Deutschland: Verdächtiger wegen Messerangriffs in Aschaffenburg steht vor Gericht

von Otto Hofmann
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Rund neun Monate nach einem tödlichen Messerangriff auf eine Gruppe Kindergartenkinder in Bayern hat das Gerichtsverfahren begonnen, um zu klären, ob der Verdächtige strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden kann.

Das Amtsgericht Aschaffenburg prüft, ob Enamullah O., ein 28-jähriger Afghane, der vermutlich an einer psychischen Erkrankung leidet, zum Zeitpunkt des Anschlags am 22. Januar 2025 rechtlich gesund war.

Unter Berufung auf ein forensisch-psychiatrisches Gutachten, das auf Wahnsinn schließen lässt, fordern die Staatsanwälte seine dauerhafte Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik.

Nach Angaben der Staatsanwälte gibt es keine Hinweise darauf, dass der Mann extremistische oder terroristische Motive hatte.

Afghanischer Mann wird wegen brutalen Messerangriffs auf Kinder wegen Mordes und anderen Anklagen angeklagt

Nach Angaben der Ermittler setzte der Verdächtige bei seinem Angriff auf eine Gruppe von Kindern im Schöntalpark der Stadt Aschaffenburg ein 30 Zentimeter langes Küchenmesser ein.

Ein zweijähriger marokkanischer Junge wurde tödlich verletzt, und ein 41-jähriger Deutscher, der helfen wollte, wurde ebenfalls getötet.

Der Angreifer soll außerdem ein zweijähriges syrisches Mädchen und einen 73-jährigen deutschen Mann erstochen haben, die beide überlebten.

Eine 59-jährige Lehrerin brach sich bei dem Angriff den Arm.

Der Verdächtige, der der Polizei wegen früherer Übergriffe, Sachbeschädigungen und Widerstand gegen die Beamten bekannt war, floh vom Tatort, wurde jedoch etwa 12 Minuten nach dem ersten Notruf in der Nähe eines Bahngleises festgenommen. In der Nähe wurde ein blutbeflecktes Messer gefunden.

Die Staatsanwaltschaft wirft Enamullah O. Mord, versuchten Mord, fahrlässige Tötung, Drohung und mehrfache Körperverletzung vor.

Das aktuelle Gerichtsverfahren befasst sich auch mit einem separaten Vorfall vom August 2024 in einer Flüchtlingsunterkunft, bei dem Enamullah O. angeblich eine Bewohnerin erwürgt und dann mit einem Messer verletzt hat.

Bis zum 30. Oktober sind sechs Gerichtsverhandlungen geplant.

Der Verdächtige entging der Abschiebung und hatte eine Vorgeschichte mit der Polizei

Nach Angaben deutscher Behörden hatte Enamullah O. im Dezember zugesagt, sich freiwillig abzuschieben, nachdem sein Asylantrag abgelehnt worden war, hat dies aber letztendlich nicht getan. Deutschland hatte zuvor versucht, ihn im Jahr 2023 nach Bulgarien abzuschieben – wo er erstmals in Europa ankam –, war jedoch erfolglos geblieben.

Der schockierende Angriff im Januar ereignete sich nur einen Monat vor der Bundestagswahl in Deutschland. Zusammen mit anderen gewalttätigen Angriffen beeinflusste es auch die politische Debatte der Kampagne.

Das Verbrechen befeuerte die Unterstützung der rechtsextremen, einwanderungsfeindlichen Partei Alternative für Deutschland (AfD) und veranlasste den damaligen Kandidaten Friedrich Merz, im Falle seiner Wahl ein hartes Vorgehen gegen die Migration und eine Verschärfung der Grenzen „vom ersten Tag an“ zu versprechen, da die Unterstützung für eine härtere Herangehensweise an die Einwanderung zunahm.

Merz und Innenminister Alexander Dobrindt verfolgen seit ihrem Amtsantritt einen energischeren Ansatz in der Migrationspolitik, insbesondere im Hinblick auf die Wiederaufnahme von Abschiebeflügen in Länder wie Syrien und Afghanistan, die zuvor als unsichere Herkunftsländer galten und daher nicht für Rückführungen geeignet waren, nun aber als sicher gelten.

Anmerkung der Redaktion: Die DW folgt dem deutschen Pressekodex, der die Bedeutung des Schutzes der Privatsphäre von mutmaßlichen Straftätern oder Opfern betont und uns dazu drängt, in solchen Fällen keine vollständigen Namen preiszugeben.

Herausgegeben von: Roshni Majumdar

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