Die deutsche Koalitionsregierung stimmt einem neuen Wehrdienstplan zu

von Otto Hofmann
2 Minuten Lesedauer

Die deutsche Mitte-Rechts-/Mitte-Links-Koalition kündigte am Donnerstag einen vereinbarten Weg zur Aufstockung ihrer Streitkräfte an, einschließlich der Option, eine teilweise Wehrpflicht durchzusetzen.

Seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine im Jahr 2022 haben die Diskussionen darüber, wie die Zahl der aktiven Soldaten und Reservesoldaten in der Bundeswehr erhöht werden kann, deutlich zugenommen.

Befürchtungen vor weiteren militärischen Drohungen Russlands sowie die als mangelhaft empfundene Unterstützung seitens der USA haben die europäischen Länder dazu veranlasst, sich stärker auf einen möglichen russischen Angriff auf die NATO vorzubereiten.

Was hat die Koalitionsregierung angekündigt?

Die CDU/CSU- und SPD-Regierung erklärte in einer Erklärung, sie habe einen „Wachstumspfad“ vorgegeben, um von derzeit 180.000 Soldaten auf insgesamt rund 260.000 Soldaten und rund 200.000 Reservisten zu kommen.

Ziel ist es, im nächsten Jahr Fragebögen an alle 18-Jährigen zu verschicken, sie nach ihrer Motivation und Eignung für den Militärdienst zu befragen und sie über ehrenamtliches Engagement zu informieren. Für Männer ist die Beantwortung verpflichtend.

Wer sich freiwillig anmeldet, erhält außerdem monatlich 2.600 € (3.000 $).

Sollte das Ziel jedoch durch die freiwillige Einberufung nicht erreicht werden, strebt die Regierung auch die Einführung einer Zwangseinberufung an, um verbleibende Lücken zu schließen. Ein bisheriges Ziel von 203.000 Soldaten wurde durch die freiwillige Einberufung nicht erreicht.

Die Wehrpflichtigen würden „als letztes Mittel“ nach dem Zufallsprinzip ausgewählt, hieß es in der Ankündigung.

Was denken die Deutschen über die Wiedereinführung der Wehrpflicht?

Innerhalb der Koalitionsregierung gab es erhebliche Meinungsverschiedenheiten darüber, wie die Zahl der Soldaten am besten erhöht werden könne. Ein Reibungspunkt war ein automatischer Mechanismus, der eingreifen würde, wenn die Zahlen unterschritten würden.

In der Ankündigung vom Donnerstag hieß es, dass es keinen solchen automatischen Mechanismus geben werde.

Bis 2011 gab es in Deutschland eine Wehrpflicht für Männer. Die Aufhebung der Wehrpflicht konnte mit einfacher parlamentarischer Mehrheit aufgehoben werden. Um Frauen einzubeziehen, müsste die deutsche Verfassung geändert werden.

Laut einer im Juni 2025 veröffentlichten YouGov-Umfrage gibt es in der deutschen Wählerschaft eine gewisse Unterstützung für einen solchen Schritt – 54 % dafür. Allerdings trifft dies vor allem auf ältere Wähler zu (66 % Unterstützung), die vom Dienst befreit wären. Bei jüngeren Menschen (35 % Zustimmung bei den 18- bis 29-Jährigen) besteht erhebliche Zurückhaltung.

CDU/CSU und SPD hatten sich in ihrem Koalitionsvertrag auf eine Erhöhung der Soldatenzahlen geeinigt, allerdings hatten beide Blöcke Mühe, eine Einigung über die Umsetzung jeglicher Form der Wehrpflicht zu finden.

Herausgegeben von: Kieran Burke

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