582 Einsätze der Seenotretter im letzten Jahr

13 Stationen befinden sich in Niedersachsen

ein Niedersachsen-Artikel von Michael Weber - 12.01.2016
Markus Knüfken, aktueller Bootschafter der Seenotretter

Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) sind bundesweit im letzten Jahr knapp 2.100 Mal im Einsatz gewesen. Allein vor der Nordseeküste von Niedersachsen mussten die Seenotretter 582 Mal Menschen und Schiffe aus brenzligen Lagen oder sogar vor dem Ertrinken retten. In Niedersachsen befinden sich 13 der insgesamt 54 Stationen an der deutschen Nord- und Ostsee.

Rettung aus Seenot

Wer glaubt, dass die meisten Menschen in der Nordsee in Gefahr geraten, irrt sich. Die meisten Einsätze hatten die Seenotretter in der Ostsee. Allerdings spielt es keine Rolle, wo Menschenleben in Gefahr sind. Die Gesellschaft schickt ihre rund 1.000 meist freiwilligen Helfer bei jedem Wetter raus, um Menschen und Schiffe aus Notsituationen zu befreien. In Niedersachsen verdanken den tatkräftigen Rettern vier Menschen ihr Leben, weitere 60 Personen konnten aus Gefahrensituationen befreit werden.

Aufkommende Flut, hohe Wellen, havarierte Schiffe - all das sind mögliche Ursachensolcher Gefahrensituationen, in denen die Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger ausrückt. 2015 gab es eine Reihe von typischen und untypischen Situationen. So befreiten die Seenotretter zwei Fischkutter vor Borkum, die beide manövrierunfähig in der Nordsee trieben. Ebenfalls Fischerboote waren es, die vor Borkum in einer Fahrrinne gekentert waren und Hilfe benötigten. Bei einem Feuer auf einem Windparkserviceschiff vor Norderney war ebenfalls ein Einsatz notwendig. Der nur zwei Minuten nach dem Hilferuf eintreffende Seenotrettungskreuzer half beim Löschen und brachte die Besatzung sicher nach Norddeich. Ein technischer Schaden war Ursache für einen weiteren Seenotfall. Vor Bremerhaven meldete ein Schiff Wassereinbruch und konnte von den Seenotrettern mit Pumpen geborgen werden. Deutlich gefährlicher war es für einen Kajakfahrer bei Spiekeroog, der bei starkem Wind weit abgetrieben wurde. Er konnte stark unterkühlt in letzter Minute aus dem Wasser gezogen und wiederbelebt werden. Am 5. und 6. September 2015 war Großeinsatz. Das Wetter brachte insgesamt 60 Menschen in Seenot. Die Retter rückten allein vor Niedersachen insgesamt 30 Mal aus.

150 Jahre Seenotrettung

Das Jahr 2015 war ein Jubiläumsjahr. Seit 150 Jahren gibt es die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger. Seitdem haben die Helfer 82.222 Menschen gerettet. Die Arbeit der Gesellschaft wird ausschließlich durch Spenden und freiwilligen Zuwendungen finanziert. Trotzdem verfügen die Seenotretter über eines der modernsten Seenotrettungsdienste der Welt. Das Herz besteht aus einer eine Flotte von 20 Seenotkreuzern und 39 Seenotrettungsboote sowie der Seenotzentrale in Bremen. Die Kreuzer haben letztes Jahr in Nor- und Ostsee über 71.800 Seemeilen (ca. 133.000 Kilometer) zurückgelegt und dabei über 500 Menschen aus Seenot oder Gefahr befreit, 400 Menschen von Halligen oder Inseln zum Festland transportiert sowie 63 Schiffe vor dem Totalverlust befreit und fast 1.000 Mal Wasserfahrzeugen eine Hilfsleitung erbracht.

Markus Knüfken ist "Bootschafter" 2015

Jedes Jahr ist ein Prominenter oder eine Institution Botschafter ("Bootschafter"!) der DGzRS. 2016 tritt diese Rolle der Schauspieler Markus Knüfken („Bang Boom Bang – Ein todsicheres Ding“, „Notruf Hafenkante“) an. Er selbst hat vor einigen Jahren einen Segler vor dem Ertrinken gerettet. Die Botschafterrolle könnte besser kaum besetzt sein. Der Schauspieler erklärt: "Als Kajakfahrer bin ich mir bewusst, dass die See große Gefahren birgt. Trotz bester Vorbereitung kann auch ich schnell mal auf die Seenotretter angewiesen sein. Deshalb bin ich stolz darauf, jetzt ihr 'Bootschafter' sein zu dürfen.“

Seenotretter unterstützen

Spenden für die SeenotretterWer die Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger unterstützen möchte, hat mehrere Optionen. Zum einen ist die DGzRS für jeden freiwilligen Helfer dankbar. Hier sind aber maritime Kompetenzen zwingend. Spenden, Nachlassabtretungen oder Testamente oder Zuwendungen sind aber für alle Menschen jederzeit möglich. Und wenn es nur ein paar Cent sind, die in eines der Sammelschiffe gesteckt werden, die speziell in Küstennähe in den Geschäften stehen. Ausführliche Informationen bietet die Webseite der Seenotretter.

Foto: DGzRS

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