswürdigkeiten zählen auch der Stadtwald und der Heiratswald, in dem Paare einen Baum für die Ewigkeit pflanzen können.

Freizeitaktivitäten, Kultur & Veranstaltungen in Quakenbrück

Zahlreiche Gewässer durchziehen die Stadt, an denen Angeln und teils auch Baden oder Naherholung möglich sind. Dazu gehören u.a. der Feriensee, der Deichsee und der Rennplatzteich.  In Quakenbrück startet zudem die touristische Ferienstraße Artland-Route mit einer Länge von 142 km, die sich auf Wander- oder Radtouren erkunden lässt. Die stillgelegte Eisenbahnstrecke Quakenbrück-Rheine lädt zum Draisinen-Fahren ein. Sportlich stehen weiterhin Swin Golf, Tennis, Reiten, Schwimmen, Kanutouren auf dem vielseitigen Aktivitätenprogramm. Die Stadt verfügt über ein großzügiges Freizeit- und Sportgelände, auf der sich auch die Artland-Arena sowie das Frei- und Hallenbad befinden. Der alte Fliegerhorst in der Neustadt gilt heute als Treffpunkt der Modell- und Segelflug-Freunde.

Die Artland-Arena ist das Heimstadion des Basketballvereins Artland Dragons, der im Zeitraum 2003 bis 2015 in der Basketball-Bundesliga gespielt hat. 2008 gewann der Verein den BBL-Pokal und holte damit den ersten Titel in der Vereinsgeschichte. Die heimischen Spiele der Artland Dragons national sowie international zählen zu den gefragten Veranstaltungshighlights in Quakenbrück.

Einen besonders guten Namen weit über die Stadtgrenzen hinaus haben sich die Quakenbrücker Musiktage mit klassischer Musik, Swing und Jazz gemacht, die alle zwei Jahre im November Besucher von nah und fern locken. Abwechslungsreiche Musikkonzerte mit Künstlern aus diversen Musikgenres, insbesondere Beat, Pop und Schlager, sind das Metier des im zweijährigen Turnus stattfindenden Musiksommer Artland auf dem Hof Sickmann-Odenhage.

Großen Besucherzuspruch unter den regelmäßigen Veranstaltungen haben auch die Gartenschau mit Landhütermarkt, der Maimarkt, das Burgmannsfest, der Artländer Renntag und der Weihnachtsmarkt. Theaterwerkstatt und Kulturring Quakenbrück bringen im Laufe des Jahres weitere kulturelle Veranstaltungen auf den Weg.

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