Niedersachsen ist überdüngt

Extreme Nitratbelastung im Grundwasser

ein Niedersachsen-Artikel von Michael Weber - 14.01.2016
Niedersachsens Landwirtschaft düngt zu stark

Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen hat den Nährstoffbericht in Bezug auf Wirtschaftsdünger für Niedersachsen 2014/2015 vorgestellt. Dieser zeigt eine Überdüngung des Bundeslandes. In diesem Zusammenhang kommt es außerdem zu einer enormen Nitratbelastung der Böden, die das Grundwasser gefährdet. Die Daten beziehen sich auf den Meldezeitraum vom 1. Juli 2014 bis zum 30. Juni 2015.

Landwirte düngen zu stark

Die Daten aus dem Bericht zeigen, dass in Niedersachsen zu viel Dünger auf den Feldern landet. Zwar stieg die Gesamtbelastung nur um 0,4 Tonnen. Aber fast 60 Millionen Tonnen Wirtschaftsdünger - Gülle und Mist sowie Gärreste aus Biogasanlagen - bei leicht sinkenden Tierzahlen in der Schweine- (- 61.000 Tiere) und Geflügelhaltung (- 190.000 Tiere) sind zu viel. Gründe für die hohen Zahlen sind mehr Rinder (+ 16.000 Tiere) sowie mehr Biogasanlagen und Dünger-Importe aus anderen deutschen Regionen. Landwirtschaftsminister Christian Meyer stellte dazu fest: "Das Mengenproblem bei Gülle und Gärresten ist noch nicht gelöst, wir haben die Trendwende noch nicht erreicht." Konkret sei nicht nur die Menge des Wirtschaftsdüngers zu hoch, diese münde vielmehr auch in eine erstmals so festgestellte Überdüngung der Böden. Diese geht auf eine zu groß0e Menge Mineraldünger und organischen Stickstoff zurück. Das führt dazu, dass die zulässigen Nährstoffgrenzwerte in mehreren Landkreisen überschritten wurden. Das Land hatte zuletzt zahlreiche Anstrengungen unternommen, um die Düngermenge zu reduzieren. Meyer dazu: "Die Maßnahmen zeigen bereits Wirkung, wir sind aber längst noch am Ziel."

Die Landwirtschaftskammer sieht hier sogar ein riesiges Einsparpotenzial. Denn gemessen am Bedarf beträgt allein der Stickstoffüberschuss landesweit 81.000 Tonnen. Das entspricht 30 Kilogramm Dünger pro Hektar. Der Präsident der Landwirtschaftskammer, Gerhard Schwetje, rechnet ein daraus resultierendes Einsparpotential bei Düngemitteln von fast 80 Millionen Euro vor.

Opposition wettert gegen Agrarpolitik

Der agrarpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Helmut Dammann-Tamke, sieht Meyer in der Pflicht. Dieser baue zusätzliche bürokratische Hürden auf, die eine vernünftige Düngung erschweren. Als Beispiel nannte er den Erlass zur Lagerung von Wirtschaftsdünger. „Die neuen Vorgaben machen Ackerbaubetrieben den Einsatz von getrocknetem Gärrest nahezu unmöglich. Infolgedessen müssen sie Mineraldünger zukaufen, wodurch sich die Nährstofffracht in ganz Niedersachsen erhöht", erklärte Dammann-Tamke.

Nitratbelastung: Trinkwasser in Gefahr

Der gefährliche Nebeneffekt der Überdüngung von Äckern und Feldern ist eine starke Nitratbelastung der Böden. Dieses Nitrat erreicht das Grundwasser. Inzwischen meldet etwa jede zweite Grundwassermessstelle ein Überschreiten des Grenzwertes von 50 Milligramm pro Liter. Im Bericht heißt es als Fazit dazu: "Der Nitrattrend im oberflächennahen Grundwasser und im Sickerwasser steht an vielen Messstellen nicht im Einklang mit dem Verschlechterungsverbot und dem Verbesserungsgebot der EU- Wasserrahmenrichtlinie. Auch in den Oberflächengewässern werden die Ziele der EU-Wasserrahmenrichtlinie aufgrund zu hoher Phosphor- und Stickstoffeinträge aus der Landwirtschaft nicht erreicht." Eine Umkehr des Trends ist schwierig. Dazu müssten alle Akteure - Industrie, Landwirte, Politik - gemeinsam an einem Strang ziehen. Die Landwirtschaftskammer hält aber auch einen straffen "Vollzug des Ordnungsrechts" für notwendig, um die Vorgaben zu erreichen.

Besonders kritische Regionen

Wie nicht anders zu erwarten, sind die Regionen mit intensiver Tierhaltung besonders betroffen. Die Nitratbelastung einerseits und die Stickstoff- sowie Phosphatbelastung andererseits bilden ein Zusammenspiel. Das Grundwasser ist entsprechend in Westniedersachsen stark belastet. Dort befinden sich auch viele Massentierzuchtbetriebe. Der Süden und Osten des Bundeslandes sind dagegen tendenziell weniger von dem Problem der Überdüngung betroffen.

Als überdüngt gelten nach Berechnung der Landwirtschaftskammer die Flächen in den Landkreisen Ammerland, Cloppenburg, Diepholz, Emsland, Grafschaft Bentheim, Heidekreis, Oldenburg, Rotenburg/Wümme, Vechta sowie  Stadt und Landkreis Osnabrück. Im Landkreis Vechta wird außerdem die geltende Stickstoffobergrenze übertroffen.

Foto: Clipdealer

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