Deutsche Gewerkschaft drängt auf Vorladung von Gesandten, nachdem DW-Reporter inhaftiert wurde

von Otto Hofmann
2 Minuten Lesedauer

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) forderte am Dienstag Außenminister Johann Wadephul auf, den türkischen Botschafter in Berlin, Gökhan Turan, einzubestellen, nachdem ein DW-Reporter in Untersuchungshaft genommen wurde.

Alican Uludag wurde am Freitag auf Antrag der Staatsanwaltschaft von einem Richter in Untersuchungshaft genommen.

Uludag wird vorgeworfen, „irreführende Informationen an die Öffentlichkeit zu verbreiten“, „den Präsidenten zu beleidigen“ und „die türkische Nation, den Staat und die Institutionen zu beleidigen“.

Was hat der DJV über Uludag gesagt?

„Das ist pure Schikane gegen einen kritischen und unabhängigen Journalisten, der seinen Beruf ernst nimmt und sich nicht zum Schweigen bringen lässt“, sagte DJV-Vorsitzender Mika Beuster.

Der Haftbefehl sei „ein Frontalangriff auf den deutschen Auslandssender Deutsche Welle, der die Menschen journalistisch und nicht propagandistisch informiert“, fügte Breuster hinzu.

Der DJV forderte das Auswärtige Amt auf, den türkischen Botschafter einzubestellen.

„Der deutsche Außenminister darf dazu nicht schweigen“, hieß es in der Pressemitteilung.

Was wissen wir über die Verhaftung des Korrespondenten?

Etwa 30 Polizisten verhafteten Uludag am vergangenen Donnerstag vor den Augen seiner Familie. Seine Wohnung wurde durchsucht und IT-Geräte beschlagnahmt.

Die Vorwürfe beziehen sich auf einen X-Post, den er vor etwa anderthalb Jahren verfasst hatte. Darin kritisiert er Maßnahmen der türkischen Regierung, die zur Freilassung möglicher „Islamischer Staat“-Terroristen führten. Er warf der Regierung Korruption vor.

Die DW und der deutsche Kulturminister Wolfram Weimer forderten die türkische Regierung auf, für eine sofortige Freilassung von Alican Uludag aus der Haft zu sorgen.

Wer ist Alican Uludag?

Als langjähriger Gerichtsreporter berichtet Uludag, der seit mehreren Jahren für die DW berichtet, über Menschenrechtsverletzungen, Korruptionsfälle und Prozesse, die ein breites Publikum erreichen.

Uludag wurde 2021 in Deutschland mit dem Raif-Badawi-Preis für mutigen Journalismus ausgezeichnet, in Anerkennung seiner Berichterstattung unter zunehmendem Druck auf unabhängige Medien in der Türkei.

Die Friedrich-Naumann-Stiftung sagte, die Auszeichnung unterstreiche die Arbeit des Justizkorrespondenten in einer Zeit, in der der freie Journalismus in der Türkei mit starken Einschränkungen konfrontiert sei.

In der Türkei, die im Pressefreiheitsindex von Reporter ohne Grenzen auf Platz 159 von 180 Ländern liegt, sind weiterhin zahlreiche Journalisten inhaftiert. Große Teile der Medienlandschaft des Landes stehen unter direkter oder indirekter staatlicher Kontrolle.

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Herausgegeben von: Elizabeth Schumacher

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