Ein Wolf hat in der norddeutschen Stadt Hamburg eine Frau gebissen und verletzt, teilte die Polizei am späten Montag mit. Es handelt sich um eine seltene menschliche Begegnung mit der normalerweise scheuen Art.
Der Vorfall ereignete sich nach Angaben der Behörden in der Nähe eines Ikea-Ladens etwa 4 Kilometer (2,5 Meilen) vom Zentrum der zweitgrößten Stadt Deutschlands entfernt. Der Wolf bewegte sich später in Richtung der Binnenalster und gelangte ins Wasser, wo ihn die Beamten mit einer Schlinge fingen.
Das Tier streifte wahrscheinlich seit mindestens Samstag durch die Stadt. In ganz Hamburg wurden mehrere Sichtungen gemeldet, bei denen es sich vermutlich um denselben Wolf handelte, von einer S-Bahn-Haltestelle bis zu einem Viertel etwa 11 Kilometer vom Angriffsort entfernt.
Erster Wolfsangriff in Deutschland seit Jahrzehnten
Nach Angaben des Bundesamtes für Naturschutz war der Vorfall der erste dokumentierte Wolfsangriff auf einen Menschen in Deutschland seit der Rückkehr der Art Ende der 1990er Jahre.
Ungefähr 150 Jahre lang gab es in Deutschland keine Wölfe, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts ausgerottet waren. Sie tauchten um 1998 wieder auf und wanderten von Polen nach Westen nach Ostdeutschland, unterstützt durch Naturschutzmaßnahmen und die Erweiterung ihrer Lebensräume. Ihre Rückkehr wurde als Erfolg im Naturschutz gefeiert – und als Quelle von Spannungen, insbesondere unter Landwirten, die über Viehverluste besorgt sind.
Das Oberhaus des Deutschen Bundestages hat letzte Woche ein Gesetz verabschiedet, das die Jagd auf Wölfe erleichtern soll.
Die Europäische Union hat im vergangenen Jahr in einer Abstimmung den Status von Wölfen von „streng geschützt“ auf „geschützt“ herabgestuft.
Experten sagen, dass Angriffe auf Menschen nach wie vor äußerst selten seien. Wölfe, insbesondere gesunde Wölfe, meiden im Allgemeinen Menschen und ziehen sich zurück, wenn sie ihnen begegnen. Laut einer Studie des Norwegischen Instituts für Naturforschung stehen die meisten Vorfälle im Zusammenhang mit Tollwut, Provokation oder Gewöhnung – wenn Tiere ihre natürliche Angst vor Menschen verlieren, oft nachdem sie gefüttert wurden oder in der Nähe von Siedlungen Futter gefunden haben.
Was Experten über den Wolf in Hamburg sagten
Es wird angenommen, dass der Wolf in Hamburg ein junges Tier ist, das sich von seinem Rudel trennt. In dieser Phase können die Tiere auf der Suche nach Revieren weite Strecken zurücklegen. Durch die dichte städtische Umgebung desorientiert, wanderte es wahrscheinlich zufällig in die Stadt und versuchte, einen Weg nach draußen zu finden, sagten Umweltbehörden.
Der Wolf sei nun in einen Wildpark gebracht worden, sagten örtliche Beamte.
Seit 2013 wurden in Hamburg 21 bestätigte Wolfssichtungen registriert. Zuletzt wurde Mitte März ein Wolf tot auf einer Autobahn aufgefunden, nachdem er von einem Fahrzeug angefahren worden war.
Herausgegeben von: Rob Turner
