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Felix-Nussbaum-Haus in Osnabrück

Top-Adresse im Museumsquartier (MQ4)

Das Felix-Nussbaum-Haus ist eines von insgesamt vier Kunst- und Kulturhäusern im Museumsquartier (MQ4) in Osnabrück. Wie kein anderer hat Felix Nussbaum seine Erfahrungen und Emotionen hinsichtlich Krieg, Flucht, Vertreibung, Antisemitismus während der NS-Zeit in seinen Bildern für die Nachwelt festgehalten. Seine Liebe zur Malerei hat ihn in schweren Zeiten am Leben gehalten.

Im Felix-Nussbaum-Haus wird nicht allein das Werk des Osnabrücker Künstlers gezeigt, der im Nationalsozialismus verfolgt und getötet wurde, das Museum setzt sich intensiv mit Nussbaum und dem Holocaust auseinander. Es finden Wechelausstellungen und Veranstaltungen mit Bezug zur Thematik, darunter die jiddische Musikreihe oder Zeitzeugengespräche, statt.

Das Felix-Nussbaum-Haus ist mit dem Friedenslabor des Museumsquartiers verbunden, das unter dem Manifest: “Nie wieder Krieg! Nie wieder Diktatur!“ erinnert, forscht und dabei intensiv Zeitzeugen miteinbezieht. So versteht sich das Haus als Ort gegen Unterdrückung und Gewalt, für Menschenwürde und friedliches Miteinander.

Felix Nussbaum – Leben und Werk

1904 in Osnabrück geboren, wächst Felix Nussbaum behütet in einer jüdischen Kaufmannsfamilie auf. Der Vater, Eisenwarenhändler in Osnabrück, hat ein leidenschaftliches Hobby: Das Malen. Da er selbst nicht die Möglichkeit hatte, Maler zu werden, unterstützt er seinen jüngsten Sohn tatkräftig dabei, sein Kunststudium aufzunehmen. Im Alter von 21 Jahren entsteht eines der ersten Gemälde Felix Nussbaums „Die beiden Juden“, als eine Art Bekenntnis zum Judentum.

Nussbaum beginnt sein Kunststudium 1922 in Hamburg, wechselt 1923 nach Berlin und ist ab 1928 Meisterschüler von Hans Meid. Seine frühen Gemälde sind stark von van Gogh inspiriert, wie sein „Selbstbildnis mit grünem Hut“ (1927) erkennen lässt. Es folgen erste Ausstellungen. Felix Nussbaum entwickelt sich künstlerisch weiter und begeistert durch seine eigene Darstellung, die Liebe, Tod, Trauer, Melancholie, Ironie, kindliche Freude, Unschuld und Grausamkeit fantasievoll interpretiert. Dabei werden auch Nussbaums Ängste mitunter sichtbar.

Teil der Berliner Generation

1929 lässt er sich als selbstständiger Maler in der Xantener Straße nieder. Bereits 1931 gehört der Künstler zu den großen Kunstschaffenden der jungen Berliner Generation. Als er 1932 eher unwirsch sein Stipendium an der Deutschen Akademie Villa Massimo in Rom antritt, nimmt er, ohne es zu wissen, für immer Abschied von seiner Heimat. Italien ist für ihn ein Land der Klischees, was sich auch in seinen Arbeiten widerspiegelt. Seine Eltern trifft er ein letztes Mal 1934 in Rapallo, da sie in die Schweiz emigrieren wollen, um der Judenverfolgung in Deutschland zu entkommen. Dennoch kehren sie nach Deutschland zurück und Nussbaum verarbeitet die Angst um die Eltern in den Gemälden „Friedhofsbank“ und „Der kranke Reiter“.

Emigration

Nussbaum emigriert 1935 zusammen mit der polnischen Malerin Felka Platek, die er aus Berlin kennt, in das belgische Ostende. Seine Kunst findet hier keine Beachtung, stattdessen hat er mit Aufenthaltsgenehmigungen und ständigem Umzug zu kämpfen. Eine geborgene Heimat fehlt ihm, was er in seinen Bildern wie „Selbstbildnis mit Geschirrtuch“ mitzuteilen versucht. Seine folgenden Werke sind geprägt von dargestellten Gefühlen der Bedrohung, Verlassenheit, Aussichtslosigkeit. 1937 ziehen Nussbaum und Platek nach Brüssel und heiraten.

Durch den belgischen Bildhauer Dolf Ledel eröffnet sich Nussbaum 1938 die Möglichkeit, an der Ausstellung „Freie Deutsche Kunst“ des Freien Künstlerbundes in Paris teilzunehmen. Hier will er sein Statement gegen Krieg und Malverbot für Juden zeigen. Allerding werden die Bilder wegen Zollproblemen nicht ausgestellt, was den Künstler dazu bewegt, keine politischen Arbeiten mehr anzufertigen. Er probiert sich im Surrealismus, allerdings holt ihn seine Situation auch malerisch ein. Verunsicherung, Stillstand und Orientierungslosigkeit werden zu seiner bildlichen Botschaft.

Während des Weltkriegs

1939 beginnt der Zweite Weltkrieg und Nussbaum fühlt sich weder der belgischen noch der deutschen Nation verbunden, da er überall unerwünscht ist. Er hinterfragt in weiteren Bildern wie „Selbstbildnis mit Skabiose“ seine Identität. Es entsteht eine innerliche Wendung. Er sieht wieder Sinn in seiner Kunst und will fortan tagebuchartig und geheim die politischen Ereignisse dokumentieren. Unter geheim versteht er, Bilder für seine innere Wirklichkeit zu finden, die von der politischen Entwicklung im Äußeren geprägt sind.

