Die EU-Fluggastverordnung

Flugbuchung zwischen Erfordernis und Verbraucherfreundlichkeit

ein Niedersachsen-Artikel von Redaktion - 08.09.2019
Anflug zum Flughafen Hannover

Hannover ist der zentrale Flughafen in Niedersachsen. Allein 80 Direktflugziele und 10.000 Mitarbeiter unterstreichen die Bedeutung im Norden. Viele Fluglinien starten und landen am Airport. Bei vielen urlaubs- und Geschäftsflügen rückt auch die Frage nach den passagierrechten in den Fokus. Hier kommt die EU-Fluggastverordnung zum Tragen.

Hintergrund: Flüge boomen

Die gesamte Branche steht im Spannungsfeld zwischen stetigem Wachstum, Klimadiskussionen und Preiskampf auf dem Rücken des Personals. Daraus folgen Diskussionen rund ums Fliegen. Die einen regen Preissteigerungen der Umwelt zuliebe an, die anderen möchten gern trotz verbreiteter Schleuderticketpreise gerne den Service der Business-Class haben.

Von Hannover aus fliegen unter anderem Lufthansa, Air France und British Airways, aber auch Condor, Eurowings, TUIfly und Wizz. Die Billigfluglinien boomen am Markt. Die ungarische Gesellschaft Wizz veröffentlichte vor kurzem Zahlen, nachdem sie ein Passagierplus von 16 Prozent verzeichnen konnte. Das dürfte noch nicht das Ende der Fahnenstange sein. Denn die Europäische Kommission will, dass Ankerstädte im Unionsgebiet innerhalb von vier Stunden erreichbar sind.

Widersprüchliche Gemengelage

Das klingt widersprüchlich, denn quer durch alle Fraktionen wird der Ruf nach einer Klimasteuer laut. Widersprüchlich auch, weil der herrschende Preiskampf nur auf Kosten des Personals und anderer Serviceleistungen zu führen ist. Eine Fluglinie ist bei der Preisgestaltung fast gezwungen, von einer optimalen Auslastung und optimalen Flugverhältnissen auszugehen. Sonst geht der Plan nicht auf und jeder Investor würde die Flotte im Hangar stehen lassen. Die Folge sind jedoch auch Arbeitsverdichtung und Fehler bei der Abwicklung der Flüge. beides führt zu Verspätungen und Problemen.

Passagiere haben Rechte

Trotzdem haben Passagiere viele Rechte. Denn die EU möchte auch, dass Passagiere trotz ihrer Vision über die europäische Luftfahrt pünktlich am Zielort ankommen. Durchsetzen will sie das mit der Verordnung 261/2004, kurz EU-Fluggastrechteverordnung. Wenn eine Fluglinie nicht hält, was sie verspricht, wird sie zu Entschädigungszahlungen verpflichtet und diese belasten die finanzielle Situation der Airlines. Mitunter so sehr, dass Passagiere gar nicht mehr befördert werden können, weil das Geld für den Treibstoff fehlt. Im Fall einer Insolvenz gibt es nämlich nichts mehr zu holen. In allen anderen Fällen haben Passagiere mehr als nur weitgehende Entschädigungsrechte.

EU-Fluggastrechteverordnung im Detail

Wer über eine bestätigte Buchung verfügt, sich rechtzeitig zum Check In einfindet und das mit gültigen Reisedokumenten, muss befördert werden. Rechtzeitig bedeutet spätestens 45 Minuten vor der geplanten Abflugzeit; außer es ist auf dem Ticket eine frühere Zeit vermerkt. Dann gilt diese.

Außerdem muss der Fug innerhalb der EU starten oder landen und zur EU zählen im Fall dieser Verordnung auch die Schweiz, Norwegen und Island. Wer einen Langstreckenflug samt Umsteigen außerhalb der EU bucht, kommt unter Umständen auch noch in den Genuss einer Entschädigung, falls etwas schief gehen sollte. Dann nämlich, wenn der Flug als Einheit bei einer europäischen Airline gebucht wurde und in der EU startet. Verantworlich und haftbar für Anschlussflüge, die nach einem Teilflug von Hannover im Nicht-EU-Gebiet unterbrochen und von einer anderen Linie fortgesetzt werden, ist die Fluggesellschaft des Fluges ab Hannover. Dabei spielt es keine Rolle, ob diese die Probleme verursacht hat oder nicht.

Gedeckt durch die EU-Fluggastverordnung sind

  • Nichtbeförderung,
  • Verspätung und
  • Flugannullierungen.

Aber:  Bei sogenannten Langstreckendestinationen müssen die Passagiere mindestens vier Stunden zu spät ankommen, damit Sie eine Entschädigung bekommen. Diese fällt dafür mit 600,- relativ hoch aus. Beim Traum der Erreichbarkeit innerhalb von vier Stunden hat die Airline etwas weniger Zeit, denn das fällt unter Kurzstreckenflug und sobald der zwei Stunden später landet als geplant, wird die Entschädigung fällig. Diese fällt mit 250,- zwar nicht ganz so großzügig aus, angesichts der derzeitigen Angebote gehen sich aber locker zwei Kurztrips in eine andere europäische Metropole aus.

Wessen Flug ausfällt, hat möglicherweise ebenfalls Anspruch auf Entschädigung und die ist gleich hoch wie im Fall einer Verspätung. Möglicherweise deshalb, weil die Fluggesellschaft darüber informieren muss und wenn sie das rechtzeitig, also mindestens 14 Tage vor dem geplanten Abflug macht, ist sie aus dem Schneider. Außerdem muss sie einen Ersatzflug organisieren; ihre Passagiere also umbuchen.

Wer eine Entschädigung für einen annullierten Flug durchsetzen möchte, aber weder Lust noch Nerven für den Schriftverkehr mit einer Rechtsabteilung hat, kann sich an eines der Fluggastportale wie etwa AirHelp wenden. Diese Stellen kümmern sich um die rechtskonforme Entschädigung für Passagiere.

Foto: Michel Weber

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