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Rubrik Region Traditionen

Brokser Heiratsmarkt

Traditionelles Volksfest für Ja-Sager

Jedes Jahr Ende August steht der niedersächsische Luftkurort Bruchhausen-Vilsen, im Landkreis Diepholz gelegen, ganz im Zeichen der Heiratswilligen. Dann werden die Junggesellen des Ortes öffentlich versteigert und mit den meistbietenden Damen direkt vor Ort getraut. Um diesen beliebten Brauch spannt sich ein gigantisches Volksfest am Marktplatz, zu dem sich mehrere hunderttausend Besucher einfinden. Neben den kuriosen Heiratsaktionen warten Gewerbeschau, Pferdemarkt, buntes Kirmestreiben, wechselnde Attraktionen und ein Feuerwerk. Der Brokser Heiratsmarkt zählt zu den größten Volksfesten in Norddeutschland.

Vom mittelalterlichen Viehmarkt zum Volksfest mit Heiratsmarkt

Hinter dem Brokser Heiratsmarkt steht eine lange Geschichte. Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Marktveranstaltung im Jahre 1645, wobei die Entstehung weitaus früher angenommen wird. Im Mittelalter trug der ursprüngliche Viehmarkt noch die Bezeichnung Bartholomäus-Markt, da er zu Ehren des heiligen Bartholomäus, dem Schutzpatron der Landwirte, ausgerichtet wurde.

Über die Jahrhunderte hinweg entwickelte sich der Bartholomäus-Markt kontinuierlich weiter, neben dem Vieh- und Pferdemarkt bildeten sich mit Gewerbeschau, buntem Kirmestreiben, Riesenfeuerwerk und den Spaßhochzeiten gleich fünf traditionelle Programmelemente heraus. Letzterer wurde durch einen findigen Reporter aus Hoya angestoßen, der Ende der 1920er Jahre feststellte, dass sich doch zahlreiche Ehepaare auf dem Festmarkt gefunden hätten und ihn scherzhaft als „Brokser Heiratsmarkt“ betitelte. Damit lieferte er den Festorganisatoren die Steilvorlage für einen neuen, zeitgemäßen und werbewirksamen Namen, der zugleich ein weiteres Programmhighlight einleiten sollte. Da der Markt wohl ehestiftende Wirkung hatte, warum nicht ein bisschen Amor und Schicksal spielen mit Aktionen wie Heiratsvermittler, Junggesellenversteigerung und Spaßtrauung? Und die machen Riesenspaß, wie das ungebrochene Interesse an den Rummelplatzehen beweist.

Bleibt nur noch die Frage offen, warum „Brokser“ Heiratsmarkt? Die Antwort: Bruchhausen-Vilsen heißt auf Plattdeutsch Brooksen-Vilsen und Broksen ist die gebräuchliche Kurzform.

Der Markt-Ablauf

Der Brokser Heiratsmarkt findet auf und um den Marktplatz herum in Bruchhausen-Vilsen statt, insgesamt steht eine Fläche von 9 Hektar zur Verfügung, von denen 3.000 Quadratmeter als Ausstellungsfläche dienen. Neben den rund 500 Schaustellern, die den Rummelplatz bevölkern, finden sich vier große und zwei kleine Festzelte, eines davon ist fest reserviert für die Spaßtrauungen. Die Gewerbeschau präsentiert sich mit drei Zelten und einem Außenareal.

Von Freitag bis Dienstag dauert das Marktspektakel, der erste Markttag wird feierlich durch den amtierenden Bürgermeister und den so genannten Heiratsvermittler eröffnet. Ebenfalls findet zur Eröffnung das Großfeuerwerk statt. An den fünf Festtagen gibt es eine Reihe von jährlich wechselnden Attraktionen sowie die traditionellen Heiratsaktionen mit dem Highlight der Junggesellenversteigerung. An allen Tagen können sich Mutige das Ja-Wort im Spaßtrauungszelt geben und sich auf Wunsch am letzten Markttag wieder scheiden lassen. Der letzte Tag ist zudem traditionell für den Pferdemarkt reserviert.

Wissenswertes über die Heiratsaktionen

Der Heiratsvermittler mit weißem Schal und weißen Handschuhen macht seinem Namen alle Ehre und ermutigt Anwesende den großen spaßigen Schritt zu tun. Diese Rolle übernimmt jedes Jahr eine politische Persönlichkeit aus Niedersachsen, als berühmte „Verkuppler“ der Vergangenheit sind Gerhard Schröder (1991) und Philipp Röser (2009) zu nennen.

Zu den Markt-Highlights gehört die Junggesellenversteigerung, bei dem sich die Damen der Schöpfung einen Favoriten kaufen können. Zuvor müssen die Junggesellen einige Aufgaben erfüllen, um ihre persönlichen Qualitäten unter Beweis zu stellen. Nur so viel sei verraten: bei lustigen Aktionen wie dem Bierkisten-Tanz fällt garantiert keiner durch und am Ende sind alle Junggesellen vom Markt.

Die neuen Paare können sich anschließend zum Spaß, romantisch mit Schleier und Zylinder, trauen lassen und in die Ehe auf Probe für fünf Tage starten. Eine Heiratsurkunde gibt es natürlich auch. Passend dazu bieten sich auf dem Markt ausgelassene Veranstaltungen mit Musik, Tanz und vielen Möglichkeiten in den Partyzelten, um auf Tuchfühlung zu gehen. Und wenn es doch nicht passt, lässt man sich am fünften Tag wieder scheiden. Das Angebot der Spaßtrauung richtet sich an alle Festbesucher – ob Paare, befreundete Personen oder solche, die sich näher kennen wollen. Auch Fremde reisen eigens für diese Gaudi an.

Anlässlich des Heiratsmarktes wird das „Heirats-Bräu“ gebraut, das auch nur während der Festzeit in vollen Zügen genossen werden kann. Echte Ehepaare dürfen in keinem Jahr fehlen, am besten solche, die sich auf dem Heiratsmarkt kennengelernt haben, aber das ist keine Bedingung. Am Eröffnungstag wird aus den anwesenden Paaren, die in voller Hochzeitsmontur auftreten, das Brautpaar des Jahres gewählt, das die Großveranstaltung symbolisch begleitet.

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