Im Mai 1940, nach dem die deutschen Truppen in Belgien einmarschiert sind, wird Felix Nussbaum als „wehrfähiger Reichsdeutscher“ von den belgischen Behörden verhaftet und in das südfranzösische Lager St. Cyprien (Pyrenäen-Hölle) verbracht. Die schlimme Lagererfahrung zermürbt ihn so sehr, dass er die Rückführung ins Reich beantragt. Während der Rückreise kann er fliehen und kehrt nach Brüssel zu seiner Ehefrau zurück. Die furchtbaren Lagererlebnisse wie Krankheiten und Todesnähe werden zentrales Thema in seinen Bildern.

Letzte Werke

Im Mai 1942 beginnt im besetzten Belgien die Judendeportation in die Vernichtungslager. Nussbaum und seine Frau verlassen ihr Atelier und finden bei der befreundeten Familie Ledel bis März 1943 ein Versteck. Als diese in die Ardennen fliehen, kehren Nussbaum und seine Frau nach Brüssel zurück und müssen sich fortan verstecken. Seine Bilder aus dieser Zeit zeigen die tiefe Anteilnahme am jüdischen Schicksal und halten seine Hoffnung auf Überleben wach.

Die Malerei wird zu seiner „Widerstandshandlung“ gegen das menschenvernichtende Regime, seit Nussbaum weiß, dass er sich nicht mehr retten kann. Zu seinen letzten Werken gehören Der „Jude am Fenster“ (1943) und „Triumph des Todes“ (1944). Durch eine gezielte Denunziation erfolgt die Verhaftung von Felix Nussbaum und seiner Ehefrau Felka Platek am 20. Juni 1944. Beide werden nach Ausschwitz deportiert und dort noch vor dem Einmarsch der Alliierten in Brüssel ermordet.

Architektur und Architekt des Felix-Nussbaum-Hauses

Für den Künstler und sein intensives Werk im Hinblick auf die sensible Thematik braucht es ein Haus, das diesen Anliegen auch optisch gerecht wird. Der jüdisch-amerikanische Architekt Daniel Libeskind hat das Museumshaus, das 1998 eröffnet wurde, entworfen. Er konnte sich 1995 im Ausschreibungswettbewerb um den Bau des Hauses unter 300 Mitbewerbern durchsetzen. Das Bauwerk besteht aus kubistischen Quadraten, die aus Holz, Metall und Beton gefertigt sind, mal mit kleinen Fenstern, mal ganz ohne jeglichen Lichteinfall. Die schicksalhafte Verknüpfung von Leben und Schaffen Nussbaums wird im Inneren wie im Äußeren authentisch abgebildet.

Das Haus bietet wortwörtlich Räume für die Beschäftigung und die Auseinandersetzung mit dem Künstler wie auch dem Holocaust. In Wechselausstellungen werden Nussbaums Bilderthemen Flucht, Vertreibung, Krieg, kulturelle Identität, die auch heute höchst aktuell sind, aufgegriffen, das Werk neu hinterfragt und in einem Dialog mit Positionen anderer Künstler gebracht. Auch dafür ist die Architektur des Hauses perfekt geschaffen.

Die Sammlung Felix Nussbaum

Mit dem Aufbau der Sammlung Felix Nussbaum wurde 1970 begonnen. Entscheidend für die Entstehung war der große Einsatz der Cousine von Felix Nussbaum, Auguste Moses-Nussbaum, die alle relevanten Schritte zum Aufbau in die Wege geleitet hat. So konnten im ersten wichtigen Schritt über 100 Werke des Künstlers an seinen Geburtsort gebracht werden. Die Stadt Osnabrück bemühte sich intensiv um weitere Exponate, so dass sich die Sammlung auf mehr als 200 Werke vergrößerte, was gleichzeitig den Anstoß zum Bau des Felix-Nussbaum-Hauses gab. Die Sammlung wurde 1994 von der Niedersächsischen Sparkassenstiftung erworben, die auch den Bau des Hauses realisierte. Bis heute ist der Bestand erneut um viele Schenkungen, Stiftungen und gesponserte Ankäufe von Werken des Künstlers angewachsen. 2001 wurde die Felix Nussbaum Foundation von Hubert Schlenke gegründet, der 2014 verstorben ist.

Das Werkverzeichnis mit allen Arbeiten des Künstlers aus den Jahren 1919 bis 1944 kann komplett in einer eigens dafür geschaffenen Datenbank, die online über die Internetseite des Museumsquartiers Osnabrück abzurufen ist, eingesehen werden.

Allgemeine Infos zum Felix-Nussbaum-Haus

Die Öffnungszeiten und Eintrittspreise des Felix-Nussbaum-Hauses entsprechen denen des Museumsquartiers. Samstag und Sonntag sowie an gesetzlichen Feiertagen finden um 14.00 Uhr öffentliche Führungen zu Felix Nussbaum und der Architektur Daniel Liebeskinds statt. Darüber hinaus gibt es verschiedene private Führungen, die während der regulären Öffnungszeiten auch in mehreren Fremdsprachen gebucht werden können. Das Programm der Wechselausstellungen und Veranstaltungen ist der Internetseite des Museumsquartiers zu entnehmen.

Besucheradresse:
Museumsquartier Osnabrück
Lotter Straße 2
49078 Osnabrück
Internet: https://www.museumsquartier-osnabrueck.de

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