- Merz‘ China-Besuch ist der erste einer deutschen Kanzlerin seit Olaf Scholz im Jahr 2024
- Begleitet wird die Kanzlerin von einer großen Delegation deutscher Industriechefs
- Auch Chinas Beziehungen zu Russland stehen auf der Tagesordnung, da der Krieg in der Ukraine in sein fünftes Jahr geht
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Bundeskanzler Friedrich Merz ist am Mittwoch zu seinem ersten China-Besuch in Peking gelandet.
Merz wird von einer großen Delegation von Wirtschaftsführern begleitet.
Der deutsche Bundeskanzler wird zunächst von Ministerpräsident Li Qiang mit militärischen Ehren empfangen.
Am Abend soll Merz Gespräche und ein Abendessen mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping führen.
Der Besuch von Friedrich Merz in China findet einen Tag nach dem vierten Jahrestag der umfassenden Invasion Russlands in der Ukraine statt — Der Krieg dauert immer noch an und ein Ende ist nicht in Sicht.
Die deutsche Bundeskanzlerin äußerte öffentlich Kritik an den Beziehungen Pekings zu Moskau und warf China vor, die russischen Kriegsanstrengungen durch Ölimporte und Technologieexporte zu unterstützen.
Das chinesische Außenministerium betonte am Dienstag, dass der Krieg in der Ukraine die Beziehungen zwischen Europa und China nicht belasten dürfe und Peking diplomatische Bemühungen um eine politische Lösung unterstütze.
Allerdings betrachtet der russische Präsident Wladimir Putin Teile der Ostukraine als Teil Russlands — und tatsächlich gehörte die gesamte Ukraine zum Einflussbereich Moskaus — da die chinesische Regierung den Inselstaat Taiwan als chinesisches Territorium betrachtet.
Wie die meisten Länder verfolgt Deutschland eine sogenannte „Ein-China-Politik“, indem es die Volksrepublik China nur offiziell anerkennt. Allerdings betonte Merz, dass „wir die genauen Einzelheiten (dieser Politik) selbst festlegen werden.“ — und Deutschland unterhält inoffizielle wirtschaftliche, kulturelle und wissenschaftliche Beziehungen zu Taiwan.
China hat die USA im Jahr 2025 als wichtigster Handelspartner Deutschlands abgelöst und wird auch im Jahr 2026 ein wichtiger Markt für die deutsche Wirtschaft bleiben.
Bundeskanzler Friedrich Merz wird daher bei seinem Besuch in China von einer großen Delegation deutscher Industrievertreter begleitet.
Deutsche Unternehmen fordern Merz auf, Themen wie Überkapazitäten und Exportkontrollen bei kritischen Rohstoffen anzusprechen, während sich insbesondere deutsche Automobilhersteller seit langem über den harten chinesischen Wettbewerb beschweren, der durch inländische Subventionen und ungleichen Marktzugang verstärkt wird.
„Es wäre ein Fehler, eine Abkoppelung von China anzustreben“, sagte Merz am Dienstag vor seiner Abreise aus Berlin und fügte hinzu, ein Abbruch der Beziehungen zu China käme einem „Selbstschießen ins eigene Bein“ gleich. Wir würden unsere eigenen wirtschaftlichen Chancen ruinieren.
Vor seiner Abreise nach Peking fasste Bundeskanzler Friedrich Merz die Botschaft, die er auf seiner Reise vermitteln möchte, mit einem chinesischen Sprichwort zusammen und bezog sich dabei auf Chinas Jahr des Pferdes, das letzte Woche begann.
„Ein Pferd nutzt seine Kräfte nicht allein aus, sondern indem es gemeinsam mit anderen den Karren zieht“, sagte er und forderte damit China, die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt nach den USA, auf, gemeinsam mit seinen internationalen Partnern globale Probleme anzugehen.
Für Deutschland skizzierte Merz fünf Leitprinzipien für Berlins Umgang mit Peking:
- Umgang mit China aus einer Position europäischer Stärke. „Eine kluge China-Politik beginnt im eigenen Land“, sagte Merz. „Nur wenn wir in Deutschland und Europa vereint, stark und wettbewerbsfähig sind, können wir eine ausgewogene Partnerschaft mit China aufbauen.“
- Eine gemeinsame europäische Politik gegenüber China. Es ist kein Zufall, dass Merz, der französische Präsident Emmanuel Macron und der britische Premierminister Keir Starmer in so kurzer Zeit China besuchen. „Wir wollen, dass unsere Partnerschaft mit China ausgewogen, zuverlässig, reguliert und fair ist“, sagte er. „Das ist unser Angebot und das hoffen wir auch von chinesischer Seite.“
- Fairer Wettbewerb. Das ist die zentrale Forderung der deutschen Industrie, deren Vertreter Merz auf seiner Reise begleiten. Deutsche Unternehmen klagen schon lange über den Marktzugang, intransparente Regulierungen und den staatlich subventionierten heimischen Wettbewerb in China. Merz betonte: „Wir müssen uns auf vereinbarte Regeln verlassen können.“
- Risikominderung statt Entkopplung. Trotz der ideologischen Differenzen zwischen Deutschland und China betont Merz, dass eine Abkoppelung von China keine Option sei. Das käme einer „wirtschaftlichen Selbstbeteiligung“ gleich. Dennoch wird es in Peking nicht unbemerkt geblieben sein, dass Merz zunächst Indien besuchte.
- Internationale Zusammenarbeit. In einer sich wandelnden Weltordnung, in der Großmächte eine immer größere Rolle spielen, ist China nach Ansicht von Merz ein wichtiger geopolitischer Akteur und globale Herausforderungen wie der Kampf gegen den Klimawandel können nur gemeinsam bewältigt werden. Chinas Zweckbündnis mit Russland und seine Rivalität mit den USA im Pazifik haben auch Folgewirkungen auf Europa und Deutschland.
Guten Tag! Willkommen zur Berichterstattung der DW zum China-Besuch von Bundeskanzler Friedrich Merz.
Merz wird am Mittwoch zum Auftakt einer zweitägigen Reise in Peking eintreffen — der erste Besuch einer deutschen Kanzlerin in China seit Olaf Scholz im Jahr 2024.
China ist gleichzeitig ein geopolitischer Rivale und ein wertvoller Handelspartner für Deutschland, und so wird Merz von einer großen Delegation von Vertretern der deutschen Industrie begleitet.
Merz hat Treffen mit dem chinesischen Premierminister Li Qiang und Präsident Xi Jinping geplant, mit denen er voraussichtlich über wirtschaftliche Zusammenarbeit und globale Sicherheit sprechen wird — sondern auch Menschenrechte.
Neben der Hauptstadt Peking wird Merz auch das Hightech-Zentrum Hangzhou besuchen.
